- 05.04.2023, 22:00:02
- /
- OTS0103
Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 6. April 2023. Von PETER NINDLER. "Tirol benötigt eine Rettungsgasse".
Seit 1980 hat sich das Verkehrsaufkommen bei uns verdoppelt. Weil auch Millionen mit dem Auto nach Tirol in den Urlaub anreisen und 14 Millionen jährlich durchreisen. Umdenken findet statt, aber der Umstieg auf die Öffis geht zu langsam.
Verkehr ist Leben. Was vor 50 Jahren der damalige politische Übervater Eduard Wallnöfer mit dem Bau der Brennerautobahn als Leitspruch geprägt hatte, wird heute ohne Rücksicht auf den legendären Landeshauptmann auf den Kopf gestellt. Denn die TirolerInnen wollen endlich mit weniger motorisiertem Verkehr leben, schließlich hat sich dieser als empfindliche Umwelt- und Lärmbelastung in ihren Alltag hineingezwängt. Nicht nur entlang der vom Gütertransport überrollten Transitrouten mit jährlich 2,4 Millionen Lkw-Fahrten.
Seit 1980 hat sich das Verkehrsaufkommen verdoppelt. Urlaubs-, Ausflugs-, Durchzugs-, Rückreise- und Individualverkehr verstopfen das Herz der Alpen. Ob im Zillertal, am Fernpass, in Kufstein, im Wipptal oder am Mieminger Plateau. Tirol würde deshalb eine Rettungsgasse quer durch das ganze Land benötigen, die Politik schwelgt wiederum in Fantasien zu Tunneln durch das Tschirgantmassiv, am Fernpass oder mit dem Brennerbasistunnel.
Dabei sind wir Opfer und Verursacher zugleich: Die österreichischen Haushalte besitzen im Schnitt 1,2 Autos, der Durchschnittsösterreicher spult 13.900 Kilometer pro Jahr und Auto herunter. Obwohl in Tirol bereits 48 Prozent der täglichen Wege mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden und 150.000 TirolerInnen ein Jahresticket des Verkehrsverbunds besitzen. Das Umdenken findet statt, doch für die Mobilitätswende und für Tirol reicht das bei Weitem nicht aus.
Die notwendigen Verbote, auf das niederrangige Verkehrssystem abzufahren, als Staublocker sind Gradmesser dafür, ob sich etwas bewegt. Derzeit leider zu wenig. Urlaub und Auto sind weiter eine unschlagbare Kombination. Bequem und einfach – die Staustunden werden einkalkuliert. Sozusagen all inclusive ins Zillertal. Für uns unverständlich, für die Gäste Reisenormalität. Allein 14 Millionen Pkw sorgen Jahr für Jahr für eine Blechlawine auf der Brennerachse Richtung Süden und wieder zurück. Die umweltgerechte Anreise mit den Öffis in die heimischen Skigebiete scheitert an der Logistik, an der Bequemlichkeit und an der Herausforderung, mit vier Paar Ski und Reisegepäck am Bahnhof zu stehen.
Tirol wird nicht die Mobilitätswelt retten. Ein Auto, das nicht fährt, ist sein Geld nicht wert, stellte schon der bayerische Liederbarde Fredl Fesl fest. Darin steckt viel zeitlose Wahrheit. Zumindest gibt es im Tiroler Tourismus ein ambitioniertes Ziel: In der Mobilität soll die Anreise der Gäste von derzeit 10 % öffentliche Anreise auf 20 % bis 2035 gesteigert werden. Ist ja ein Ansatz, vorerst noch auf Papier.
Rückfragen & Kontakt
Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






