- 22.07.2025, 10:49:32
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ÖGB-Schuberth: „Drei von vier Frauen können keine Vollzeit arbeiten – und sollen jetzt dafür bestraft werden?“
Teilzeit ist meist keine Entscheidung, sondern ein Muss. Politik muss gute Lösungen und keine Strafmaßnahmen präsentieren.
Die aktuelle Debatte rund um Teilzeitarbeit greift zu kurz und geht an der Lebensrealität hunderttausender Menschen vorbei. Wer Teilzeit als „Luxus“ oder mangelnden Leistungswillen darstellt, ignoriert die Fakten: Drei von vier Frauen in Teilzeit geben an, dass sie keine Vollzeitstelle ausüben können – etwa wegen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, fehlender Vollzeitangebote, familiärer Verpflichtungen oder weil sie es gesundheitlich nicht mehr schaffen. (Quelle: Teilzeitarbeit – das musst du wissen | ÖGB)
„Teilzeit ist kein Wunschkonzert, sondern oft eine Notwendigkeit – gerade für Frauen. Wer das ignoriert, betreibt billige Stimmungsmache auf dem Rücken jener, die unser Land am Laufen halten“, stellt ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth klar.
Viele Branchen bieten keine Vollzeitstellen an
Besonders betroffen sind Branchen wie der Handel, die Pflege oder das Gesundheitswesen, wo viele Betriebe schlicht keine Vollzeitstellen anbieten – selbst wenn Beschäftigte mehr arbeiten möchten. Schuberth: „Wer Teilzeit kritisiert, sollte sich zuerst fragen, warum so viele Arbeitgeber keine Vollzeitjobs ermöglichen. Die Rechnung für fehlende Betreuungsplätze, zu starre Arbeitszeiten und überlastete Systeme wird den Beschäftigten präsentiert – und vor allem den Frauen.“ Teilzeit bedeutet weniger Einkommen, weniger Pension, Kaufkraftverlust, weniger soziale Absicherung.
Bessere Rahmenbedingungen statt Schuldzuweisungen
„Wir wissen, dass viele gerne mehr arbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen es zuließen: Kinderbetreuung, Pflegeangebote, flexible Arbeitszeitmodelle und mehr gute Jobs mit planbaren Arbeitszeiten“, so die Gewerkschafterin.
Eine klare Absage erteilt der ÖGB Vorschlägen, Teilzeitarbeit durch finanzielle Strafmaßnahmen wie höhere Abgaben zu sanktionieren. „Nicht die Beschäftigten brauchen Druck, sondern die Politik und die Unternehmen müssen endlich die Voraussetzungen schaffen, damit mehr Stunden auch möglich sind“, betont Schuberth.
Jetzt braucht es Lösungen – keine Strafen
„Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern Lösungen: Mehr Betreuungseinrichtungen, mehr gute Jobs mit fairer Arbeitszeit und mehr Respekt für jene, die Tag für Tag doppelt und dreifach leisten – bezahlt und unbezahlt“, so Schuberth abschließend.
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