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MAK zeigt "BARBARA PFLAUM. Schaufenster des Alltags"

Barbara Pflaum, Passant*innen stehen vor dem Schaufenster eines
Elektrogeschäfts mit Fernseher, Wien, um 1960 Silbergelatineabzug ©
APA-Images / brandstaetter images / Barbara Pflaum
Wien (OTS) - 

Das MAK widmet Barbara Pflaum (1912–2002), einer Pionierin der österreichischen Pressefotografie, ab 15. April eine Personale im MAK Kunstblättersaal. Mit ihrem außergewöhnlichen Beobachtungssinn und ihrem herausragenden Gespür für Form zählte Pflaum zu den Wegweiserinnen des österreichischen Fotojournalismus der 1950er Jahre und prägte über zwei Jahrzehnte das Bild der Wochenpresse. Mit 40 Jahren, geschieden und Mutter von drei Kindern, begann sie ein Studium an der Akademie für angewandte Kunst (heute Universität für angewandte Kunst Wien), entdeckte die Fotografie und widmete sich ihr fortan mit Hingabe. Die Ausstellung im MAK zeigt mit mehr als 100 Fotografien aus den späten 1950er und frühen 1960er Jahren eine bislang wenig bekannte Seite ihres Schaffens: aufmerksame, oft humorvolle Beobachtungen des Wiener Alltags.

Anfang der 1950er Jahre erhielt Pflaum von ihrem damaligen Partner, dem Reisenden, Schriftsteller und Fotografen Herbert Tichy, ihre erste Kamera. Zunächst fotografierte sie vor allem ihre Kinder und Freundinnen. Diese Porträts weckten die Aufmerksamkeit des Laborbesitzers, bei dem sie ihre Filme entwickelte. Er ermutigte sie, ihre Arbeiten einer Illustrierten zu zeigen. Zwischen 1954 und 1958 arbeitete Pflaum für die Wiener Illustrierte. Parallel lernte sie den bekannten japanisch-amerikanischen Fotografen Yoichi Okamoto kennen, Leiter der Bildredaktion des US-Informationsdienstes, der junge Fotograf*innen im modernen Fotojournalismus schulte. Die Zusammenarbeit mit Okamoto prägte Pflaums Stil entscheidend und führte zu ersten Veröffentlichungen im Wiener Kurier.

Mit ihrer klassischen Mittelformatkamera war Pflaum, die ab Mitte der 1950er Jahre für die Wochenpresse fotografierte, bei Theater- und Opernpremieren, Vernissagen, politischen Veranstaltungen und gesellschaftlichen Events präsent. Sie porträtierte Staatsoberhäupter, Parteiführer*innen und internationale Künstler*innen, dokumentierte Parlamentsdebatten, Empfänge, Konferenzen und kulturelle Höhepunkte. Viele ihrer Porträts prominenter Persönlichkeiten erschienen auf der Titelseite des Wochenmagazins – Aufnahmen, auf die sie besonders stolz war und die sie zu Lebzeiten wiederholt in Ausstellungen zeigte.

Sie festigte ihre Position als Fotografin sowohl durch Veröffentlichungen in der Presse als auch durch Ausstellungen im Wiener Konzerthaus und eigene Publikationen. Neben offiziellen Aufträgen dokumentierte sie unermüdlich das alltägliche Leben Wiens: Menschen in Kaffeehäusern, auf Märkten, in Parks oder bei Festzügen, Passant*innen, Straßenhändler*innen, spielende Kinder oder Menschen im öffentlichen Raum. Besonders faszinierte sie der Wandel der Stadt – alte Viertel im Umbau, Abriss, Neubau oder beginnende Gentrifizierung.

Viele dieser Fotografien entstanden gleichsam en passant – persönliche Beobachtungen, von denen einige Eingang in ihren 1961 erschienenen Bildband wie ist Wien? fanden. Der Großteil blieb jedoch unveröffentlicht und lag jahrzehntelang im Archiv der Fotografin. Heute eröffnen diese Aufnahmen einen ebenso lebendigen wie humorvollen Blick auf die Stadt und ihre Bewohner*innen. Sie zeigen Alltagsszenen, aber auch Straßenproteste, weihnachtliche Märkte oder Stadtviertel, die kurz vor dem Abriss standen. Zugleich dokumentieren sie eine urbane Atmosphäre, die sich im Wien der Nachkriegszeit allmählich wandelte.

