- 21.06.2022, 22:00:02
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Leitartikel "Wider die atomare Gefahr" vom 22. Juni 2022 von Floo Weißmann
Innsbruck (OTS) - Nukleare Abschreckung ist wieder im Kommen. Der
Atomwaffenverbotsvertrag, an dem Österreich wesentlich mitgewirkt
hat, zeigt zumindest eine langfristige Alternative auf.
Von Floo Weißmann
Als die Vereinigten Staaten über der japanischen Stadt Hiroshima eine
Atombombe zündeten, kamen bis zu 80.000 Menschen sofort ums Leben.
Der Blitz der Explosion brannte ihre Schatten in Wände. Dann
zerfetzten Hitze und Druckwelle ihre Körper. Dabei war die
Hiroshima-Bombe im Vergleich mit später entwickelten Atomwaffen eine
kleine. An dieses Grauen muss auch fast 80 Jahre später immer
erinnert werden, wenn es um Atombomben geht.
Bereits im Kalten Krieg hatten sich die Nuklearmächte im
Atomwaffensperrvertrag dem Ziel einer vollständigen Abrüstung
verpflichtet. Doch die internationale Entwicklung läuft heute in die
Gegenrichtung. In den vergangenen Jahren ist das
Rüstungskontrollsystem weitgehend kollabiert, begleitet von
Prahlereien des irrlichternden US-Präsidenten Donald Trump.
Misstrauen hat sich breitgemacht in einer Welt, die komplizierter
geworden ist und neue Ansprüche und Konflikte gebiert. Die Atommächte
haben begonnen, ihre Arsenale auszubauen oder zu modernisieren. Das
geschah zunächst unterhalb des Radars der breiten Öffentlichkeit.
Doch spätestens seit Russlands Invasion in der Ukraine erreicht die
nukleare Gefahr – die nie wirklich weg war – auch wieder das
Angstzentrum vieler Normalbürger.
Kremlchef Wladimir Putin hat allen, die sich russischen Interessen
widersetzen, mehr oder weniger offen mit Atomschlägen gedroht.
Zugleich reduziert die Gefahr einer nuklearen Eskalation die
Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer direkten militärischen
Konfrontation zwischen Russland und der NATO kommt. Daraus ziehen nun
beide Seiten wieder die Lehre, dass sie ihre atomare Abschreckung
ausbauen müssen. In Ostasien, im Nahen Osten und anderswo könnten
Regionalmächte, die über die notwendigen Ressourcen verfügen,
ebenfalls auf so etwas wie nukleare Immunisierung setzen.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Apokalypse naht. Aber die
Welt hat einen gefährlichen Kurs genommen, und es braucht dringend
politische Initiativen, die gegensteuern. Der
Atomwaffenverbotsvertrag, an dem Österreich wesentlich mitgewirkt
hat, ist so eine Initiative. Sie kann auch als Aufstand der vielen
kleineren Staaten gegen das sicherheitspolitische Hasardspiel der
wenigen Großen verstanden werden.
Der Vertrag wird zwar die aktuelle Rüstungsdynamik kaum beeinflussen.
Aber er bietet eine langfristige Alternative. Solange es Atomwaffen
gibt, besteht die Möglichkeit, dass es zu einem weiteren Hiroshima
kommt. Die Szenarien reichen bis zu einem Atomkrieg, der den Planeten
in einen nuklearen Winter taucht. Die einzige logische Antwort darauf
ist, Atomwaffen abzuschaffen.
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