- 27.05.2023, 22:00:03
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TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG "Leitartikel" Ausgabe vom Sonntag, 28. Mai 2023, von Alois Vahrner: "Arbeits-Träume und die Realität"
Vier-Tage-Woche für alle, mit nur 32 Stunden, aber vollem Lohnausgleich, bei immer massiverem Arbeitskräftemangel und hoher Teuerung? Da läuft vieles nicht zusammen.
Spätestens seit Corona (als die Regierung ja wissen ließ: „Koste es, was es wolle“) scheint Sparsamkeit in Österreich so ziemlich abgeschafft zu sein. Gibt es irgendwo ein Problem, sprang und springt rasch Väterchen Staat hilfreich in die Bresche. Bis zu 50 Milliarden Euro auf Pump für die Pandemie-Abfederung, wohl ebenso viel oder noch mehr für Hilfen rund um die Teuerung.
„Ja, ist denn schon Weihnachten?“, fragte einst Franz Beckenbauer in einem Werbespot. In Sachen Arbeitszeit und Bezahlung rufen vor allem Opposition und Gewerkschaften tatsächlich zu einer vorzeitigen Bescherung. Und sie fordern eine Vier-Tage-Woche für möglichst alle, die Arbeitszeit soll auf 32 Stunden verkürzt werden, und das ohne Lohnabstriche. Natürlich wäre das alles schön. Vielen würde es sicher auch gefallen, wenn in manchen Bächen Milch und Honig fließen würden.
Die Realität spielt sich leider nicht in einem solchen Träume-Land ab. Der Standort Österreich sowie Europa und damit unser Wohlstand stehen schon jetzt kostenmäßig (gerade auch nach den Kostensprüngen bei Energie und Personal) unter Druck, vor allem durch China und die USA.
Weniger arbeiten, und das bei einem schon jetzt massiven Arbeitskräftemangel: Hunderttausende Stellen quer durch alle Bereiche sind schon jetzt kaum zu besetzen. Und dieses Loch droht sich durch die Demografie (Babyboomer gehen in Pension) sogar noch zu verdoppeln. Kürzer arbeiten heißt bei dieser bedrohlichen Aussicht auch: Schulen, Spitäler, Pflege, Polizei, Handwerk, Tourismus und unzählige Bereiche müssten notgedrungen kräftig ihre Leistungen streichen. Oder man sucht Zehntausende zusätzliche Gastarbeiter, als wenn das so leicht umzusetzen wäre und akzeptiert würde. Österreich wandelt auf gefährlichen Pfaden.
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