• 19.12.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel vom 20. Dezember 2023. Von Peter Nindler: "Skigebieten Grenzen setzen".

Innsbruck (OTS) - 

Als grünes Mäntelchen taugt ein neues Seilbahnprogramm nicht, es sollte schon Ecken und Kanten haben. Skigebiete benötigen endlich fix definierte Ausbaugrenzen, der Gletscherschutz muss sich dem Klimawandel anpassen.

Die Tiroler Politik muss bis Ende 2024 ein neues Skigebiets- und Seilbahnprogramm beschließen oder das bisherige einfach auslaufen lassen. Aus den Behördenverfahren wie der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) hat sich Schwarz-Rot allerdings herauszuhalten. Das gilt genauso für Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer. Der SPÖ-Chef schießt hier politisch weit über das Ziel hinaus, wenn er meint, bei einem Scheitern der geplanten Skischaukel Sexten-Sillian sterbe das Osttiroler Skigebiet.
Was den Nachbesserungsauftrag für Sexten-Sillian betrifft, unterliegt der SPÖ-Chef einem grundlegenden Irrtum. Basis dafür sind nämlich die Umweltgesetze, die von der Landespolitik erlassen werden. Und erst die Reform des Skigebietsprogramms 2011 hat die Seilbahnverbindung zwischen Ost- und Südtirol grundsätzlich ermöglicht. Zuvor wäre das Vorhaben raumordnerisch als Neuerschließung ohnehin unzulässig gewesen. So gesehen handelt es sich nicht um „Seilbahn-Business as usual“, sondern um ein herausforderndes grenzüberschreitendes Projekt. Dass die Betreiber jetzt selbst um eine Fristerstreckung bis September ansuchen, spricht Bände.
Bei 876 Aufstiegshilfen in 93 Tiroler Skigebieten mit einer Fläche von 515 Quadratkilometern benötigt es jedoch politische Klarstellungen. Die Absage an Neuerschließungen ist zwar einer der Eckpfeiler der Tiroler Seilbahnpolitik seit Anfang der 1990er-Jahre und Ausfluss der damals verordneten Nachdenkpause wegen der hohen Erschließungsdichte. Aber der Begriff „Neuerschließungen“ hat sich längst überholt, weil er politisch und behördlich nach wie vor gedehnt werden kann. Dasselbe gilt für Optimierungen und Investitionen in die Pisten- und Beförderungsqualität. Vielmehr sollte sich Schwarz-Rot ernsthaft mit Endausbaugrenzen für Skigebiete auseinandersetzen, das würde vieles einfacher machen: für die Projektbetreiber und die Behörden.
Die letztlich 2020 gescheiterte Gletscher-
ehe der beiden Skigebiete im Pitztal und im Ötztal hat schließlich den Gletscherschutz in den Mittelpunkt gerückt. Ihn kann die Politik seither nicht einfach mit dem Verweis auf keine Neuerschließungen auf den Gletschern aussitzen. Sie sind eines der sensibelsten Ökosysteme und vom Klimawandel massiv betroffen. Die Landesregierung muss deshalb Farbe bekennen und erklären, welche Eingriffe für den Gletscherskilauf noch vertretbar sind und welche nicht. Das Sprengen von Berggraten als Begradigungen zu verharmlosen, ist nicht mehr zeitgemäß. Denn ein nachhaltiges Seilbahnprogramm sollte Ecken und Kanten haben. Vor allem im „ewigen Eis“.

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