- 24.01.2024, 07:46:06
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Caritas zum Internationalen Tag der Bildung: Jedes Kind verdient die gleichen Chancen
Landau: „Nur mit armutsfestem Sozialstaat und bildungspolitischen Maßnahmen können wir die Armutsspirale für Kinder stoppen und Chancengleichheit ermöglichen.“
Zum Internationalen Tag der Bildung weist Caritas Präsident Michael Landau auf die starke Wechselwirkung zwischen Armut und Bildung hin: „Wer von Armut betroffen ist, hat weniger Einkommen, ist häufiger krank, kann am gesellschaftlichen Leben weniger teilnehmen und hat auch schlechtere Bildungschancen. Das wissen wir aus vielen Studien und auch aus unserer erlebten Realität! Gerade Bildung ist das beste Mittel, um aus der Armutsspirale herauszukommen.“ 36.000 Kinder in Österreich sind erheblich materiell depriviert. Jedes fünfte Kind ist von Armut und Ausgrenzung gefährdet. Landau: „Die Realität ist: Ohne Unterstützung werden diese Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit die armutsbetroffenen Erwachsenen von morgen sein. Denn Fakt ist: Bildung wird in Österreich vielfach vererbt. Ein Aufwachsen in Armut bedeutet heute noch immer für viel zu viele Kinder und Jugendliche geringere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg und damit ein höheres Armutsrisiko im weiteren Lebensverlauf.“ Dies belegen auch die aktuellsten EU SILC Zahlen: Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gehen nur halb so viele 10-14-jährige Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten auf eine AHS; an öffentlichen Universitäten kommen mehr als ein Viertel der Studierenden aus einem Elternhaus mit Hochschulabschluss, während nur 3% der Studierenden Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss haben.
Landau sieht hier einen klaren Handlungsauftrag an die Politik: „Kinderarmut und Bildungsarmut sind nicht nur für die betroffenen Kinder ein Problem, sie gehen auch mit hohen Folgekosten für die gesamte Gesellschaft einher. Die Wechselwirkung zwischen Armut und Bildung muss deshalb nachhaltig gestoppt werden. Bildungsarmut darf nicht länger vererbt werden, jedes Kind hat ein Recht seine Begabungen und Stärken zu entfalten und muss in Österreich gleiche, faire Chancen für einen erfolgreichen Bildungsabschluss haben.“
Caritas fordert Mix aus sozial- und bildungspolitischen Maßnahmen
Ein armutsfester Sozialstaat sei die Basis, um Kinderarmut und Bildungsvererbung nachhaltig abzuschaffen, so Landau: „Wenn es in der Familie an finanziellen Ressourcen fehlt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Chancen von Kindern. Das muss der erste Ansatz sein und muss auch auf der politischen Agenda wieder priorisiert werden: Neben armutsfesten Familienleistungen sind eine Reform der Sozialhilfe als letztes Auffangnetz, eine Anhebung des Ausgleichszulagensichtsatzes, sowie eine Erhöhung des Arbeitslosengelds unter Beibehaltung der Notstandshilfe auch für die Bekämpfung von Kinderarmut von zentraler Bedeutung.“
Zusätzlich zu den sozialpolitischen Maßnahmen brauche es aber auch bildungspolitische Maßnahmen, so der Caritaspräsident: „Allen Kindern einen Zugang zu qualitätsvoller Bildung zu ermöglichen, ist der beste Weg, um präventiv gegen Armut zu wirken. Bildung ist – so unsere Überzeugung – der wichtigste und stärkste Hebel um Armut in Zukunft reduzieren zu können. Es braucht ein Verständnis, dass Bildung bereits im Kindergarten beginnt, allem voran brauchen wir daher möglichst rasch ein flächendeckendes Angebot von qualitativ hochwertigen elementarpädagogischen Bildungs- und Betreuungsangeboten und eine Umsetzung des Ausbaus, wie er auch im Finanzausgleich vorgesehen ist. Als Caritas sind wir Teil einer breiten Allianz, die hier erst vor wenigen Tagen Verbesserungen eingefordert hat. Ich hoffe, dass die Politik hier trotz des einsetzenden Wahlkampfs bereit ist, auf die Praxis zu hören. Darüber hinaus braucht es den Ausbau ganzheitlicher und ganztägiger Schulformen als flächendeckendes Angebot in ganz Österreich.“ Erst entsprechende Betreuungs- und Bildungsangebote ermöglichen es auch den Eltern, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und können zugleich der Beginn einer gelingenden Bildungslaufbahn für Kinder bedeuten – besonders in Verbindung mit einem zweiten verpflichtenden und kostenlosen Kindergartenjahr.
Nicht zuletzt fordert Landau eine langfristige Ausweitung von inklusiven Bildungsangeboten, kostenlosen Förderungsmaßnahmen und außerschulischen Lernangeboten für Schulkinder: „Es muss gelingen, armutsbetroffene Kinder in allen Lebensbereichen zu unterstützen, aber besonders mit Bildung und Unterstützung der individuellen Potentiale und Talente können wir es schaffen, die Vererbung von Armut zu stoppen.“ Dies sei eine der zentralen Erkenntnisse in den 69 Lerncafés, die die Caritas in ganz Österreich betreibt, so Landau: „Durch den Besuch der Lerncafés verbessern Kinder nicht nur ihre schulischen Leistungen, es hilft auch, die eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Letztendlich trägt das oft dazu bei, dass sich die Kinder in der Schule wohler fühlen, motivierter sind und bessere Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft haben.“
Umsetzung des NAP hat oberste Priorität für gelingende Zukunft aller Kinder
Ein Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der europäischen Garantie für Kinder liegt nun am Tisch, es brauche hier aber nun rasche Schritte zur Umsetzung, so Landau: „Der kürzlich vorgelegte Nationale Aktionsplan kann ein guter Ansatz sein, um Kinderarmut zu reduzieren und den Zugang zu Bildungsangeboten zu erhöhen. Es muss aber kritisch geprüft werden, ob die Ziele auch klar genug und überprüfbar sind und vor allem auch, ob sie die Realität armutsbetroffener Familien ausreichend in den Blick nehmen.“ Nicht zuletzt deshalb braucht es auch einen Vergleich mit den Aktionsplänen anderer europäischen Länder und die Bereitschaft voneinander zu lernen. Darüber hinaus wird entscheidend sein, dass man hier schnell in die Umsetzung kommt und es dafür auch genügend finanzielle Mittel gibt, so Landau: „Armutsbetroffene Kinder können nicht länger warten. Ihre Zukunft beginnt jetzt, im Hier und Heute. Es geht darum, dieses Hier und Heute bestmöglich zu gestalten – im Sinne aller Kinder und im Sinne einer gelingenden Zukunft für die Gesellschaft insgesamt.“
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