• 20.09.2022, 11:42:35
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MAK zeigt "WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987"

Carl Hagenauer, Kassette, 1912 Alpaka, versilbert ©
MAK/Katrin Wißkirchen
Wien (OTS) - 

Mit der Ausstellung "WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987" (16.11.2022–3.9.2023) bietet das MAK erstmals einen umfassenden Einblick in die künstlerischen Arbeitsprozesse des Familienunternehmens, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten kunstgewerblichen Metallwerkstätten in Wien zählte. Seit 2014 befinden sich große Teile des Firmenarchivs Hagenauer im MAK. Rund 200 Objekte aus der MAK Sammlung und 70 Leihgaben spannen in der Ausstellung einen Bogen über das gesamte Repertoire der Werkstätte Hagenauer: von innovativen Gebrauchsgegenständen über die Ausstattung öffentlicher Gebäude bis zu den bedeutenden Skulpturen Franz Hagenauers.

Ende des Jahres 2014 erwarb das MAK im Zuge einer umfassenden Hagenauer-Nachlassauktion mit großzügiger Unterstützung des Sammlers Richard Grubman und des Auktionshauses „im Kinsky“ Geschäftsunterlagen, Fotos, Skizzen, Entwürfe, Modelle, Formen, Rohlinge und Halbfertigprodukte aus der Hinterlassenschaft des letzten Firmeninhabers Franz Hagenauer (1906–1986). Damit wurde der Grundstein für das Archiv der Werkstätte Hagenauer Wien im MAK gelegt. Dank weiterer Schenkungen von Caja Hagenauer, einer Tochter von Franz, entstand eine bedeutende Sammlung biografischer, künstlerischer und betrieblicher Zeugnisse.

Die Ausstellung "WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987" konzentriert sich auf signifikante Etappen der Werkstätte, auf den formalen Wandel ihrer Erzeugnisse und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Wiener Kunstgewerbes sowie die Einrichtungs- und Möbelgestaltung nach 1945. Ganz bewusst ist die Ausstellung im Wiener Werkstätte Raum oberhalb der Schausammlung Wien 1900 situiert, da die künstlerischen Entwicklungen der Hagenauers eng mit der 1903 von Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründeten Wiener Werkstätte verwoben sind.

Gestaltet vom Designstudio POLKA (Monica Singer und Marie Rahm), gliedert sich die Ausstellung in mehrere Bereiche.

Ein raumgreifendes Regal zeigt, gleich einem freistehenden „Setzkasten“, die Heterogenität der Erzeugnisse und deren Gestaltung. Besondere Beachtung finden zudem die Wandreliefs von Franz Hagenauer für den „Kultraum“ der "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes" in Paris 1925 durch eine eigene Inszenierung. Ein weiterer Ausstellungsbereich ist der Produktionsstätte gewidmet und macht Herstellungsprozesse vom Entwurf über die Umzeichnung, die Modelle, Gussformen und Rohlinge bis hin zum fertigen Objekt nachvollziehbar.

Eine Installation des Designstudios POLKA mit Original-Laden aus dem MAK Depot veranschaulicht, wie das Archiv aufbewahrt wird, und ermöglicht damit einen Blick hinter die Kulissen des Museums. Die Verbindungsgänge zwischen den Ausstellungsbereichen sind der Firmengeschichte gewidmet.

Drei Mitglieder der Kunsthandwerk-Dynastie prägten in leitender Funktion die Geschichte des Unternehmens. Der Ziseleur und Gürtlermeister Carl Rudolf Hagenauer (1872–1928) gründete seine eigene Werkstätte 1898, als der kunstindustrielle Zweig der Metallbearbeitung mit rund 230 Fabriken und Werkstätten in und um Wien seine Blütezeit erreicht hatte. Zunächst erzeugte er dem Historismus verpflichtete Wiener Bronzewaren, fand bald zum floralen Jugendstil und schließlich zur reduzierten Formensprache der Wiener Werkstätte (WW). Seinen Söhnen Karl (1898–1956) und Franz (1906–1986) ermöglichte er eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule. Sie studierten unter anderem bei Josef Hoffmann; Franz Hagenauer kam zudem über ein WW-Praktikum in Kontakt mit Dagobert Peche. Deren Gestaltungsweisen wurden anfänglich von den Brüdern übernommen und später weiterentwickelt.

Die Produktpalette war groß und reichte von Korkenziehern und „Aschentötern“ über Schalen, Dosen, Vasen, Besteck, Kerzenleuchter und Lampen bis hin zur Ausstattung von öffentlichen Gebäuden mit Stiegengeländern, Türgriffen, Portalen oder Kunst am Bau. Um die Produktion von Möbeln in das Werkstattprogramm aufzunehmen, wurde der Architekt Julius Jirasek, ein Studienkollege Karl Hagenauers, als Mitarbeiter gewonnen. Franz Hagenauer verfolgte zudem konsequent seinen Weg als Bildhauer und schuf aus Metall getriebene Köpfe, Masken und Figuren, die hinsichtlich ihrer Reduktion und Abstraktion heute als bedeutende Beiträge zur Klassischen Moderne gelten.

Das Unternehmen erhielt nationale wie internationale Anerkennung und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auf der Biennale in Venedig und der Triennale in Mailand. Wie beliebt die Hagenauer-Produkte waren, zeigt sich auch in Exportergebnissen oder ihrer Verwendung als Filmrequisiten. So wurde etwa in "Grand Hotel" mit Greta Garbo in einer Hauptrolle (1932) eine Tischlampe prominent ins Bild gesetzt und im französischen Film "Arthur" (1931) ein ganzer Salon mit etlichen Gebrauchsgegenständen sowie einer lebensgroßen Skulptur ausgestattet. Die Skulpturen von Franz Hagenauer sprachen zudem illustre amerikanische Sammler*innen an, darunter Barbra Streisand, Frank Sinatra und Andy Warhol.

Die museale Rezeption erfolgte 1971 noch zu Lebzeiten von Franz Hagenauer mit einer großen Schau im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (heute MAK). 2011 bot eine Ausstellung in der Wiener Postsparkasse einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Familienunternehmens, und heuer widmete das Leopold Museum dem Bildhauer Franz Hagenauer eine Einzelpräsentation. Das MAK erweitert nun mit der Ausstellung "WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987" das Thema um das reichhaltige Archivmaterial und die daraus gewonnenen Erkenntnisse.

Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.

Pressekonferenz
Dienstag, 15.11.2022, 10 Uhr

Eröffnung
Dienstag, 15.11.2022, 19 Uhr
Eintritt frei ab 18 Uhr

Ausstellungsort
MAK, Wiener Werkstätte Raum
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

Ausstellungsdauer
16.11.2022–3.9.2023

Öffnungszeiten
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr

Kuratorinnen
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK Sammlung Metall und Wiener Werkstätte Archiv; Maria-Luise Jesch, MAK Sammlung Metall und Wiener Werkstätte Archiv

MAK Eintritt
€ 15, ermäßigt € 12, jeden Dienstag 18-21 Uhr: Eintritt € 7
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19

Rückfragen & Kontakt

MAK-Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
Sandra Hell-Ghignone, Ulrike Sedlmayr
T: +43 1 711 36-213, -212, -210
[email protected]
MAK.at

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