- 28.12.2023, 06:00:03
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Greenpeace-Bilanz: Öko-Erfolge und Umwelt-Rückschläge 2023
Umweltschutzorganisation warnt vor zunehmenden Wetterextremen wie der Dürre im Amazonas - fordert 2024 ambitionierte Umwelt- und Klimapolitik auf allen Ebenen
Utl.: Umweltschutzorganisation warnt vor zunehmenden Wetterextremen
wie der Dürre im Amazonas - fordert 2024 ambitionierte Umwelt-
und Klimapolitik auf allen Ebenen =
Wien (OTS) - Nach einem ereignisreichen Jahr zieht Greenpeace
Österreich Umweltbilanz: 2023 war ein Jahr der Extreme. Es ist laut
dem EU-Dienst Copernicus das heißeste Jahr seit 125.000 Jahren.
Wetterextreme wie Starkregen und Hitze – verstärkt durch die sich
zuspitzende Klimakrise – betrafen Millionen Menschen und verwüsteten
weltweit ganze Landstriche. Zu den heurigen Verlierern zählt einmal
mehr der Amazonas, in dem seit Monaten eine Jahrhundertdürre
herrscht.
Auf EU-Ebene wurden 2023 Rückschläge bei der Pestizidreduktion
verzeichnet: Im November stimmte eine Mehrheit der EU-Abgeordneten
gegen das Gesetz zur EU-Pestizidreduktion. Ebenso beschloss die
EU-Kommission, das krebserregende Spritzmittel Glyphosat um weitere
zehn Jahre zuzulassen. Doch 2023 wurden auch einige Umwelterfolge
erzielt: Die UN-Staatengemeinschaft unterzeichnete nach langjährigen
Verhandlungen das Hochseeschutzabkommen. Das EU-Renaturierungsgesetz
schaffte es trotz großer Hürden in die finalen Verhandlungsrunden,
ebenso vereinbarte die EU die Ökodesign-Verordnung, die die
Langlebigkeit von Produkten fördern soll.
„Eine beispiellose Dürre im Amazonas, Starkregen in Libyen und
Brasilien, Waldbrände in Griechenland, Hitzewellen unter anderem in
Indien und China, desaströse Überflutungen weltweit: 2023 zeigte die
Klimakrise global ihre Zähne. Umso wichtiger ist, dass wir
kompromisslos und mutig Klima- und Biodiversitätsschutz vorantreiben.
2023 sind bereits einige wegweisende Entscheidungen für die Umwelt
gefallen. So wurde auf der Weltklimakonferenz in Dubai erstmals von
allen Staaten anerkannt, dass wir uns von fossilen Energien abwenden
müssen. Das ist ein guter erster Schritt. Nun müssen Politikerinnen
und Politiker weltweit auch tatsächlich den Turbo beim Ausstieg aus
Kohle, Öl und Gas einlegen“, sagt Marc Dengler, Klima- und
Energieexperte bei Greenpeace.
Für das Jahr 2024 fordert Greenpeace eine ambitionierte und wirksame
Umwelt- und Klimapolitik auf allen Ebenen, von der österreichischen
Bundes- und den neun Landesregierungen über die EU-Kommission bis zur
UN. Gesetze und Abkommen müssen 2024 endlich beschlossen und
umgesetzt werden, und dürfen nicht länger verzögert oder verwässert
werden. Dazu zählt in Österreich etwa die nationale
Bodenschutzstrategie mit einem verbindlichen Zielwert, auf EU-Ebene
muss ein starkes EU-Waldschutzgesetz umgesetzt werden und auf
UN-Ebene das internationale Plastikabkommen.
=== Umwelt-Rückschritte 2022 ===
Dürre im Amazonas
Im größten Regenwald des Planeten herrschte 2023 die schlimmste
Trockenheit seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Pegelstand des
Amazonas-Flusses sank um 17 Meter. Durch die niedrigen Flusspegel
waren im gesamten brasilianischen Amazonasgebiet hunderte
Flussgemeinden isoliert und nur eingeschränkt mit Trinkwasser
versorgt. Auch Pflanzen und Tiere – unter ihnen der rosa Flussdelfin
– litten unter Wassermangel. Greenpeace Brasilien lieferte per
Flugzeug Lebensmittel, Wasser und andere grundlegende Ressourcen an
die betroffenen Gemeinden im Amazonasgebiet.