Die meisten Abzüge, die in der Ausstellung gezeigt werden, stammen direkt aus Pflaums eigenem Archiv, das heute bei brandstaetter images aufbewahrt wird. Es handelt sich um selbst gefertigte Abzüge, die teilweise deutliche Gebrauchsspuren tragen – Spuren der Funktion als Arbeitsmaterial.

Ein wesentlicher Bestandteil von Pflaums fotografischer Handschrift hängt mit ihrer bevorzugten Kamera zusammen. Sie arbeitete mit einer Rolleiflex, einer großen zweiäugigen Kamera für 6×6-cm-Film. Diese Technik erforderte ein bewusstes und überlegtes Arbeiten: Nach jeweils zwölf Aufnahmen musste der Film gewechselt werden, und das Bild wurde im quadratischen Format komponiert. Für den Druck in der Presse – die meist rechteckige Bildformate verlangte – mussten die Aufnahmen später beim Vergrößern beschnitten werden. Die Rolleiflex wurde auf Hüfthöhe gehalten, weil das Bild auf eine Mattscheibe auf der Oberseite der Kamera projiziert wurde und nur von oben betrachtet werden konnte.

Charakteristisch für viele von Pflaums Fotografien ist eine starke, vielschichtige Komposition: Häufig strukturiert eine unscharfe Vordergrundfläche das Bild, dahinter öffnet sich der räumliche Kontext der Szene. Erst in einer dritten Ebene konzentriert sich das eigentliche Geschehen – ein kurzer Moment, eine Begegnung, eine Geste. Diese Bildstruktur verleiht den Fotografien Dynamik und lenkt den Blick gezielt auf das Wesentliche.

Pflaums Beobachtungsgabe, ihre Fähigkeit, „auf der Lauer zu liegen“ und den richtigen Moment einzufangen, sind bemerkenswert, ebenso wie die Originalität vieler ihrer Kompositionen. Ob sie sich mit gängigen fotografischen Motiven wie Märkten oder Freizeitbeschäftigungen oder mit aktuellen Ereignissen wie Demonstrationen befasste, Pflaum achtete stets darauf, die Aufmerksamkeit auf die Menschen zu lenken, eine dynamische Energie im Bild zu gewährleisten und Assoziationen zu wecken – und so ein Gefühl der Erzählung zu erzeugen.

So entsteht ein vielschichtiges fotografisches Porträt Wiens vor mehr als einem halben Jahrhundert. Barbara Pflaums Aufnahmen zeigen zugleich, welche Fülle an Möglichkeiten selbst ein flüchtiger Moment auf der Straße bereithält – vorausgesetzt, man betrachtet ihn mit Aufmerksamkeit, Geduld und künstlerischem Gespür.

Karolina Ziębińska ist Kuratorin und Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt Fotografie. 2021–2025 leitete sie das Museum of Warsaw. Zuvor war sie 2014–2020 Kuratorin am Centre Pompidou in Paris und zehn Jahre an der Zachęta – National Gallery of Art in Warschau tätig. 2008 Mitgründerin der Archaeology of Photography Foundation. Sie kuratierte über 50 Ausstellungen und gab zahlreiche Publikationen zu bedeutenden Fotograf*innen heraus.

Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.

Pressekonferenz
Dienstag, 14.4.2026, 16 Uhr

Eröffnung
Dienstag, 14.4.2026, 19 Uhr
Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung

Ausstellungsort
MAK Kunstblättersaal
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

Ausstellungsdauer
15.4.–16.8.2026

Öffnungszeiten
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr

Gastkuratorin
Karolina Ziębińska

MAK Eintritt
Ꞓ 19/18*
ermäßigt Ꞓ 15,50/14,50*
jeden Dienstag 18–21 Uhr: Eintritt Ꞓ 9,50/8,50*
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19
* Ticketpreis im Online-Vorverkauf

Rückfragen & Kontakt

MAK Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
T +43 1 71136-213, [email protected]

Sandra Hell-Ghignone
T +43 1 71136-212, [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

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