- 05.08.2022, 10:23:39
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Getreidemarkt EU-27: EU-Weizenernte sinkt - EU-Weizenexporte legen zu
Weltweite Getreidelager schrumpfen weiter
Utl.: Weltweite Getreidelager schrumpfen weiter =
Wien (OTS) - "Für das heurige Jahr erwartet die Europäische
Kommission mit zirka 123,9 Mio. t eine deutlich geringere Weizenernte
als im Vorjahr (-4,8%). Obwohl die Anbaufläche geringfügig ausgedehnt
wurde (+0,5%), ließ die Trockenheit die Hektarerträge in den
wesentlichen Produktionsländern schrumpfen. Der teilweise Ausfall der
Ukraine am Weltmarkt führt zu einem Viertel (+24,1%) mehr
EU-Weizenexporte", informiert Christian Gessl, zuständiger
Abteilungsleiter der Agrarmarkt Austria (AMA). Neben der gesunkenen
Weizenernte werden EU-weit auch weniger Gerste (-1,0%), weniger
Roggen (-3,8%) und weniger Mais (-9,5%) geerntet.
Auf insgesamt 52,1 Mio. ha wurde heuer Getreide angebaut, wobei
Hartweizen (-4,3%) und Mais (-1,1%) Flächenrücknahmen verzeichneten,
während mehr Weichweizen (+0,5%) und Gerste (+3,9%) ausgesät wurden.
Innerhalb Europas verzeichnen alle bedeutenden Produktionsländer mit
Ausnahme Deutschlands Ernterückgänge - Frankreich (-9,1%), Rumänien
(-14,0%), Spanien (-17,0%), Italien (-11,3%) und Ungarn (-4,5%). Die
deutsche Getreideerntemenge wird voraussichtlich das Ausmaß des
Vorjahres erreichen.
EU-Versorgungslage - Höhere Exporte, schrumpfende
Lagerbestände
Trotz der niedriger (-5,2%) prognostizierten Getreideernte in Höhe
von 278,5 Mio. t erwartet die EU-Kommission durch den teilweisen
Ausfall der Ukraine am Weltmarkt steigende Exporte von 52,4 Mio. t
(+11,7%). Der gesamte Getreideverbrauch sinkt (-0,9%) geringfügig, da
weniger Getreide verfüttert (-1,3%) und industriell verarbeitet
(-1,3%) wird. Die Vermahlung ist auch EU-weit nach der
Corona-bedingten Nachfrageflaute im Plus (+0,7%). Die europäischen
Lagerendbestände 2022/2023 sinken um ein Fünftel (-19,8%) auf 39,6
Mio. t. Die EU-27 bleibt trotz Lagerendbestandsabbau eine
Überschussregion für Getreide.
EU-Ölsaatenproduktion mit leichten Zuwächsen
Die europäische Rapsernte von 18 Mio. t steigt geringfügig (+5,9%
zum Vorjahr). Die erwartete Erntemenge von Sonnenblumen liegt mit
10,5 Mio. t um +1,9% über 2021. Die Prognose für die Sojabohnenernte
beläuft sich auf +3,7%, jedoch beträgt der Anteil der Sojaernte von
2,8 Mio. t an der gesamten EU-Ölsaatenernte lediglich 8,9%. Insgesamt
wird die EU-Ölsaatenerntemenge auf 31,3 Mio. t geschätzt und liegt
somit geringfügig über dem Durchschnitt der letzten Jahre
Getreidemarkt weltweit
"Laut den aktuellsten Prognosen des internationalen Getreiderates
(IGC) kann die weltweite Getreideproduktion von 2,252 Mrd. t den
Verbrauch von 2,277 Mrd. t nicht decken, wodurch die Lagervorräte am
Ende der Vermarktungssaison auf das geringste Niveau seit 2014
sinken", berichtet Gessl. Sowohl bei Weizen als auch bei Mais liegt
die Produktion unter dem erwarteten Verbrauch. Daher schrumpfen die
Endbestände von Weizen (-3,5%) und Mais (-4,9%) gegenüber dem Vorjahr
auf das geringste Ausmaß seit Jahren.
Die Weizenernte verzeichnet Zuwächse in Russland (+13,6%), USA
(+7,1%) und Kanada (+49,7%), während die EU-27 (-4,3%), die Ukraine
(-41,2%) und Australien (-15,8 %) Rückgänge verzeichnen.