Überflutungen in Slowenien, Kärnten und Italien
Nicht nur der Amazonas war 2023 der Schauplatz von extremem Wetter:
Starkregen verwüstete Landstriche in Libyen und Brasilien, Brände
wüteten unter anderem auf der Hawaii-Insel Maui, in Kanada und im
mediterranen Raum und schwere Überflutungen trafen unter anderem
Kärnten, Slowenien und Italien. Zahlreiche italienische Dörfer und
Städte wie Grado, Lignano und Venedig waren von Adria-Hochwasser
betroffen, in Slowenien wurden mehrere Dörfer durch Überflutungen von
der Außenwelt abgeschnitten und auch in Kärnten war die Feuerwehr
tagelang im Dauereinsatz.
Dammbruch in der Ukraine
Im Juni 2023 wurde der Staudamm von Nowa Kachowka in der Ukraine
zerstört - mit gravierenden humanitären und ökologischen Folgen. Die
Fluten rissen Menschen, Tiere und ganze Häuser mit, das Trinkwasser
wurde verseucht, das Ökosystem zerstört. Große Teile der Südukraine
sind von der Wasserversorgung durch den Stausee abhängig. Der
Dammbruch - Indizien nach von Russland bewusst herbeigeführt - hat
den Alltag der Bevölkerung vor Ort dramatisch verändert: Die Menschen
müssen nun neben dem Krieg auch einen akuten Wassermangel verkraften.
Mikroplastik-Belastung
Weltweit steigt die Mikroplastikbelastung - internationale
Forscher:innen haben die kleinen Teilchen 2023 in Wolken, in
Ackerböden und in Organen wie dem Herz oder dem Gehirn gefunden.
Greenpeace hat im Sommer sieben Badeseen in Österreich auf
Mikroplastik untersucht. Auch hier wurden im Labor in allen
Wasserproben Mikroplastik gefunden. Trotz der immensen Verschmutzung
will die Plastikindustrie die jährliche Produktion bis 2040 sogar
verdoppeln. Die UNO-Staaten arbeiten aktuell an einem globalen
Abkommen gegen die Plastikkrise, das 2024 abgeschlossen werden soll.
Bodenschutz-Blockade in Österreich
Bodenschutz in Österreich wurde 2023 heiß diskutiert. Nachdem der
federführende ÖVP-Minister Norbert Totschnig eine wirkungslose
Bodenschutzstrategie ohne klares Bodenschutz-Ziel durchwinken wollte,
konnte das dank des Drucks aus der Zivilgesellschaft verhindert
werden. Doch der Gemeindebund und zahlreiche Bundesländer wie
Oberösterreich, Niederösterreich und die Steiermark blockieren
weiterhin ambitionierten Bodenschutz. Dabei zeigen nicht nur die
Rekord-Verbauung in Österreich, sondern auch die dubiosen Boden-Deals
mancher Entscheidungsträger:innen klar auf, dass Bodenverbrauch in
Österreich dringend schärfer reguliert werden muss.
Wiederzulassung von Glyphosat für zehn weitere Jahre
Im November 2023 beschloss die EU-Kommission, Glyphosat für weitere
zehn Jahre zuzulassen - nachdem sich davor die Mitgliedsstaaten bei
der Abstimmung auf keine gemeinsame Position zu Glyphosat einigen
konnten. Glyphosat ist ein Totalherbizid: Es vernichtet Beikräuter
und raubt Bestäubern und anderen Insekten ihre Futterquellen. Das
Spritzmittel tötet aber nicht nur Pflanzen an der Oberfläche ab,
sondern wirkt auch auf Pilze und Mikroorganismen im Boden. Das
Pflanzengift greift daher in das Ökosystem Boden ein und
beeinträchtigt – besonders wenn das Mittel öfter genutzt wird –
nachweislich dort angesiedelte Lebewesen. Ebenso kann Glyphosat
massive Schäden in Gewässern anrichten und wirkt toxisch auf ohnehin
bereits gefährdete Amphibien. Glyphosat ist laut WHO außerdem
möglicherweise krebserregend, kann Studien zufolge neurologische
Erkrankungen fördern, das Hormonsystem sowie die Fruchtbarkeit
schädigen und schwere Augenschäden verursachen.
