• 25.03.2026, 10:12:03
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"Andreas Khol - Ein politisches Leben": Buch im Parlament präsentiert

Gespräch über mehr als zwei Jahrzehnte politischer Gestaltung

Wien (PK) - 

Der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol gestaltete mehr als zwei Jahrzehnte die Politik in Österreich mit. Gestern Abend wurde dazu im Parlament das Buch "Andreas Khol - Ein politisches Leben" von dessen Autor Martin Kolozs vorgestellt. "In den Augen der Öffentlichkeit war Dr. Andreas Khol ein Staatsmann, ein Führungspolitiker und eine Stimme der Prinzipien" heißt es darin im ersten Satz eines Vorworts "der Enkelkinder". In einem Gespräch mit Kurier-Herausgeberin Martina Salomon ließ Andreas Khol seine Zeit der politischen Gestaltung gestern Abend Revue passieren.

Andreas Khol war ab 1983 jahrzehntelang Abgeordneter und von 2002 bis 2006 Nationalratspräsident, hob Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in seiner Begrüßung hervor. Den Wandel zum Nationalratspräsidenten habe Khol weg vom brillanten, scharfzüngig argumentierenden Klubobmann vollzogen. Rosenkranz ging auf die Aufgaben eines Nationalratspräsidenten oder einer Nationalratspräsidentin ein und sprach unter anderem von Zurücknahme, ohne sich vereinnahmen zu lassen. Diese Verantwortung habe Khol getragen. Was von Khols Präsidentschaft bleibe, sei vor allem die Initialzündung, das Hohe Haus zu einem offenen Haus zu machen, so Rosenkranz - etwa mit der damaligen Erneuerung des Eingangs- und Besucherbereichs. Das präsentierte Buch lade dazu ein, hinter Oberflächen zu blicken und Zusammenhänge zu verstehen.

Peter Haubner, Zweiter Präsident des Nationalrats, blickte in seinem Statement auf sein erstes Seminar als Schulsprecher in der politischen Akademie vor 50 Jahren zurück, wo Khol Direktor gewesen ist. Schon damals sei Khol klar strukturiert und eine Autorität - aber ohne Lautstärke - gewesen, so Haubner. Kohl habe ihn geprägt und sei ein Impulsgeber für ihn gewesen. Die Wertschätzung für Kohl sei durch dessen eigene Leistungen entstanden, hob Haubner hervor.

Khol: "Kutscher" für damalige schwarz-blaue Koalition

Autor Martin Kolozs erzählte, wie es zustande kam, dass er das Buch schreiben konnte. Andreas Khol habe ihm schließlich in sieben Monaten Einblicke in sein Leben und in die Zusammenhänge gegeben. Kolozs zufolge war Khol ein Politiker, wie es sie heute selten oder gar nicht mehr gebe: mit starken gewachsenen Überzeugungen und aufrechtem Respekt für Andersdenkende, mit Interesse an einem Vorankommen der Gesellschaft.

Andreas Khol selbst erörterte im Gespräch mit Martina Salomon, er bezeichne sich als wertkonservativer Christdemokrat. Als Politiker handle er zwar aus christlicher Verantwortung, sei aber kein "christlicher Politiker", sondern ein überzeugter Pluralist, was Religionen betrifft und stehe für die Trennung von Kirche und Staat. Mit Religion Politik zu machen, entspreche nicht dem Bewusstseinszustand einer liberalen Demokratie, so Khol.

Auf die damalige schwarz-blaue Koalition angesprochen, würde er sich eher als "Kutscher" denn als "Stratege" der Wende bezeichnen, so Khol. Der "Architekt" der Wende sei Wolfgang Schüssel gewesen. Man könne nicht auf Dauer Mitte-links-Regierungen zusammenstellen, wenn es jahrzehntelang Mitte-rechts-Mehrheiten gibt, zeigte sich Khol überzeugt. Die heutige FPÖ sei allerdings eine andere freiheitliche Partei als jene von Jörg Haider im Jahr 1999, so Khol. Die heutigen Freiheitlichen würden an Säulen wie an der Verfassung oder am Beitritt zur Europäischen Union rütteln.

Der EU-Beitritt sei der eigentliche Grund gewesen, warum er in die Politik gegangen sei, hielt Khol fest. Als einen der beiden größten Erfolge aus der damaligen Zeit sehe er daher - neben der Streitbeilegung, Landesautonomie und Internationalisierung für Südtirol - eben den EU-Beitritt. Fehler habe er unter anderem mit einem "Wohlfühlwahlkampf" 2006 gemacht. Eine Niederlage sei auch gewesen, später als "Verlegenheitskandidat" für die Bundespräsidentschaftswahl zu kandidieren.

Einblicke gab Khol auch in seine Tätigkeit als Klubobmann, die ihm etwa durch sein Vorgehen mit "Redezeit als Belohnung" oder "Nichtredezeit als Strafe" das "böse Wort des Zuchtmeisters" eingebracht habe. Er habe dem Klub aber in kürzester Zeit "Kampfgeist" gegeben. Auf seine Familie angesprochen, hob er etwa eine seiner Enkelinnen für das Vorwort im Buch hervor. Als Vater habe man eine ganz andere Rolle als etwa als Klubobmann, hielt er fest. Gestritten werde zwar auch privat, "wenn auch nicht so heftig wie im Nationalrat". Seine private Leidenschaft sei Gärtnern, so Khol. Er beschrieb seinen Garten, in dem jedenfalls "nichts Inszenierung" sei. (Schluss) mbu

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments.


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