- 25.05.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG AM FEIERTAG "Leitartikel" Ausgabe vom 26. Mai 2022, von Floo Weißmann: "Amerikas Kultur der Gewalt"
Waffenlobbyisten und ihre politischen Marionetten verhindern bisher, dass es zu nachhaltigen Reformen kommt.
Utl.: Waffenlobbyisten und ihre politischen Marionetten verhindern
bisher, dass es zu nachhaltigen Reformen kommt. =
Innsbruck (OTS) - Nach dem Schulmassaker in Texas beginnt in den USA
nun wieder ein allzu bekannter Zyklus. Fassungslosigkeit, Trauer und
Wut erfassen die Öffentlichkeit. Politiker der Demokraten, Angehörige
der Opfer und Aktivisten fordern strengere Waffengesetze und
gesellschaftliche Reformen, die die Gewalt eindämmen sollen. Sie
wissen eine Mehrheit der Amerikaner hinter sich. Waffenlobbyisten und
Republikaner streuen Sand in die Debatte, unterstützt von
konservativen Richtern und einer radikalen Minderheit. Die neuen
Initiativen versickern bis zum nächsten Massaker.
Die USA haben ein tief sitzendes Problem mit der Verfügbarkeit und
Verbreitung von Schusswaffen, kombiniert mit einer Kultur der Gewalt.
Spektakuläre Bluttaten bilden nur die öffentlichkeitswirksame Spitze
des Eisbergs. Wachsende soziale Ungleichheit und politische
Polarisierung sowie die Verwerfungen durch die Pandemie haben die
Gewaltbereitschaft zuletzt noch erhöht. Schon Grundschulkinder müssen
regelmäßig „Active Shooter“-Übungen absolvieren – ein bizarres
Alleinstellungsmerkmal unter Industrieländern.
Waffenlobbyisten und ihre politischen Marionetten arbeiten
unbeirrt daran, die Waffe als Fetisch zu etablieren: für Männlichkeit
und Selbstbestimmung; für Sicherheit, obwohl die Zahlen das Gegenteil
belegen; und in rechten Kreisen auch für Widerstand gegen eine
liberale Regierung, die angeblich die wahren Patrioten unterjochen
will.
Richtig ist, dass strengere Waffengesetze alleine das Problem
nicht lösen – sofern sie nicht ohnehin am konservativen Supreme Court
scheitern. Mehr Sicherheit und Geborgenheit in Amerika ist ein
Projekt für Generationen. Es wäre wichtig, endlich damit anzufangen.
Doch die politische Konjunktur spricht nicht dafür, dass der Zyklus
aus Fassungslosigkeit und Resignation diesmal anders verläuft.
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