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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Ausgabe vom Donnerstag, 12. Oktober 2023, von Michael Sprenger: "Die Politik des Gemetzels"
Das Ziel der Hamas war einzig, ein Massaker an Juden anzurichten. Die palästinensische Bevölkerung ist ihr dabei egal. Doch wie damit umgehen? Flaggen schwenken kommt einem Abschied von zivilisatorischen Errungenschaften gleich.
Fassungslos. Und dieses Wort ist noch weit untertrieben, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Brutalität die islamistische Hamas am Samstag im Kibbuz Be’eri wahllos Kinder, Frauen, Männer und Alte hingerichtet hat. Es war ein Akt der Barbarei, wie die Hamas junge musikverliebte Menschen bei einer Rave-Party in der Negev-Wüste abknallte, enthauptete oder entführte.
Nach der Shoah erleben die Juden erneut eine Tragödie. Ausgerechnet in dem Land, in dem Staat, der nach dem Nationalsozialismus entstanden ist, um zu verhindern, dass sich so eine Katastrophe an der jüdischen Bevölkerung jemals wieder ereignen sollte. Und jetzt musste die israelische Bevölkerung bitter zur Kenntnis nehmen: Jüdinnen und Juden können in ihrem eigenen Staat wahllos hingerichtet werden. Es muss für die Menschen in Israel einem Pogrom gleichgekommen sein.
Wer angesichts dieser Bilder keine empathischen Gefühle gegenüber der israelischen Zivilbevölkerung aufbringt, wer hierzulande noch dazu die Fahne von Palästina oder gar der Hamas schwingt, der verabschiedet sich von allen zivilisatorischen Errungenschaften. Ein politisches Fiasko. Denn die islamistische Hamas hat sehr wenig oder nichts mehr mit der Politik der PLO zu tun, aber sehr viel mit dem Islamischen Staat. Während die Fatah als dominante Kraft in der PLO neben Israel einen unabhängigen demokratischen Staat errichten wollte, verfolgt die Hamas das Ziel der Vernichtung Israels, um einen islamischen Staat ausrufen zu können. Sie werden das Ziel nicht erreichen, aber sie werden mit Gotteskriegern ihr Gemetzel fortführen. Das Über-Leben der palästinensischen Zivilbevölkerung ist ihr dabei vollkommen egal.
Da kommt jetzt der israelischen Regierung einmal mehr eine entscheidende Rolle zu. Sie wird den Gazastreifen, ein von Israel errichtetes Gefängnis für zwei Millionen Menschen, in Schutt und Asche legen. So kündigte es Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, als er sagte: „Unser Feind wird einen Preis bezahlen, wie er ihn noch niemals kennen gelernt hat.“
Sollen wir dann also israelische Flaggen schwenken, wenn beim Bombenhagel auf Gaza, bei einer zu erwartenden Bodenoffensive die Straßen von toten Kindern, Frauen, Männern und Alten gepflastert werden? Das würde uns zu Mitbewohnern eines Pandämoniums, des Ortes voller Schreckgestalten, machen. Angesichts dieser seit Jahrzehnten anhaltenden Tragödie in Nahost jetzt von irgendeiner Lösung zu philosophieren, ist wohl mehr als nur naiv. Aber dies sollte uns nicht daran hindern, das Wort zu erheben, wenn Unschuldige den Preis für diese Politik von beiden bezahlen müssen.
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