• 22.08.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Ausgabe vom 23. August 2022, von Alois Vahrner:"Teuerungswelle mit Trittbrettfahrern"

Innsbruck (OTS) - Die aktuell für die allermeisten so belastende
Teuerung ist in manchen Bereichen nicht allein durch höhere Kosten
erklärbar. Und zu einem Teil ist der massive Kostenschub in der EU
und Österreich auch hausgemacht.

Die Teuerungswelle rollt weiter und trifft alle, ganz besonders aber
Alleinerzieherinnen sowie Bezieherinnen und Bezieher kleiner
Einkommen und Pensionen. Vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs war die
auch durch die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB)
angeheizte Teuerung lange kleingeredet bzw. noch zum bald vergehenden
Kurzzeit-Effekt erklärt worden.
Wie man sich da doch leider getäuscht hat: Mit zuletzt schon 9,2
Prozent ist die Inflationsrate in Österreich so hoch wie seit
Jahrzehnten nicht mehr. Nach der Corona-Krise mit ihren Lockdowns und
Einschränkungen sind die Staaten in Sachen Teuerung sowie den außer
Rand und Band geratenen Energiemärkten weiter im absoluten
Krisenmodus. Nach den etwa 50 Mrd. Euro an Corona-Hilfen hat
Österreich bisher bereits Pakete von fast 33 Mrd. Euro zur Abfederung
der Teuerungs-Krise beschlossen bzw. auf den Weg gebracht. Viele
Menschen haben aber bisher trotzdem nicht das Gefühl, dass die
Teuerung so ausreichend abgefedert werden konnte.
Beim Fünf-Länder-Treffen der Finanzminister von Deutschland,
Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg betonte
Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), dass Österreich wie schon bei
Corona mit bislang 2,3 Prozent des BIP am meis­ten an
Anti-Teuerungs-Hilfen fixiert habe. Allerdings liegt Österreich im
Vergleich der fünf Länder aktuell auch an der Teuerungs-Spitze.
Deutschland hatte jüngst 7,9 Prozent, Luxemburg 6,7 Prozent,
hingegen die Nicht-Euro-Länder Schweiz und Liechtenstein „nur“ 3,4
bzw. 2,5 Prozent.
Das beweist klar, dass das Fluten der Märkte durch die EZB nicht nur
eine stille Enteignung der Sparer zugunsten hochverschuldeter Staaten
gebracht hat, sondern eine Schwächung des Euro und damit einen
zusätzlichen Inflations-Anheizer. Das allein schon, weil wegen des
schwachen Euro der Import vieler Waren, allen voran der Energie, noch
teurer wurde und wird.
Auch schon vor den jüngsten Krisen hatte Österreich seit Jahren etwa
in Vergleich mit Deutschland höhere Teuerungsraten – was auf
teilweise mangelnden Wettbewerb hindeutet, und das nicht nur in der
gestern von den Wettbewerbshütern erneut kritisierten
Mineralölbranche. Im Zuge der allgemeinen Teuerungswelle gibt es in
verschiedenen Branchen allem Anschein nach auch viele, die das
ihrerseits für kräftige Preiserhöhungen jenseits der
Kostensteigerungen etwa für Energie, Einkauf oder Personal nutzen.
All dies erhöht aktuell die Gefahr einer sich noch verstärkenden
Lohn-Preis-Spirale. Und eine solche hilft niemandem, sondern wäre
ganz im Gegenteil extrem schädlich.

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