• 27.12.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 28. Dezember 2023. Von PETER NINDLER. "Schlusslicht"

Innsbruck (OTS) - 

Die Tiroler Landwirtschaftspolitik hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, das Einkommensniveau der heimischen Bauern deutlich zu steigern. Im Gegenteil: Im österreichweiten Vergleich hinken sie noch weiter hinterher.

In den vergangenen Jahren hat sich die Tiroler Landwirtschaftspolitik zu enge Fesseln angelegt. Vor allem der ÖVP-Bauernbund ließ sich in die Einbahnstraße „Wolf“ treiben. Damit  haben die bäuerlichen Funktionäre einen wichtigen Grundsatz vernachlässigt: Das eine tun, aber das andere nicht lassen. 
Dass die Europäische Kommission jetzt vorschlägt, den Schutzstatus für den gro­ßen Beutegreifer zu senken, ist zwar auf die Beharrlichkeit von Bauernbund und Landesregierung zurückzuführen. Der politische Tanz mit dem Wolf hat aber zugleich den Blick auf existenzielle Fragen der heimischen Landwirtschaft verstellt. Unverzichtbar für die Natur- und Kulturlandschaft sowie eine qualitativ hochwertige Nahrungsmittelproduktion stehen die Bäuerinnen und Bauern nämlich gemessen an ihren Arbeitsstunden weiter ganz hinten in der Einkommensstatis­tik. Die Tiroler Landwirtschaft bildet finanziell sogar das österreichweite Schlusslicht. Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft betragen nur 38 Prozent der Einnahmen ihrer niederösterreichischen Kollegen.
Das West-Ost-Gefälle in der Landwirtschaft ist nicht nur besonders auffällig, sondern für Tirol dramatisch. Ohne die öffentlichen Leistungsabgeltungen etwa für eine umweltgerechte Bewirtschaftung oder strukturelle Benachteiligungen im Berggebiet von jährlich rund 120 Millionen Euro würde es in Tirol noch düsterer aussehen. Trotzdem hat sich im Vergleich zu Niederös­terreich die Einkommensschere innerhalb von zehn Jahren weiter geöffnet. Das stimmt mehr als nachdenklich.
Für das zu Ende gehende Jahr drohen generell Einbußen, 2024 werden die bäuerlichen Einkommen weiter unter Druck geraten. Das Marktumfeld bleibt schwierig, die Produktionskosten pendeln sich hingegen auf hohem Niveau ein. Regionalität klingt gut und wird intensiv beworben, sie kann den Aufwand jedoch nur abfedern. Was in Zeiten der Teuerung ohnehin ein schwieriges Unterfangen ist, weil Konsumenten viel schneller zu den Eigenmarken der Handelsketten  greifen.
Mit Impulspaketen wie den zehn Millionen Euro jährlich von Bund und Land versucht die Politik einen Teil der Teuerung abzugelten und die rund 11.000 bäuerlichen Betriebe in Tirol zu stützen. Die Bauern definieren sich andererseits natürlich über ihre Produkte. Die Politik hat es allerdings bisher nicht geschafft, die Marke „Tirol“ strukturell so zu positionieren, dass die Wertschöpfung steigt und die Tiroler Landwirtschaft einkommensmäßig aufholt. Trotz einer Lebensraum Tirol Holding, der eigens dafür geschaffenen Agrarmarketing Tirol oder der Beteuerungen, enger mit dem Tourismus zusammenzuarbeiten. Und das ist bitter und rächt sich.

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