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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 9. August 2023 von Peter Nindler "Mitunter zögerlich, aber Mattle packt an"

Innsbruck (OTS) - 

Bei der Zillertalbahn setzt der Landeshauptmann auf die längst fällige Transparenz. Nicht nur, weil Anton Mattle 2027 wiedergewählt werden will. Es entspricht schließlich auch seinem politischen Verständnis auf Höhe der Zeit.

Wer zahlt, schafft an: Zu viel ist bei der Zillertalbahn in den vergangenen Monaten schiefgelaufen, zu sehr haben sich die Verantwortlichen in einem Tunnel eingegraben, den es für die Umrüstung auf einen umweltfreundlichen Antrieb gar nicht benötigt. Aus dem sie aber offenbar nicht mehr herauskommen. Deshalb hat das Land bzw. Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) das Heft in die Hand genommen, weil sich mit einseitiger Propaganda und Poltern für Wasserstoff nicht ein Funke an verlorenem Vertrauen zurückgewinnen lässt. Was jedoch nicht automatisch heißt, dass eine wasserstoffbetriebene Zillertalbahn nicht die bessere Lösung wäre. Auch wenn das Leuchtturmprojekt vielleicht mehr kostet.
Doch die Bandbreite der auf 30 Jahre bezifferten Mehrkosten von 83 bis 180 Millionen Euro gegenüber einer Elektrifizierung ist einfach zu groß, als dass das Land bedenkenlos seine Schatulle öffnen könnte. Ja, der Zillertaler Tourismus übernimmt jährlich 2,7 Millionen Euro davon, allerdings kann derzeit niemand sagen, ob damit tatsächlich die höheren Aufwendungen abgedeckt werden. Die in der Vorwoche zwischen den Koalitionspartnern ÖVP und SPÖ vereinbarte unabhängige finanzielle und technische Bewertung aller relevanten Grundlagen soll hier zumindest für Transparenz sorgen. Von heute auf morgen dürfte das allerdings nicht gehen, kein Experte oder Gutachter wird seinen Namen für eine oberflächliche Gesamtschau hergeben. Die ist jedoch notwendig.
Mit der empfohlenen Prüfung durch den Rechnungshof geht Landeshauptmann Anton Mattle jetzt noch einen Schritt weiter in Richtung Objektivierung. Zugleich ist seine Botschaft eine klare: Es wird doch niemand ernsthaft glauben, dass vor dem Vorliegen des Experten-Gutachtens oder der Rechnungshof-Prüfung das Land auch nur einen Wasserstoffzug kauft. Obwohl die Zeit drängt, wäre das die politische Kapitulation. Zuerst werden Fakten geschaffen und dann wird überprüft, ob die Entscheidung richtig war. Schwarz-Rot würde damit das Pferd von hinten aufzäumen. 
Für die Opposition hat Mattle vielleicht zu lange gezögert, trotzdem kann man ihm eines nicht vorwerfen. Er sitzt die Probleme nicht aus, obwohl er von der Zillertalbahn über die GemNova bis hin zur Schuldengemeinde Matrei in Osttirol mit Schwierigkeiten konfrontiert wird, die von hochrangigen ÖVP-Politikern verursacht wurden – und die dann plötzlich die seinen sind. Das macht es für den ÖVP-Chef und Landeshauptmann sicher nicht einfacher. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Günther Platter packt Mattle die Vermächtnisse mit großer Sprengkraft jedenfalls an.

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