• 23.08.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Kommentar" Ausgabe vom 24. August 2022, von Karin Leitner:"Eine kuriose Strategie"

Innsbruck (OTS) - Viele Zuseher sind empört – wegen der Tonalität und
der inhaltlichen Festlegungen Herbert Kickls im ORF-Sommergespräch,
obwohl man dies wie das vom Oberfreiheitlichen kennt. Es sind Leute,
die noch nie mit der FPÖ konnten, weiterhin nicht können werden. Um
die geht es Kickl aber nicht. Er hat das (potenziell) blaue Publikum
fokussiert. Und bedient. Mit der seit Jörg Haider bekannten Opferpose
– auch die bösen Medienleute sind gegen uns –, mit der erneuten
Forderung, von den Sanktionen gegen Putin zu lassen, indem er den
Klimawandel kleinredet. Da macht er das, was er seit Beginn der
Pandemie tut: wissenschaftliche Fakten negieren. Das Extreme ist
Kickls Sache, inklusive „Alleinstellungsmerkmal“. Er wiegelt auf, er
spaltet. Unverantwortlich ist das, demokratiepolitisch gefährlich. Ob
dieser Strategie, die auch in der Partei nicht allen gefällt, ist
nachgerade kurios, dass Kickl meint, seine Truppe könnte Nummer 1 bei
der Wahl werden, hernach den Kanzler stellen. Mit seinen teils
jenseitigen Positionen erreicht er eine Kerngruppe, massentauglich
sind sie nicht. Abgesehen davon dürfte der FPÖ-Chef keinen
Koalitionspartner finden. Sich derart programmatisch zu verbiegen, um
mit ihm handelseins zu werden, könnte sich wohl selbst die ÖVP nicht
mehr politisch leisten. Noch dazu für einen, den sie unter Sebastian
Kurz aus dem Ministeramt geschmissen hat, der nach Rache dürstet.
Sofern Machterhalt nicht stärker ist als alles andere.

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