• 25.03.2026, 15:36:03
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  • OTS0171

Nationalrat beschließt Entlastung der Pflichtschulen durch "mittleres Management"

Zusätzliche Gelder in der Höhe von 20 Mio. € für administrativ tätige Lehrkräfte

Wien (PK) - 

Mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen wurde heute im Nationalrat die Einführung eines "mittleren Managements" an Pflichtschulen beschlossen. Es handelt sich dabei um keine neue Hierarchieebene, vielmehr soll eine bestimmte Anzahl von Lehrkräften administrative Aufgaben übernehmen und - im Gegenzug - ihre Unterrichtstätigkeit reduzieren können. Damit könne auf Basis von pädagogischen Konzepten die Schul- und Unterrichtsentwicklung vorangetrieben und sowohl die Schulleitungen als auch die Lehrkräfte entlastet werden, zeigte sich Bildungsminister Christoph Wiederkehr überzeugt. In Zeiten "von klammen Budgets" würden dafür rund 20 Mio. Ꞓ bereitgestellt, zeigte er sich zufrieden.

Die Dienstrechtsnovelle wurde in der Fassung eines Abänderungsantrags der Regierungsfraktionen angenommen, der unter anderem vorsieht, dass auch die Bildungsanstalten für Elementarpädagogik und für Sozialpädagogik von den Regelungen umfasst sind. Die FPÖ begründete ihre Ablehnung vor allem damit, dass abermals kein eigenes administratives Personal bereitgestellt werde und es sich somit um einen "Etikettenschwindel" handle.

FPÖ fordert eigenes administratives Personal und spricht von Etikettenschwindel

FPÖ-Abgeordneter Werner Herbert konnte der vorliegenden Dienstrechtsnovelle wenig abgewinnen, da sie keine Lösung für den sich seit Jahren abzeichnenden Lehrermangel darstelle. Statt einer "vernünftigen Trennung" zwischen dem pädagogischen und den administrativen Bereich, würden die Lehrerinnen und Lehrer noch mit zusätzlichen Aufgaben betraut, kritisierte er. Ähnlich argumentierte Hermann Brückl (FPÖ), der die "unkontrollierte Massenzuwanderung" für die "tiefe Krise" im Bildungssystem verantwortlich machte. Der Gesetzesvorschlag, den er strikt ablehne, sei daher nur eine "PR-Show" bzw. ein "Etikettenschwindel", da er nicht an den Ursachen ansetze. Es sei fahrlässig, wenn dringend benötigte und fachlich gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen für "das Aktenschlichten" abgezogen werden. Überdies würden die kleinen Schulen im ländlichen Raum durch die Novelle massiv benachteiligt.

Grüne hätten sich noch weitere Schritte gewünscht

Die Grünen unterstützten das Vorhaben, da dadurch insbesondere die Schulleitungen entlastet werden sollen, bekräftigte Sigrid Maurer (Grüne). Allerdings wäre ihrer Meinung nach noch "deutlich mehr" möglich gewesen. Weiters schlug sie vor, die Tätigkeiten des mittleren Managements auch auf Personen auszuweiten, die nicht Lehramt studiert haben.

Regierungsfraktionen heben Entlastung und Unterstützung der Schulleitungen hervor

Mit der Einführung des mittleren Managements an Volks- und Mittelschulen werde ein weiterer Schritt in Richtung Entlastung und Unterstützung der Lehrkräfte gesetzt, urteilte Romana Deckenbacher (ÖVP). Die Umsetzung erfolge schrittweise und soll flächendeckend bis 2027/2028 abgeschlossen werden. Im Sinne der Schulautonomie soll über die Aufteilung der Lehrkräfte jeweils vor Ort entschieden werden. Ein wichtiges Anliegen waren ihr die kleineren Schulen, deren Bedürfnisse berücksichtigt werden müssten. Auch Agnes Totter (ÖVP) sah diesbezüglich eine gewisse Schieflage, vor allem was den ländlichen Raum angehe. Zusätzliche Mittel wünschte sie sich zudem für den sonderpädagogischen Bereich.

Heinrich Himmer (SPÖ) warf den Freiheitlichen vor, immer nur die Probleme zu beschreiben, aber keine konkreten Lösungen mittragen zu wollen. Die Einführung des mittleren Managements werde zu einer deutlichen Qualitätssteigerung führen, zumal nunmehr zusätzliche Ressourcen an die Schulen gebracht werden. Es würden zudem klare Zuständigkeiten, stärkere Teams und mehr Raum für pädagogische Führung geschaffen, hob auch Martina von Künsberg Sarre (NEOS) hervor. Im internationalen Vergleich sei ein mittleres Management schon längst üblich und es funktioniere auch hervorragend, berichtete sie. Es werde auch keine "Verteilung mit der Gießkanne" geben, sondern die vorhandenen Ressourcen würden je nach Schulgröße gestaffelt. Sie verstehe daher nicht, warum die FPÖ diese sinnvolle Unterstützung der Schulen ablehne, merkte Lisa Aldali (NEOS) an.

Wiederkehr: Breites Unterstützungsangebot für Schulen nach internationalem Vorbild

Bundesminister Christoph Wiederkehr war der Meinung, dass die Direktorinnen und Direktoren der Pflichtschulen mit all ihren Aufgabestellungen in der Vergangenheit relativ alleine gelassen worden seien. Nach dem bereits erfolgten Ausbau der Sekretariate wolle man daher nun einen nächsten Schritt setzen und die noch fehlende Ebene des mittleren Managements einführen. Dabei gehe es weniger um Sekretariatsaufgaben, sondern um die Förderung der Schul- und Unterrichtsentwicklung auf Basis von pädagogischen Konzepten. Im Konkreten bedeutet das, dass an einer Pflichtschule mit 15 Klassen 26 Stunden zur Verfügung stehen werden, um am Standort die Schule entsprechend zu unterstützen. Die Schulleitung könne bis zu vier Lehrkräfte mit Aufgaben betrauen und sie teilweise freistellen, wodurch ihre Tätigkeiten anerkannt und wertgeschätzt würden. Aus diesem Grund rechnete der Minister auch mit einer Attraktivierung des Lehrberufs.

Wiederkehr machte darauf aufmerksam, dass von dem Projekt auch Gymnasialstandorte, berufsbildende Schulen und Berufsschulen profitieren werden, da sie mehr Ressourcen für die Administration erhalten würden. Österreich setze damit etwas um, was alle guten internationalen Schulsysteme bereits etabliert hätten, zeigte der Minister auf. Auch Staatssekretär Alexander Pröll erwartete sich von der Einführung eines mittleren Managements an den Schulen, dass die Verwaltung effizienter wird, zumal Aufgaben sinnvoll verteilt und die Schulleitungen entlastet würden. Die Lehrerinnen und Lehrer hätten somit mehr Zeit, sich ihrer zentralen Aufgabe, nämlich dem Unterricht, zu widmen. (Fortsetzung Nationalrat) sue

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar. In der Mediathek finden Sie auch Fotos von Plenarsitzungen.


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