• 24.03.2026, 09:56:03
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teilhaben teilsein: Wenn Demokratie ins Klassenzimmer kommt

Workshop des Parlaments stärkt junge Menschen im Umgang mit Diskriminierung

Wien (PK) - 

Wie können junge Menschen Diskriminierung erkennen und was können sie dagegen tun? Unter dem Titel "Parlament kommt zu dir" geht das Hohe Haus mit unterschiedlichen Workshops auf Tour durch Österreichs Schulen und Kindergärten. In dem überarbeiteten Workshop "Demokratie & Verantwortung - das Format gegen Antisemitismus" wird Schülerinnen und Schülern vermittelt, wie Teilhabe im Alltag gelebt werden kann. Es handelt sich um ein mobiles Demokratiebildungsangebot des Parlament.

"Weil jemand anders ist"

Es ist 10 Uhr. Stimmen hallen durch das Stiegenhaus der AHS Rahlgasse, Schülerinnen und Schüler lehnen an den Wänden, lachen, plaudern - die Glocke läutet, der Workshop beginnt. "Setzt euch, wenn ihr noch nie Diskriminierung erlebt oder in eurem Umfeld beobachtet habt", startet der Workshopleiter in das rund zweistündige Modul mit der 5C. Niemand setzt sich. Alle bleiben stehen.

"Warum erfolgt Diskriminierung?", fragt der Demokratiebildner in die Runde. "Weil jemand anders ist" - "Aussehen" - "Herkunft" - "Geschlecht", antwortet die Klasse. Doch der Workshop geht tiefer. Diskriminierung wird nicht nur als individuelles Verhalten beschrieben, sondern als Handlung, deren Ergebnis Ausgrenzung ist.

Als die sogenannte "Sündenbocktheorie" zur Sprache kommt, sind die Jugendlichen interessiert: "Man übernimmt selbst keine Verantwortung", sagt ein Schüler. "Man gibt jemand anderem die Schuld, um besser dazustehen", meint eine andere Jugendliche. Am Beispiel von Antisemitismus wird diese Dynamik konkretisiert. In der Diskussion geht es um bekannte Vorurteile. In Gruppenarbeit ordnen die Schülerinnen und Schüler Erzählungen verschiedenen Mythen zu. Redewendungen wie "Du Jude" im Sinne von "Geizhals" werden thematisiert. Die 14- bis 15-Jährigen erkennen: Diskriminierung widerspricht ihren Werten - und ist dennoch Teil des Sprachgebrauchs.

Empathie und Zivilcourage: "ansprechen", "melden", "dokumentieren"

Im Zentrum des Workshops steht die Frage: Was können wir tun? Die Schülerinnen und Schüler antworten: "ansprechen", "melden", "dokumentieren". Dabei wird auch über Grenzen gesprochen. Aktiv werden heißt nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Handlungsmöglichkeiten gibt es dennoch viele: Gespräche im Freundeskreis führen, aufmerksam bleiben, widersprechen, reflektieren die Jugendlichen. Und auf gesellschaftlicher Ebene aktiv werden durch wählen gehen, sich engagieren, demonstrieren.

Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler sind dabei oft von Verwunderung geprägt, beispielsweise darüber, wie alt Antisemitismus eigentlich ist, sagt der Workshopleiter später im Gespräch. "Viele haben bestimmte Formen oder versteckte Mythen wie die 'Weltherrschaft' gar nicht auf dem Radar." Daraus entsteht Achtsamkeit bei den Schülerinnen und Schülern. Diese ist für den Demokratiebildner von besonderer Bedeutung.

Nähe zur eigenen Lebenswelt macht Themen für Jugendliche greifbar

"Die Jugendlichen sollen Formen von Diskriminierung kennenlernen und Werkzeuge bekommen, um handlungsfähig zu werden", beschreibt der Demokratiebildner die Zielsetzung des Moduls. Gleichzeitig beobachtet er: "Die Workshops haben gezeigt, dass die Werte bei den Jugendlichen vorhanden sind. Sie brauchen nur die Werkzeuge, um diese leben und verteidigen zu können." Genau dort setzt der Workshop an. Warum es wichtig ist, sich bereits in der Schule mit Antisemitismus auseinanderzusetzen, liegt für den Workshopleiter auf der Hand: "Diskriminierung und Antisemitismus fangen sehr früh an".

Die Erkenntnis, dass Diskriminierung nicht nur Einzelne betrifft, sondern unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Solidarität schwächt, lasse die Jugendlichen überlegen, welchen Beitrag sie selbst leisten können, hält der Workshopleiter fest. "Sie sollen merken, dass sie etwas tun und unsere Gesellschaft mit ihrer Stimme und ihrem Handeln beeinflussen können"." Laut den Schülerinnen und Schülern sind es vor allem die konkreten Fallbeispiele, die hängenbleiben. Die Nähe zur eigenen Lebenswelt macht das Thema greifbar. Die Fragen der Teilnehmenden drehen sich um die Ursprünge: "Wie ist Antisemitismus entstanden?", hinterfragte etwa eine Schülerin.

Demokratie im Klassenzimmer

Seit Jänner 2026 wird das zweistündige Modul "Demokratie & Verantwortung - das Format gegen Antisemitismus" für Schülerinnen und Schüle der Sekundarstufe II sowie für Lehrlinge in überarbeiteter Form angeboten. Das Modul wurde inhaltlich komplett neu aufgestellt, informiert der Demokratiebildner. Der Fokus hat sich gewandelt: Weg vom rein historischen Thema Nationalsozialismus und Holocaust, hin zu aktuellen Formen der Diskriminierung und Antisemitismus als Beispiel sowie zur eigenen Selbstwirksamkeit. Während es früher eher darum ging, wie der Nationalsozialismus passieren konnte, liegt der Schwerpunkt jetzt darauf, wie man aktiv werden kann, um Diskriminierung und Antisemitismus entgegenzutreten. Die Jugendlichen können sich dabei gezielt mit den Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Diskriminierung und Antisemitismus auseinandersetzen. (Schluss) gla

HINWEIS: Unter dem Titel "teilhaben teilsein" rückt das Parlament die gesellschaftspolitische Teilhabe von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Mehr Informationen zum Jahresschwerpunkt 2026 finden Sie unter www.parlament.gv.at/jahresschwerpunkt


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