• 23.05.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Ausgabe vom 24. Mai 2022, von Alex Gruber: "Emotionen stehen über Millionen"

Innsbruck (OTS) - Die Titelentscheidungen in Europas Top-Ligen und
das Europa-League-Finale haben die Strahlkraft von König Fußball
erneut untermauert. Die Kehrseite der Medaille liegt in
astronomischen Summen, die nicht mehr zu ertragen sind.

König Fußball ist und bleibt Opium für das Volk, das im ausgelassenen
Jubel über Kicker-Helden Alltagssorgen vergessen lässt. Das Mitleiden
von Heerscharen von Fans wurde beim Europa-League-Finale zwischen
Eintracht Frankfurt und den Glasgow Rangers in der vergangenen Woche
in Sevilla am deutlichsten sichtbar. Der Support war im Stadion und
in der spanischen Metropole grenzenlos. Und auch die
Arbeiter-Mentalität, die die beiden Klubs umgibt, war auf
sympathische Art und Weise spürbar. Es war ein Finale, das in dieser
Konstellation unter zwei Außenseitern im internationalen Vergleich
zukünftig wohl Seltenheitswert genießt.
Das Drama nahm am Sonntag mit den Meisterschaftsentscheidungen in
der englischen Premier League und italienischen Serie A bei den
Kopf-an-Kopf-Duellen zwischen Manchester City und dem FC Liverpool
bzw. dem AC Milan und Stadtrivale Inter seinen Lauf. Nach weiteren
Platzstürmen fanden gestern in den Städten wieder rauschende
Titelpartys statt. Innerhalb der Landesgrenzen und im Kleinen
gedacht, wurde auch der Klassenerhalt Altachs in letzter Sekunde im
Ländle überschäumend gefeiert. Und was gibt es Schöneres als
Menschen, die sich in kollektiver Glückseligkeit in den Armen liegen?
Um nicht darauf zu vergessen, dass mit dem nötigen Sportsgeist der
Respekt bitte auch den „Verlierern“ geschuldet sei.
So weit, so gut. Es schadet an der (obersten) Spitze nicht, dieses
kapitalistische System zu hinterfragen. Der vierte Liga-Triumph von
Manchester City in den letzten fünf Jahren baut auf dem Vermögen der
Scheich-Familie von Mansour bin Zayed Al Nahyan (Abu Dhabi) auf. Ein
110-Millionen-Transfer wie Jack Grealish schmollte bei einem
Kadergesamtwert knapp unter einer Milliarde oftmals auf der Bank,
Starcoach Pep Guardiola streift wegen seiner Genialität gut 20
Millionen Euro pro Saison ein – zu viel. Einige Stars werden ihn
hinter sich lassen. Wer seine Liebe zum FC Liverpool pflegt, sollte
nicht darauf vergessen, dass die „Reds“ (Kaderwert 900 Mio. €) unter
Klopp in ähnlichen Sphären schweben. Beide Klubs sind im „Ferrari“
unterwegs.
Die Vertragsverlängerung von Weltmeis­ter Kylian Mbappé bei Paris
SG bis 2025 für ein kolportiertes Handgeld von 300 Mio. € und 100
Mio. als Jahresgehalt setzen dem Wahnsinn die Krone auf. Gegen den
katarischen PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi kamen selbst die Granden
von Champions-League-Rekordsieger Real Madrid nicht an. Genug! Hier
muss von den Rängen jeder Beifall verstummen. Der Stallgeruch im
Tiroler Unterhaus schmeckt bisweilen besser.

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