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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Schlacht um Weltherrschaft von morgen", von Christian Jentsch

Ausgabe vom Freitag, 11. August 2023

Innsbruck (OTS) - 

Die beiden Supermächte USA und China befinden sich auf Kollisionskurs. Beide Seiten rüsten sich für eine Konfrontation, welche für die Welt fatale Folgen hätte.

   Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europa eine Neuauflage des Kalten Krieges beschert. Deutschlands Kanzler Olaf Scholz rief die Zeiten­wende aus, das westliche Militärbündnis NATO feiert seine neue Einigkeit und Stärke. Putins Russland ist für Europa die größte Bedrohung.
   Auf der anderen Seite des Atlantiks steht US-Präsident Joe Biden zwar weiterhin mit militärischer und finanzieller Unterstützung an der Seite der Ukraine, doch für viele US-Strategen geht es in erster Linie längst um einen Konflikt ganz anderer Dimension. Die global als Ordnungsmacht auftretenden USA als Anker der nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten westlich-liberalen Weltordnung und die aufstrebende Weltmacht China, die nicht nur Russland als Satelliten an sich bindet, sondern auch den Globalen Süden in ihren Bann zu ziehen versucht, sind auf Kollisionskurs. Und eine Kursänderung ist nicht in Sicht. Nicht auszudenken, welche Folgen eine militärische Konfrontation der beiden Supermächte hätte. Das Wort „Weltuntergang“ ist da wohl keine Übertreibung. 
   Wobei eines klar ist: Beide Seiten sind nicht zu einem Rückzieher bereit. Die USA werden ihren globalen Führungsanspruch – besonders was die Kontrolle des indopazifischen Raums angeht – nicht aufgeben. Im Hinblick auf das wirtschaftliche Wachstum hat sich Asien zum Hotspot der globalen Entwicklung emporgeschwungen. Und Asien wird weiter an Bedeutung gewinnen – und Europa immer mehr in den Schatten stellen. Europa wird zum Nebenschauplatz der Weltpolitik.
   Die USA haben dies längst in ihre geostrategischen Planungen eingepreist. Sie wollen in Asien auch künftig die erste Geige spielen. Und ihre Vormachtstellung mit Zähnen und Klauen verteidigen. Der Konflikt um Taiwan ist dabei von enormer strategischer Bedeutung. Die Versuche Pekings, sich Taiwan einzuverleiben, wird Washington nicht akzeptieren.
Darüber hinaus versuchen die USA, trotz enger Verflechtungen ihren Vorsprung in Sachen Hightech gegenüber China abzusichern. Hier soll Chinas Aufstieg gebremst werden. Dass US-Präsident Joe Biden US-Hightech-Investitionen nun verbieten will, ist eine logische Schlussfolgerung.
   Doch auch China wird sich gerade in seinem Vorhof nicht mit der zweiten Reihe zufriedengeben. Und trotz aller Eindämmungsversuche der USA wächst Chinas militärische und ökonomische Macht. Der Kampf der beiden Weltmächte hat längst begonnen. Nun geht es darum, ihn nicht eskalieren zu lassen.

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