• 22.10.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 23. Oktober 2023. Von ANITA HEUBACHER. "Den Zeigefinger eingepackt lassen".

Innsbruck (OTS) - 

Umweltschutz besteht in Österreich meist darin, dass eine Gruppe der anderen ausrichtet, was sie denn nun am besten gegen die Klimaerwärmung zu tun hätte. So gesehen ist die Diskussion ums Skifahren eine unzureichende.

Jeden Herbst kommt dieselbe Diskussion. Ist Skifahren zu teuer und startet man etwa zu früh in die Saison? Jedes Jahr wirft man sich Argumente an den Kopf, vielleicht hört man einander bisweilen zu. Meis­tens bleibt es aber ein Schwarz-Weiß: hier die Umweltschützer, da die bösen Touristiker und am Ende der Diskussion verlaufen die Fronten an denselben Bruchlinien wie im Jahr zuvor.
Das sind die idealen Voraussetzungen für die Wiederholung, aber keine für einen Fortschritt. Ein solcher wäre, dass jeder seine persönliche CO2-Bilanz erstellt und schaut, was unterm Strich herauskommt. Umweltschutz in Österreich besteht zumeist darin, dass eine Gruppe der anderen ausrichtet, was die denn nun am besten gegen die Klimaerwärmung zu tun hätte. Wenn etwas nicht in die Schwarz-Weiß-Erzählung passt, sind Untergriffe oft nicht weit. Die Glaziologin Andrea Fischer musste sich fragen lassen, ob sie nun die PR-Sprecherin der Gletscherbahnen sei. Fischer hatte es gewagt, zu sagen, dass nicht das Skifahren an sich oder der Weltcup-Auftakt in Sölden die Gletscher schmelzen lassen, sondern die Klimaerwärmung an sich. Zu der trage jeder bei, der zu Großveranstaltungen per Auto anreise. Das gelte allerdings für den Ski-Weltcup-Auftakt ebenso wie für das Popkonzert oder das Fußball-Match im Ernst-Happel-Stadion.
Das ist der Punkt, wo Umweltschutz unbequem wird, weil er einen Verzicht nahelegt. Die Diskussion um ein eingebremstes Wachstum ist auch eine Diskussion über unsere Lebensstile und Freiheitsbegriffe. Und weil das unbequem ist, kommt die nächste Frage aufs Tapet: Warum versuchen, das Wachstum zu bremsen, um das Klima zu schützen, statt direkt den Klimaschutz angehen?
So dreht sich die Klimaschutz-Debatte im Kreis. Kein politisches Vorhaben ist für die handelnden PolitikerInnen so unlukrativ. Einschränkungen lokal oder national verordnen, um eine vermeintlich globale Wirkung zu erzielen? Wie gut das ankommt, mussten die Grünen mit dem Heizungsgesetz in Deutschland erfahren. Ihr Beispiel war der österreichischen Regierung derart abschreckend, dass der Heizungstausch hierzulande von vornherein in einer Freiwilligkeit und einem Erneuerbare-Wärme-Gesetzesentwurf light endete. 
Bleibt der Einzelne, der sich immer noch fragen kann, was er denn nun zum Klimaschutz beizutragen bereit ist. Das Erstellen einer persönlichen CO2-Bilanz könnte dabei der erste kleine Schritt sein. Bevor der Zeigefinger erhoben wird und in eine andere Richtung, nur nicht die eigene, zeigt. 

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