- 10.03.2023, 10:42:09
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IT-Fachkräftemangel: Rund 800 unbesetzte IT-Stellen in Kärnten
Jährlich verliert Kärnten 140 Millionen durch unbesetzte IT-Stellen. Martin Zandonella, WK-Spartenobmann Information und Consulting, fordert die neue Landesregierung zum Handeln auf.
Utl.: Jährlich verliert Kärnten 140 Millionen durch unbesetzte
IT-Stellen. Martin Zandonella, WK-Spartenobmann Information
und Consulting, fordert die neue Landesregierung zum Handeln
auf. =
Klagenfurt (OTS) - Rund 800 freie IT-Stellen gibt es aktuell in
Kärnten. Aber Fachkräfte sind weit und breit nicht in Sicht. Bereits
jetzt können Unternehmen ihre offenen IT-Positionen nur noch
durchschnittlich zu 75 Prozent besetzen. Das ist für die Wirtschaft
ein herber Rückschlag, denn ohne entsprechende IT-Experten ist ein
Standort auf lange Sicht nicht international wettbewerbsfähig. Die
fehlenden Stellenbesetzungen zeigen sich in einem jährlichen
Wertschöpfungsverlust von 140 Millionen Euro allein für Kärnten – das
sind 175.000 Euro pro nicht besetzte Stelle. Für den Fachverband UBIT
liegt eine der Hauptursachen in der IT-Bildung, wie der siebente
IKT-Statusreport ans Licht bringt.
Generell sind die Drop-out-Quoten an Österreichs Hochschulen im
Bereich Informatik erschreckend hoch. „Wir müssen die Drop-out-Quoten
senken. 40 Prozent der Studierenden brechen das IKT-Bachelorstudium
ab und gehen damit der Branche verloren“, mahnt Martin Zandonella,
Obmann der WK-Sparte Information und Consulting. „Die tertiäre
Ausbildung im IKT-Bereich muss umgestaltet werden, damit die
Abbruch-Quoten sinken.“ Tatsächlich würde schon eine Senkung um zehn
Prozent österreichweit gut 1.000 weniger Studienabbrecherinnen bzw.
-abbrecher bedeuten, die dann der IT-Branche zur Verfügung stünden.
Erstmalig enthält der IKT-Statusreport einen Vergleich von
ausgewählten OECD-Staaten. So betrug im Jahr 2020 der Anteil von
IKT-Studien im gesamten tertiären Bereich, unter 16 betrachteten
Staaten, 4,5 Prozent (im Jahr 2014 waren es 3,8 Prozent). Diese
Anteile reichen von 1,9 Prozent in der Türkei bis zu 8,1 Prozent in
Israel, 9,9 Prozent in Finnland und 10,1 Prozent in Estland.
Österreich liegt mit 5,4 Prozent im Mittelfeld. „Diese Zahlen zeigen
die Herausforderungen, vor denen wir stehen, um zu den
IT-Spitzenreitern aufzuschließen", sagt Studienleiter Norbert
Wohlgemuth vom Kärntner Institut für Höhere Studien (KIHS).
Verschärft wird der Fachkräftemangel zusätzlich durch die geringe
Anzahl an Studierenden in den IKT-Fächern: Die dringend gebrauchten
IKT-Studien machen an den Universitäten nur rund sechs Prozent aller
Studienplätze aus. Die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt meldete im
Wintersemester 21/22 861 belegte IKT-Studienplätze, die
Fachhochschule Kärnten 228. Aber von 2015 bis 2020 haben in Summe nur
145 Master in der IKT die Universität verlassen, das sind
durchschnittlich 30 Absolventen pro Jahr, an der Fachhochschule
schafften im gleichen Zeitraum 49 Studierenden ihren Masterabschluss.
Im Durchschnitt bedeutet das zehn Absolventen pro Jahr. „Anhand
dieser Zahlen wird die Lücke deutlich. Die neue Landesregierung ist
gefordert, darauf zu reagieren“, fordert Zandonella. Es müssen mehr
junge Menschen und vor allem auch Mädchen für den IKT-Bereich
begeistert werden.
„Eine gute Ausbildung und hohe Qualifikation sind das Grundelement
für eine Karriere im IT-Bereich. Genau deswegen ist es an der Zeit,
diese zu reformieren und die Drop-out-Quoten zu drücken“, sagt
Zandonella. Zusätzlich müssen rasch alternative Wege in die IT
gefördert werden, wie andere Einstiegsmöglichkeiten. In Kärnten sind
das zum Beispiel eine IT-Lehre oder die Duale Akademie für Maturanten
und Studienabbrecher. In Form eines Traineeprogrammes können sie eine
Ausbildung in IT-Systemtechnik oder Applikationsentwicklung/Coding
absolvieren. Gestartet wird mit der Dualen Akademie im Herbst.
Trainees und interessierte Ausbildungsbetriebe können sich direkt bei
der Wirtschaftskammer melden.
Für Betriebe und junge Menschen ist das eine neue attraktive Form
einer praxisorientierten Ausbildung – ein Gewinn für beide Seiten.
Auch Marc Gfrerer, IT-Berufsgruppensprecher der WK-Fachgruppe UBIT,
spricht sich für die Duale Akademie und die zeitgemäße Ausbildung in
IT-Systemtechnik sowie Applikationsentwicklung aus. „Es gibt
spannende neue Berufswege, um in der IT-Branche Fuß zu fassen“, sagt
Gfrerer. Die Onlineplattform it.kaernten.at gibt Orientierung über
die Angebote und motiviert junge Menschen für eine Karriere in der
IT.
„In der breiten Masse sind die vielfältigen Karrieremöglichkeiten
inklusive Jobgarantie in der IT nicht bekannt“, bedauert Gfrerer.
Entsprechend brauche es einen Ausbau der informatischen Grundbildung
ab der Volksschule, einhergehend mit einer Reform der Berufsberatung
in der Sekundarstufe. „Wir setzen schon aktiv Maßnahmen gegen den
Fachkräftemangel, aber auch die Politik muss etwas tun“,
unterstreicht Gfrerer. Und das auf einer breiten Ebene. Die
Ausbildung im Land müsse verstärkt, bereits ausgebildete
IT-Spezialisten nach Kärnten geholt und Studierende aus anderen
Ländern angesprochen werden.
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