- 17.07.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel vom 18. Juli 2023. Von Marco Witting: "Verbrannte Erde".
Die Welt schwitzt. Die heißesten Tage seit Beginn der Messgeschichte liegen hinter uns. Der Klimawandel zeigt uns schnell seine Folgen. Und gleichzeitig geht es beim Umdenken nicht schnell genug. Es braucht Verbote und Gebote.
Was ist „normal“? In einer Welt, in der wir zum Teil verlernt haben, andere Meinungen zuzulassen, Fakten zu akzeptieren und den gesellschaftlichen Diskurs auszuhalten, scheint nichts mehr normal zu sein. Und damit wird irgendwie alles normal. Wie 48 Grad Celsius im Schatten in Südeuropa. Ja. Man kann sich herbeiargumentieren, dass es früher auch heiß war. Aber es ist auch Fakt, dass hinter uns die heißesten Tage und Wochen der Messgeschichte liegen und die Rekorde regelmäßig überboten werden. Weltweit. Diese Erde schwitzt.
In den vergangenen Wochen steckte der Süden der USA unter einer intensiven Hitzeglocke. In China setzte sich eine Hitzewelle fort. Dort gab es Temperaturen um die 50 Grad. In Nordafrika ebenso. Und die heimischen Urlauber schwitzen im Süden bei bis zu 48 Grad – und bleiben beim Städtetrip mittags im Hotelzimmer. Normal? Ein Einzelfall wäre eine Anomalie, derart gehäuft ist es ein Trend – und ein Problem. Egal ob es vor der eigenen Haustür heute gerade warm ist oder nicht. Denn nicht nur den europäischen Gletschern kann man quasi in Echtzeit beim Schmelzen zusehen, sondern auch den Polen.
Es geht rasant. Und es geht auf der anderen Seite nicht schnell genug. Nicht schnell genug, wenn es darum geht, die entsprechenden Maßnahmen zu setzen und ein Umdenken bei den Menschen zu erzeugen. Denn da windet sich die Politik auf globaler und regionaler Ebene, wie man es gerade braucht und für wen man gerade spricht.
Der Mensch hat verbrannte Erde hinterlassen. Akzeptanz, Aktionismus, Durchhalteparolen, Leugnung, Ignoranz, Verdrängung – die Strategien im Umgang mit der Klimakrise mögen unterschiedlich sein. Was uns alle eint, ist der Umstand, dass wir alle mit den Folgen leben lernen müssen. In manchen Regionen dieser Erde wird der Menschen künftig schlichtweg nicht mehr leben (können). Dabei ist es, trotz aller Herausforderungen, noch nicht zu spät. Noch immer können die rasanten Entwicklungen verlangsamt werden. Dafür wird es Verbote brauchen. Vor allem aber Gebote. Ohne die Menschen und ein breites gesellschaftliches Bewusstsein, dass uns dieser Klimawandel alle etwas angeht, wird die Veränderung nicht funktionieren.
Was ist eigentlich normal? In Tirol ist es normal, dass man an einem heißen Tag im Sommer morgens und abends den Rasen im Garten und die Blumen am Balkon gießt. Im Gegensatz zu anderen Regionen haben wir das notwendige Wasser dafür. Vorerst noch. Andernorts ist die verbrannte Erde im Vorgarten längst Realität.
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