- 02.05.2023, 10:33:53
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- OTS0051
Schwächere Nachfrage nach Investitionskrediten
Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2023 (Bank Lending Survey)
Utl.: Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom April 2023 (Bank Lending Survey) =
Wien (OTS) - Für das erste Quartal 2023 meldeten die heimischen
Banken eine neuerlich gesunkene Nachfrage von Unternehmen nach
Investitionskrediten. Somit ist sie bereits seit Mitte 2022
rückläufig. Hintergrund ist die konjunkturelle Eintrübung infolge der
globalen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen sowie das
höhere Zinsniveau. Erstmals seit Ende 2021 ist auch die
Kreditnachfrage zur Finanzierung von Lagerhaltung und Betriebsmitteln
nicht mehr deutlich gestiegen. Das dürfte mit dem Auslaufen der
Lieferkettenengpässe in Zusammenhang stehen. Die Nachfrage nach
privaten Wohnbaukrediten ist im ersten Quartal 2023 abermals
gesunken. Der Rückgang ist aber moderater ausgefallen als in den
beiden Quartalen davor, in denen die Nachfrage überaus stark
eingebrochen war. Die gestiegenen Zinsen und die unsichere
Wirtschaftslage sind die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung.
Angebotsseitig wurden die bankinternen Richtlinien für
Unternehmenskredite im ersten Quartal 2023 nur mehr leicht
verschärft, jene für Wohnbaukredite blieben weitgehend unverändert.
Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft, in der
führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Die
aktuelle Umfrage wurde in der zweiten Märzhälfte 2023 durchgeführt.
Kreditgeschäft mit Unternehmen: Nachfrage nach Investitionskrediten
sinkt seit Mitte 2022
Für das erste Quartal 2023 meldeten die heimischen Banken, dass die
Kreditnachfrage von Unternehmen insgesamt etwas gesunken ist. Bereits
im vierten Quartal 2022 ist ein über eineinhalb Jahre dauernder Trend
einer insgesamt steigenden Nachfrage zu einem Halt gekommen. Im
Detail zeigen sich aber differenzierte Entwicklungen. Die Nachfrage
nach langfristigen Krediten ist bereits seit einem halben Jahr
rückläufig, die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten ist im ersten
Quartal 2023 hingegen noch gewachsen, wenn auch schwächer als in den
Quartalen zuvor. Im Ausblick auf das zweite Quartal 2023 erwarten die
an der Umfrage teilnehmenden Banken kaum Änderungen bei der
Kreditnachfrage.
Vom vierten Quartal 2021 bis zum vierten Quartal 2022 war der
Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel der
dominierende Grund für den Anstieg der Nachfrage nach Krediten,
insbesondere nach kurzfristigen Krediten. Im ersten Quartal 2023 ist
er aber kaum noch als expansiver Faktor der Nachfrage in Erscheinung
getreten. Das dürfte mit dem Auslaufen der Lieferkettenengpässe in
Zusammenhang stehen. Der Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen
hat sich seit Ende 2021 deutlich schwächer entwickelt als jener für
Lagerhaltung und Betriebsmittel und ist bereits seit dem dritten
Quartal 2022 rückläufig.
Diese Entwicklungen sind eine Folge der globalen wirtschaftlichen und
politischen Verwerfungen (Krieg in der Ukraine, Lieferkettenprobleme,
Preisschocks, Abkühlung der Weltkonjunktur) sowie des höheren
Zinsniveaus. Die Lieferkettenprobleme haben einen vorsorglichen
Aufbau der Lagerbestände erfordert; die Engpässe haben sich
inzwischen aber weitgehend aufgelöst. Umfassende Preissteigerungen
haben generell den Liquiditätsbedarf der Unternehmen erhöht.
Andererseits wirken Unsicherheit, Preisauftrieb und die Abkühlung der
globalen Konjunktur dämpfend auf die Nachfrage nach langfristigen
Krediten, weil Investitionen zurückgenommen oder verschoben werden.
Die Banken haben ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite seit
dem zweiten Quartal 2022 umfassend verschärft – hauptsächlich
aufgrund einer ungünstigeren Risikoeinschätzung. Die bankinternen
Kreditrichtlinien wurden nach und nach strenger. Die Margen wurden
bis zum vierten Quartal 2022 schrittweise erhöht, blieben im ersten
Quartal 2023 aber weitgehend auf dem Niveau des Vorquartals.
Private Wohnbaukredite: Nachfrage weiterhin rückläufig
Nach dem überaus starken Rückgang im dritten und vierten Quartal 2022
meldeten die Banken, dass die Nachfrage nach Wohnbaukrediten im
ersten Quartal 2023 abermals gesunken ist, aber moderater als zuvor.
Für das zweite Quartal 2023 gehen die befragten Banken von einer
weitgehend unveränderten Nachfrage (auf niedrigem Niveau) aus. Mit
dem Einbruch im zweiten Halbjahr 2022 ging eine lange Phase
steigender Kreditnachfrage abrupt zu Ende. Als wesentliche Gründe für
den Nachfragerückgang wurden die gestiegenen Zinsen und die unsichere
Wirtschaftslage genannt. Kredite sind teurer und weniger leistbar
geworden, insbesondere im derzeit schwierigen Umfeld mit hoher
Inflation und schwacher Konjunktur.
Angebotsseitig blieben die bankinternen Richtlinien und die Margen
für Wohnbaukredite im ersten Quartal 2023 weitgehend unverändert. Die
Richtlinien wurden zuletzt im dritten Quartal 2022 verschärft. Die
Margen wurden seit 2021 kaum geändert.
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.
Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in
der nächsten Ausgabe der OeNB-Publikationsreihe Statistiken – Daten &
Analysen und vorab auf der OeNB-Website veröffentlicht.
Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten zu den
Österreich-Ergebnissen der Umfrage (https://bit.ly/3Hofd8P).
Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert (https://bit.ly/3Hr0kCv).
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