• 21.05.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Es trifft nicht alle gleich hart", von Liane Pircher

Ausgabe vom Sonntag, 22. Mai 2022

Utl.: Ausgabe vom Sonntag, 22. Mai 2022 =

Innsbruck (OTS) - Bereits vor der Pandemie war die Halbierung der
Zahl armutsgefährdeter Menschen das Ziel der Regierung. Und jetzt?

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) kündigt ein
weiteres Entlastungspaket an und richtet den Österreichern aus, dass
wir aufgrund der importierten Inflation alle ärmer werden. So weit
der aktuelle Stand. Ersteres lässt hoffen, Zweiteres überrascht nicht
wirklich, schließlich hat man aus Deutschland solche Sätze bereits
von dem dortigen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gehört.
Wenn man aber schon beim Stichwort „ärmer werden“ ankommt, sollte man
offen darüber reden, dass dies nicht für alle Bürger dasselbe heißt.
Während es für die einen bedeutet, im Supermarkt nicht mehr zum
preishöheren Bio- oder Premium-Produkt greifen zu können, heißt es
für andere, erstmals im Leben den Weg zum Sozialmarkt nehmen zu
müssen, weil jegliche Lebensmittel im „normalen“ Supermarkt
unleistbar werden. In diesem Zusammenhang sollte man die
Bundesregierung daran erinnern, dass sie sich in ihrem Abkommen die
Halbierung der Zahl armutsgefährdeter Menschen in Öster­reich zum
Ziel gesetzt hat – in dieser Legislaturperiode. Das war vor der
Pandemie und dem Ukraine-Krieg.
Bereits ohne Krisen waren laut Statistik Austria 2019 rund
1,472.000 Menschen in Österreich armutsgefährdet, 200.000 „erheblich
materiell depriviert“, also arm. Davon betroffen: jedes vierte Kind.
Und jetzt? Laut Wifo kann das untere Drittel der Haushalte laufende
Ausgaben trotz Einkommen nicht abdecken und muss auf Erspartes
zurückgreifen. Die Reallöhne sinken. Heißt: Auch wer arbeitet, kann
armutsgefährdet sein, vor allem Alleinerzieher oder Eltern mit
mehreren Kindern. Die Preissteigerungen bei Wohnen und Essen sind zu
dramatisch, der Verlust an Kaufkraft für die breite Masse ist zu
hoch. Es muss mehr getan werden, damit aus der Teuerungswelle keine
Armutswelle wird.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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