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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Sich an Dubai abzuputzen, ist zu billig", von Gabriele Starck

Ausgabe vom Mittwoch, 29. November 2023

Innsbruck (OTS) - 

In den Vereinigten Arabischen Emiraten beginnt morgen die 28. Weltklimakonferenz. Dass ihr der Chef eines Erdölkonzerns vorsteht, wird bemängelt. Dabei wäre Selbstkritik der seit Jahrzehnten untätigen Politik nötiger – und ehrlicher.

   Verrückt ist nur auf den ersten Blick, dass Dubai die diesjährige Weltklimakonferenz ausrichtet. Tatsächlich spiegelt es wider, wie es um den Klimaschutz tatsächlich bestellt ist. Nach den weltweit heißesten zehn Monaten seit mehr als 100.000 Jahren leitet der Chef einer der weltgrößten Ölgesellschaften, Sultan Ahmed Al Jaber, jene Zusammenkunft, die auszuhandeln hätte, wie die Erderwärmung gestoppt wird. Doch die COP28 ab Donnerstag wird diese wohl noch anheizen – nicht nur wegen der 100.000en Flugkilometer nach und von Dubai, sondern auch durch die heiße Luft, die dort produziert wird – in Form von Absichtserklärungen und Beteuerungen, denen keine Taten folgen.
Die Vereinigen Arabischen Emirate betonen gern, ihren Fokus auf alternative Energien richten zu wollen – kein Wunder angesichts bald versiegender Ölquellen. Doch tatsächlich nutzte Al Jaber die COP28-Vorbereitungen zur Anbahnung von Geschäften zur Nutzung fossiler Brennstoffe. Das berichtete die BBC am Montag unter Berufung auf ihr zugespielte Dokumente. 
   Sich an den Erdölstaaten abzuputzen, wäre aber zu billig. Überall auf der Welt wurden seit Jahrzehnten die jeweils politisch Verantwortlichen auf den Handlungsbedarf aufmerksam gemacht – und haben sich taub gestellt. 
   Ein Musterbeispiel dafür ist Deutschland und seine Automobilindustrie. Statt politisch die Richtung vorzugeben, in klimafreundliche Entwicklungen zu investieren, ließen es Angela Merkel und ihre Kabinette zu, dass die Autobauer vornehmlich darin innovativ waren, bestehende Abgasnormen zu umgehen. Keine Spur mehr von Pioniergeist, Trendsetting oder gar Revolutionärem auf vier Rädern – im Gegenteil. Das gute Image einer der wichtigsten Wirtschaftsbranchen des Landes war einmal.
   An Einsicht fehlt es aber nach wie vor in ganz Europa. Je dramatischer die Folgen der Erderwärmung zu spüren sind – und sei es vordergründig nur die Häufung schwerer Unwetter –, desto rabiater werden die Beharrungskräfte der Gesellschaft, alles so zu lassen, wie es ist. Die Politik wiederum reagiert darauf, indem sie verspricht, dass sich niemand wird einschränken müssen. Dank jener Technologien übrigens, deren Entwicklung sie verabsäumt hat, zu fördern. Und die daher in absehbarer Zeit nicht ausreichend zur Verfügung stehen, wie etwa Grüner Wasserstoff. Aber solange es um die Wiederwahl geht, ist die Zukunft der viel bemühten Kinder und Enkel irrelevant.
Und jene, die mit Aktionismus darauf aufmerksam machen, werden als Kriminelle beschimpft. Das macht wenig Hoffnung. 

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