Verantwortlich für den Maisproduktionsrückgang sind kleinere Ernten
in den USA (-4%) und der Ukraine (-40,4%). Höhere Maisernten werden
in Brasilien (+6,5%) und Argentinien (+6,4%) erwartet.
Getreideverbrauch deutlich über Produktion
Mit geschätzten 2,277 Mrd. t liegt der Getreideverbrauch
geringfügig unter dem Vorjahr (-0,5%) und übersteigt um 25 Mio. t das
weltweite Angebot. Verbrauchsrückgänge gibt es in der Fütterung
(-1,5%), während mehr in der menschlichen Ernährung (+0,7%) und der
Industrie (+0,3%) verwendet werden.
Die weltweite Versorgungslage ist mit Lagerendbeständen in Höhe
von 25,6% ("stock-to-use"-Wert: Weizen 34,9 %, Mais 22,5%) des
weltweiten Verbrauchs mittelmäßig und liegt somit unter dem Niveau
der letzten Jahre. Allein bei Weizen liegen aktuell mehr als die
Hälfte der weltweiten Vorräte in China und stehen somit am Weltmarkt
nicht zur Verfügung.
Neuer Produktionsrekord für Sojabohnen und Raps
Die globale Ölsaatenproduktion erreicht laut USDA im heurigen Jahr
mit 643,1 Mio. t ein neues Rekordniveau mit massiven Steigerungen zum
Vorjahr (+7,1%). Sojabohnen (391,4 Mio. t) und Raps (80,2 Mio. t)
liegen auf einem neuen Rekordniveau. Die Sojabohnenproduktion wird in
den USA, in Brasilien und in Argentinien ausgeweitet. Diese drei
Länder umfassen zirka 80,0% der weltweiten Sojaproduktion. Die
weltweite Rapsernte erreicht ein Niveau in Höhe von 80,2 Mio. t
(+11,2%). Dieser Produktionszuwachs ist auf die deutliche
Ertragssteigerung gegenüber dem Vorjahr in Kanada zurückzuführen
(+42,9%).
Die Sonnenblumenernte (-12,2%) schrumpft nicht zuletzt aufgrund
des Produktionsausfalls in der Ukraine (-41,7%) sowie wegen
Ertragsminderungen in anderen wichtigen Anbauregionen (u. a. Russland
-4,2%). Demgegenüber kann in der EU-27 ein positives Ergebnis erzielt
werden (+1,9%).
Weltweiter Handel - USA und China dominieren weiterhin den
Markt
Beim weltweiten Getreidehandel bleiben die USA weltweit führendes
Exportland, 2022/2023 werden rund 430 Mio. t Getreide gehandelt,
davon decken die USA ein Fünftel der Gesamtausfuhren ab. Importseitig
beeinflusst China als weltweit größter Verbraucher weiterhin den
internationalen Handel. Der Anteil Chinas an der weltweit gehandelten
Ware beläuft sich bei Getreide auf 11%, bei Ölsaaten auf 52%.
Unabhängig von der Ukraine-Krise dominieren die EU-27 sowie Russland
den Weizenexportmarkt, mit einem Marktanteil von jeweils 20%.
Preisnotierungen deutlich gestiegen
Der Durchschnittskurs der Euronext in Paris von 2016 bis 2020
betrug 177,50 Euro/t. Im Jahr 2021 stieg dieser auf durchschnittlich
239 Euro/t, unter anderem durch Spätfolgen von Corona auf die
Lieferketten und kleinere Ernten. Dieses Niveau wurde nun durch den
Krieg weiter angehoben. Die Weizenkurse an der Euronext in Paris
liegen aktuell (Schlusskurs 3. August 2022) mit 339 Euro/t deutlich
(+51%) über dem Vorjahreszeitpunkt. Dennoch verlor der Weizenkurs vom
Preishöhepunkt seit Kriegsausbruch (438 Euro/t KW20/2022) -23%, da
die bessere US-Weizenernte sowie der Exportkorridor für ukrainisches
Getreide über das Schwarze Meer preisdrückend wirkten. Die Maiskurse
liegen aktuell in Paris mit 340 Euro/t über dem Vorjahresniveau
(+62%). Der Maiskurs in Paris 2016 bis 2020 betrug 167,30 Euro/t,
2021 lag er bei 232,20 Euro/t. Der aktuelle Kurs liegt nur um -9%
unter dem Preishöhepunkt seit Kriegsausbruch (373,50 Euro/t
KW20/2022). (Schluss)
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