- 01.04.2026, 08:01:32
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Streuobstwiesen in Österreich: Hotspots der Biodiversität stehen vor dem Kipppunkt
Österreichs Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen des Landes – und sind gleichzeitig massiv bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt DivMoSt. Der nun vorliegende Endbericht zeigt: Während die Bestände eine außergewöhnlich hohe Biodiversität beherbergen, gefährden fehlende Pflege, mangelnde Nachpflanzung und der fortschreitende Verlust alter Bäume zunehmend ihre Zukunft.
Strukturreiche, extensiv bewirtschaftete Streuobstbestände mit Altbäumen, Totholz und offenen Bodenstellen erweisen sich als Schlüsselhabitate für Insekten sowie als unverzichtbare Rückzugsräume für Vögel und Säugetiere. Gleichzeitig werden genau diese Strukturen immer seltener.
Das Projekt wurde von mehreren Instituten der BOKU University gemeinsam mit der Bundesanstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg sowie dem Ingenieurbüro Holler umgesetzt und vom Verein Streuobst Österreich unterstützt. Finanziert wurde es durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums (BMLUK) und die Europäische Union (NextGenerationEU).
Hotspots der Artenvielfalt
Die im Projekt durchgeführten Erhebungen auf Streuobstwiesen in ganz Österreich belegen eindrucksvoll deren ökologische Bedeutung: „Insgesamt konnten wir 321 Insektenarten nachweisen. Allein die 225 dokumentierten Bienenarten entsprechen rund einem Drittel der heimischen Bienenfauna. Gemeinsam mit 65 Tagfalter- und 31 Heuschreckenarten zeigt sich die enorme Bedeutung dieser Lebensräume“, erklärt Sophie Kratschmer, Entomologin am Institut für Zoologie an der BOKU University. Darunter finden sich auch streng geschützte Arten wie der Große Feuerfalter und der Schwarze Apollo.
Auch für Fledermäuse sind Streuobstwiesen von zentraler Bedeutung: 23 der 31 in Österreich bekannten Arten wurden nachgewiesen. „Die Mischung aus Offenland und Gehölzstrukturen schafft ideale Bedingungen. Unsere Daten zeigen, dass hier sowohl stark gefährdete Arten wie die Große Hufeisennase als auch spezialisierte Waldbewohner wie Bechstein- und Nymphenfledermaus vorkommen“, so Markus Milchram von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung.
Zudem wurden 114 Vogelarten erfasst. Typische Vertreter wie Wiedehopf, Wendehals oder Gartenrotschwanz profitieren von Baumhöhlen alter Obstbäume und extensiv bewirtschafteten Wiesen. „Wir konnten etwa die Hälfte der regelmäßig in Österreich brütenden Vogelarten nachweisen. Besonders höhlenbewohnende Arten wie die stark gefährdete Zwergohreule sind auf alte, strukturreiche Streuobstwiesen angewiesen“, betont Eva Schöll vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU.
Rückgang und strukturelle Defizite
Trotz ihres hohen ökologischen Wertes sind Streuobstwiesen stark im Rückgang: Von rund 35 Millionen Bäumen im Jahr 1930 sank der Bestand bis 2020 auf etwa 4,2 Millionen.
Die aktuellen Erhebungen zeigen zudem gravierende Probleme in den verbleibenden Beständen: Auf 68 Prozent der Flächen fehlen ausreichende Nachpflanzungen, 63 Prozent der Bäume werden nicht oder nur unzureichend gepflegt. Zusätzlich verschärfen Klimawandelfolgen – etwa die zunehmende Ausbreitung der Mistel – die Situation weiter. „Unsere Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz: Einerseits sind Streuobstwiesen Hotspots der Biodiversität, andererseits weisen sie massive Defizite in Pflege und Verjüngung auf. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsbedarf“, so Christian Holler, Ingenieurbüro Holler.
Neue Methoden für besseren Schutz
Um den Zustand der Streuobstwiesen künftig genauer erfassen und Schutzmaßnahmen gezielter steuern zu können, entwickelte das Forschungsteam eine neue Monitoring-Methode. Diese kombiniert Felderhebungen mit digitalen Geländemodellen und Satellitendaten.
Mithilfe von maschinellem Lernen (KI) wird das Reflexionsverhalten von Blättern und Blüten im Jahresverlauf analysiert, wodurch sich Obstbäume zuverlässig von anderen Gehölzen unterscheiden lassen. „Die Verbindung von klassischer Feldforschung mit moderner Fernerkundung ermöglicht erstmals ein flächendeckendes, kosteneffizientes Monitoring. So können wir Veränderungen langfristig verfolgen und Maßnahmen gezielt dort setzen, wo sie am dringendsten benötigt werden“, erklärt Markus Immitzer vom Institut für Geomatik der BOKU.
Zum Endbericht:
https://short.boku.ac.at/kq9kvy
https://www.streuobst.at/news/endbericht-divmost
Rückfragen & Kontakt
BOKU University
Mag.a Astrid Kleber-Klinger
Telefon: 0664 8858 6533
E-Mail: [email protected]
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