• 25.07.2023, 10:03:31
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  • OTS0037

Nachfrage nach Investitionskrediten weiterhin rückläufig

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Juli 2023 (Bank Lending Survey)

Utl.: Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom Juli 2023 (Bank Lending Survey) =

Wien (OTS) - Im zweiten Quartal 2023 ist die Nachfrage nach
Investitionskrediten neuerlich gesunken und somit schon seit Mitte
2022 rückläufig. Hintergrund ist die konjunkturelle Eintrübung
infolge der globalen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen
sowie das höhere Zinsniveau. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten
stagnierte im zweiten Quartal 2023, nachdem sie in den drei Quartalen
zuvor stark gefallen war. Die gestiegenen Zinsen und die unsichere
Wirtschaftslage sind die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung.
Die Banken integrieren zunehmend Klima-Risiken bei der Kreditvergabe,
was zu einer strengeren Kreditvergabe für Unternehmen bzw. Projekte,
die in hohem Maße zum Klimawandel beitragen, führt. Das zeigen die
Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage der Oesterreichischen
Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft, in der führende Banken
nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Die aktuelle Umfrage wurde
in der zweiten Junihälfte 2023 durchgeführt.

Kreditgeschäft mit Unternehmen: Nachfrage nach Investitionskrediten
sinkt seit Mitte 2022

Nach einem leichten Rückgang im ersten Quartal meldeten die
heimischen Banken für das zweite Quartal 2023 neuerlich eine
insgesamt gesunkene Kreditnachfrage von Unternehmen. Bereits im
vierten Quartal 2022 war ein über eineinhalb Jahre dauernder Trend
einer steigenden Nachfrage zu einem Halt gekommen. Während der
kurzfristige Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel
bis zum vierten Quartal 2022 deutlich gestiegen ist und seither auf
erhöhtem Niveau verharrt, sinkt die Nachfrage nach
Investitionskrediten seit dem dritten Quartal 2022. Im Ausblick auf
das dritte Quartal 2023 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden
Banken eine weiterhin rückläufige Gesamtnachfrage nach
Unternehmenskrediten, deren Hauptgrund die derzeit schwache
Investitionsdynamik ist.

Diese Entwicklungen sind eine Folge globaler politischer und
wirtschaftlicher Verwerfungen wie beispielsweise der Krieg in der
Ukraine, Lieferkettenprobleme, Preisschocks und die allgemeine
Abkühlung der Weltkonjunktur sowie höhere Zinsniveaus. Die
Lieferkettenprobleme haben einen vorsorglichen Aufbau der
Lagerbestände erfordert; die Engpässe haben sich inzwischen aber
weitgehend aufgelöst. Umfassende Preissteigerungen haben generell den
Liquiditätsbedarf der Unternehmen erhöht. Die hohe Unsicherheit, die
Abkühlung der globalen Konjunktur und steigende Zinsen wirken
hingegen dämpfend auf die Nachfrage nach langfristigen Krediten, weil
Investitionen zurückgenommen oder verschoben werden.

Die Banken haben ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite seit
dem zweiten Quartal 2022 umfassend verschärft – hauptsächlich
aufgrund einer ungünstigeren Risikoeinschätzung. Für das dritte
Quartal 2023 werden weitere Verschärfungen erwartet.

Private Wohnbaukredite: Nachfrage stagnierte im zweiten Quartal 2023
nach starken Rückgängen zuvor

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten stagnierte im zweiten Quartal
2023. In den drei Vorquartalen war sie stark rückläufig. Für das
dritte Quartal 2023 gehen die befragten Banken von einer anhaltenden
Stagnation aus. Mit dem Einbruch im zweiten Halbjahr 2022 ging eine
lange Phase steigender Kreditnachfrage abrupt zu Ende. Als
wesentliche Gründe für den Nachfragerückgang wurden die gestiegenen
Zinsen und die unsichere Wirtschaftslage genannt. Kredite sind teurer
und weniger leistbar geworden, insbesondere im derzeit schwierigen
Umfeld mit hoher Inflation und schwacher Konjunktur.

Angebotsseitig blieben die bankinternen Richtlinien und die Margen
für Wohnbaukredite im zweiten Quartal 2023 weitgehend unverändert.
Die Richtlinien wurden zuletzt im dritten Quartal 2022 verschärft.
Die Margen wurden seit 2021 kaum geändert.

Zunehmende Bedeutung des Klimawandels für das Kreditgeschäft mit
Unternehmen

Die Banken berücksichtigen zunehmend die Auswirkungen der
Geschäftstätigkeit von Unternehmen auf das Klima in ihrer
Angebotspolitik. Das führt zu einer strengeren Kreditvergabe
(strengere Kreditrichtlinien, ungünstigere Kreditbedingungen) für
Unternehmen bzw. Projekte, die in hohem Maße zum Klimawandel
beitragen. Bei den Verschärfungen spielt die Risikosituation eine
Rolle – der Klimawandel und seine Folgen verursachen unter anderem
physische Risiken und beeinflussen die wirtschaftliche Lage bzw. die
Kreditwürdigkeit der Unternehmen (z. B. verminderter Wert der
Aktiva). Nachfrageseitig nimmt der Finanzierungsbedarf der
Unternehmen für Investitionen und Umstrukturierungen im Zusammenhang
mit dem Klimawandel zu (z. B. Transition zu einer „grüneren“
Produktion oder Absicherung gegen physische Risiken des
Klimawandels).

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.
Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in der
Publikationsreihe „OeNB Reports“ veröffentlicht
(https://bit.ly/3Yau0Mf). Weitere Informationen und Daten zur Umfrage
finden sich auf der OeNB-Website unter https://bit.ly/3OtDRJR.
Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert (https://bit.ly/3Hr0kCv).

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