Gemeinnützigkeitsgesetz
Im Dezember wurde das Gemeinnützigkeitsgesetz in Österreich
reformiert: Das grundsätzlich begrüßenswerte Paket enthält jedoch
auch Passagen, die grobe Einschränkungen für aktivistisch agierende
Organisationen mit sich bringen. Denn Verwaltungsübertretungen können
jederzeit zum Entzug der Spendenabsetzbarkeit und damit zum
finanziellen Ruin führen. So können durch das neue Gesetz in Zukunft
Finanzbeamt:innen ohne ein ordentliches, gerichtliches Verfahren mit
einem Federstrich die Existenz von gemeinnützigen Vereinen zerstören.
Führende Sozial- und Umweltschutzorganisationen sowie
Spitzenjurist:innen wie Irmgard Griss und der ehemalige
Justizsprecher der ÖVP, Michael Ikrath, warnen vor einem Angriff auf
die Zivilgesellschaft durch die steuerliche Hintertür.
=== Wegweisende Umwelterfolge 2023 ===
Hochseeschutzabkommen
Nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben sich die Vereinten
Nationen im März endlich auf ein Abkommen zum Schutz der Hochsee
geeinigt. Der Vertrag ist ein großer Erfolg und ein wichtiges Zeichen
dafür, dass Umweltschutz über Profitinteressen und Geopolitik
triumphieren kann. Mit dem Abkommen wurden die Rahmenbedingungen
geschaffen, um das 30x30-Ziel zu erreichen. Dieses besagt, dass bis
2030 mindestens 30 Prozent der Meere unter starken Schutz gestellt
werden müssen. Nur so können sie weiterhin ihrer wichtigen Funktion
als Klimaregulierer und Artenschützer nachkommen. Im September wurde
das Abkommen bei der UN-Generalversammlung von über 80 Staaten,
darunter Österreich, unterzeichnet. Nun muss der Vertrag rasch
ratifiziert werden, damit die vereinbarten Ziele zeitnah umgesetzt
werden.
Renaturierungsgesetz
Im Jahr 2021 stellte die Europäische Umweltagentur fest, dass 81
Prozent der geschützten Ökosysteme in der EU in einem schlechten oder
mangelhaften Zustand sind. Mit dem Renaturierungsgesetz wurde 2023
eine Rechtsvorschrift auf den Weg gebracht, mit der bis 2030 20
Prozent der Land- und Meeresgebiete der EU und bis 2050 alle
geschädigten Gebiete wiederhergestellt werden sollen. Das Gesetz ist
ein zentraler Teil des „Green Deals“, mit dem die EU bis 2050
klimaneutral werden soll. Trotz der Versuche der Europäischen
Volkspartei (EVP), das Naturschutzgesetz zu verhindern, schaffte es
bisher alle Hürden. Das Europäische Parlament wird nun in seiner
Plenarsitzung im Februar 2024 über das Gesetz abstimmen , gefolgt von
der Genehmigung durch die nationalen Regierungen im März.
EU-Kommission kündigt Ausstieg aus dem Energiecharta-Vertrag an
Nachdem bereits Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Frankreich und
Spanien ihren Ausstieg beschlossen hatten, kündigte die EU-Kommission
im Juli an, geschlossen aus dem Energiecharta-Vertrag auszusteigen.
Der 1998 verabschiedete Vertrag war in die Kritik geraten, weil er es
fossilen Konzernen ermöglicht, gegen Maßnahmen zum Ausstieg aus
Kohle, Öl und Gas zu klagen und so ambitionierte Klimapolitik zu
verhindern. So berief sich das schwedische Energieunternehmen
Vattenfall bei seiner Klage gegen den deutschen Atomausstieg auf den
Energiecharta-Vertrag.
Ökodesign-Verordnung: Vernichtung von neuwertiger Kleidung wird
verboten
Nach jahrelanger Arbeit von Greenpeace und anderen Organisationen hat
die EU dieses Jahr eine Verordnung verabschiedet, die künftig die
Vernichtung von Neuwaren wie Kleidung und Schuhen verbietet. In
Österreich ist jedes vierte Paket eine Retoure, Recherchen zeigen,
dass unverkaufte Waren teilweise entsorgt werden. Mit der neuen
Ökodesign-Verordnung verbietet die EU diese Ressourcenverschwendung.
Zudem werden Vorgaben zu Langlebigkeit und Reparierbarkeit gemacht,
um das umweltschädliche Wegwerf-Geschäftsmodell der Modeindustrie zu
stoppen.
Bildmaterial: https://act.gp/Bildmaterial-Umweltbilanz
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