• 09.04.2022, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 10. April 2022. Von LIANE PIRCHER. "Warum der Papst nach Kiew sollte".

Innsbruck (OTS) - Viele EU-Politiker reisen in die Ukraine. Als
Zeichen des Beistands für das angegriffene Land. Papst Franziskus
wägt noch ab.

Als Zeichen der Unterstützung reisen EU-Politiker in die Ukraine –
darunter auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Unabhängig von
dieser Geste scheint niemand in der Lage zu sein, die russische
Aggression zu stoppen. Seit einer Woche überlegt auch Papst
Franziskus, nach Kiew zu reisen. Die Klitschkos und Präsident
Selenskyj haben ihn eingeladen. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit,
dass der Papst mit seinem symbolträchtigen Papa-Mobil in Kiew
einfährt und dort eine Messe hält. Am besten fordert er vorher noch
die religiösen Führer anderer Weltregionen auf, ihm zu folgen. Bis
dato waren all seine Versuche, Frieden zu stiften, eher eine
Friedensdiplomatie der Verzweiflung. Er hat die ukrainische Fahne
öffentlich geküsst, den Krieg verurteilt und mit Kyrill I., dem
Patriarchen an Putins Seite, gesprochen. Alles ohne Ergebnis.
Beten, ja, aber die konkrete physische Präsenz Franziskus’ in dem
Kriegsgebiet wäre ein ganz anderes, ein starkes Zeichen. Für die
Ukraine. Für die Menschlichkeit. Für den Frieden. Wer, wenn nicht der
Heilige Vater, wäre hier der Richtige? Doppelt dafür sprechen würde,
dass der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. nach wie vor
Putins Waffengewalt religiös beisteht. Darüber sind viele Kirchen –
auch aus der Orthodoxie – weltweit fassungslos. Gleichzeitig sagte
der katholische Bischof von Odessa in Zeitungsinterviews, dass es
zwischen Kyrill I. und Putin keinen Unterschied gebe. Papst
Franziskus’ Reise wäre auch deshalb gut, weil er damit das Gegenteil
zum einstigen Schweigen von Papst Pius XII. in der Nazizeit tun
würde. Franziskus wäre eine Reise nach Kiew zuzutrauen. Schließlich
hat er auch eine riskante Reise in das von Terror bedrohte Mossul im
Nahen Osten gewagt. Er sollte mit seinem Beistand nicht länger
zögern. Er wäre ein Gast des Friedens – ganz im Sinne seiner
Berufung.

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