• 01.03.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Analyse, Ausgabe vom 2. März 2023. Von KARIN LEITNER. "Ablösewunsch ohne Nachfolgekandidat".

Innsbruck (OTS) - 

Es ist kein Novum: Immer wieder wurden Obleute von Parteifreunden kritisiert, dann politisch demontiert. Gang und gäbe war das lange Zeit in der ÖVP. Auch bei den Sozialdemokraten sind derlei Vorgänge nicht unbekannt. Sie haben jetzt aber eine neue „Qualität“. Seit mittlerweile Monaten wird von Genossen auch öffentlich darüber diskutiert, ob Pamela Rendi-Wagner die Richtige an der Spitze, damit auch die richtige Spitzenkandidatin bei der kommenden Nationalratswahl sei.
Selbst unmittelbar nach einer Landtagswahl, der in Niederösterreich, schaffte es die SPÖ, dass nicht über den großen Verlust der mächtigen Landeshauptfrau-Partei ÖVP und den gebotenen Abgang von Johanna Mikl-Leitner geredet wurde, sondern über Rendi-Wagners Parteiführungsfähigkeit. Selbst unmittelbar vor der nächsten Landtagswahl, der in Kärnten, wo die SPÖ den Landeshauptmann stellt, tun nicht alle Roten alles dazu, um den prognostizierten Verlust der SPÖ zu minimieren. Manche sorgen – aus der Deckung heraus – dafür, dass es weiterhin um Bundespersonalia geht. Intrigiert wird. Diese Selbstbeschädigung ist kombiniert mit einem Kuriosum.
Bis dato gab es zumindest einen logischen Nachfolgekandidaten, wenn der Parteioberste mangels mehrheitlichen Zuspruchs weichen musste. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner wurde, orches­triert von Sebastian Kurz, gestürzt. In der SPÖ übernahm ÖBB-Chef Christian Kern von Werner Faymann.
Und was ist nun? Jene, die wollen, dass Rendi-Wagner geht, haben keinen Kurz oder Kern in petto. Sie haben nicht den Erben für die Funktion. Der von einigen favorisierte Burgenländer Hans Peter Doskozil hat viele Widersacher – zuvorderst wegen der ständigen externen verbalen Querschüsse, ohne sich intern einzubringen. Man weiß auch nicht, ob er Nummer 1 der SPÖ werden will.
Über Posten zu debattieren, statt sich wegen der Teuerung mit Hilfsvorschlägen zu profilieren, ist schräg. Über einen Job zu reden, für den es den „Hoffnungsträger“ nicht gibt, ist jenseitig.

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