• 26.07.2022, 22:00:17
  • /
  • OTS0111

TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 27. April 2022 von Anita Heubacher "Mit Maske ins Wirtshaus"

Innsbruck (OTS) - Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass
Gesundheitsminister Johannes Rauch und die in dem Punkt geeinte
Bundesregierung den Corona-Krisenmodus verlassen wollen. Zu wünschen
ist, dass man dieser Linie treu bleibt.

Es ist der wievielte Anlauf seitens der Bundesregierung, die Pandemie
beenden zu wollen? Man hat aufgehört zu zählen. Nur dieses Mal haben
wir eine veritable Chance, falls das Virus nicht gefährlicher wird,
und das gilt als sehr unwahrscheinlich, mit dem Schutz von
vulnerablen Gruppen und hoffentlich nachvollziehbaren Maßnahmen durch
den Herbst und den Winter zu kommen. Die Bundesregierung hat
einheitlich beschlossen, aus dem Corona-Krisenmodus herauskommen zu
wollen. Türkis und Grün sind sich einig (sic!). Auch das ist
bemerkenswert, denkt man an Rauchs Vorgänger und an die damaligen
Bundeskanzler, die meist das Gegenteil von dem machten, was der
Koalitionspartner sagte. Türkis-Grün mit neuen Köpfen hat das Aus für
die Quarantäne beschlossen. Das ist ein politisch und
wissenschaftlich umstrittener Schritt, aber es ist eine konsequente
Entscheidung. Denn offenbar setzt die Bundesregierung seit Längerem
auf die Durchseuchung der Bevölkerung. Sie hat Maßnahmen gelockert,
als die Zahlen stiegen. Ist die Durchseuchung nicht mehr aufzuhalten,
weil das Virus zu ansteckend ist und die Behörden überfordert sind,
könnte sie Methode sein, das Ende der Pandemie herbeizuführen. Das
ist eine Strategie, die andere Länder erfolgreich umgesetzt haben,
ohne dass deren Gesundheits­systeme kollabiert wären. Nur sagen und
offen kommunizieren sollte die Bundesregierung das noch.
So viel Wahrheit ist den ÖsterreicherInnen offenbar nicht zumutbar.
Daher wird die Quarantäne zwar abgeschafft, aber der Schritt mit
allerlei Beiwerk versehen. Positiv Getestete können in Österreich im
Gasthaus sitzen, essen und trinken dürfen sie dort zwar nichts, aber
dafür mit anderen am selben Tisch plaudern. Um nur einen der Punkte
zu zitieren, die Kopfschütteln verursachen. Die Verordnung ist wieder
Sinnbild eines überverwalteten Staates.
Wenn Österreich aus dem Krisenmodus herauskommen soll, wäre es
wichtig, dass die Regierung ihrer Entscheidung treu bleibt. Das hieße
dann wohl auch, dass das massenhafte Testen von Gesunden der
Vergangenheit angehört, man sich tatsächlich auf die Risikogruppen
konzentriert und auf die ExpertInnen hört, deren Linie durch den
Verlauf der Pandemie bestätigt wurde, die am Patienten stehen und
sehen, was das Virus an Krankheiten auslöst.
Türkis-Grün tut gut daran, den eingeschlagenen Weg konsequent zu
verfolgen, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Denn viele
Österreicher haben bereits ihren Weg gefunden, mit der Pandemie
umzugehen: Wenn sie positiv sind, melden sie es nicht und kurieren
sich aus.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel