- 17.08.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel vom 18. August 2023. Von Peter Nindler: "Wie viel Tirol darf in Alpbach sein?".
Das 1945 gegründete Europäische Forum hat heute nationale und internationale Bedeutung. Doch außerhalb von Alpbach ist das Dorf der Denker in Tirol wenig verankert. Eine kritische Analyse tut not, auch im Land Tirol.
Alljährlich werden beim Europäischen Forum Alpbach Fragen der Zeit diskutiert und es wird um interdisziplinäre Lösungen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gerungen. Die Vernetzung macht Alpbach aus. Zugleich fördern die vom ehemaligen Forumspräsidenten und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler stark forcierten Hochschulwochen mit Hunderten Stipendiaten aus aller Welt den wissenschaftlichen und politischen Dialog: das Vor- und Nachdenken. Natürlich sind die zwei Wochen am Ende des Sommers auch ein Schaulaufen von heimischen PolitikerInnen, die vor dem Hintergrund einer wunderschönen Bergkulisse ihre politischen Positionen für den Herbst öffentlichkeitswirksam beziehen. Verkauf ist schließlich alles.
Fischler wollte darüber hinaus – ohne auf die notwendige Internationalität zu verzichten – das Europäische Forum mehr im Land und in der Bevölkerung verankern. Das ist ihm nur mittelprächtig gelungen, weil die akademische Aura zu sehr dominiert und die Menschen außerhalb von Alpbach keinen Zugang dazu finden. Vielleicht wird das gar nicht gewünscht. Deshalb drängt sich die bittere Erkenntnis förmlich auf, dass das Dorf der Denker eines ist, das in den 14 Tagen am liebsten „unter sich“ bleiben möchte. Womit wir beim Tirol-Tag angekommen wären.
Fischler hat ihn inhaltlich auf die Höhe der Zeit geführt und näher am Forum positioniert. Nach dem Motto „Regional denken, global handeln“. Seit dem Vorjahr wird jedoch intensiv über den „Tirol-Tag“ nachgedacht. Hinter den Kulissen durchaus kontroversiell zwischen der Forumsführung unter Andreas Treichl und dem Land Tirol. Konkret geht es dabei schon um die Frage, wie viel Tirol in Alpbach noch möglich ist. Und wie das Forum über das Alpbachtal hinaus breiter strahlen kann. Wenn Landeshauptmann Anton Mattle davon spricht, es gelte den Mehrwert des Forums langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln, umfasst das genau diese Fragestellungen.
Der „Tirol-Tag“ soll dafür der Türöffner sein, Mattle möchte bewusst die Kluft zwischen der universitären und der nicht akademischen Welt verringern. Diese Synthese ist bisher kaum gelungen, sie würde aber naturgemäß Breite schaffen. Was die Tradition angeht, kann man geteilter Meinung sein. Doch eines ist gewiss: Der Verkauf des Europäischen Forums lebt vor allem von den Bildern des „Tirol-Tags“. Vom eindrucksvollen Panorama, den Bergen und dem herausgeputzten Blumendorf, den Schützen und der Musik. Alles darauf zu reduzieren, wäre natürlich kleinkariert und engstirnig. Das auszuschließen jedoch ein fataler Fehler.
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