• 30.03.2022, 11:03:07
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  • OTS0097

COVID-19-Pandemie bestimmte Geschäftsentwicklung der OeNB auch 2021 – Wirtschaftsaufschwung von Inflation und Krieg in Ukraine überschattet

Nationalbank präsentiert ihren Jahresabschluss und Geschäftsbericht für 2021

Utl.: Nationalbank präsentiert ihren Jahresabschluss und
Geschäftsbericht für 2021 =

Wien (OTS) - „Die COVID-19-Pandemie hat auch im abgelaufenen Jahr
2021 das gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschehen in
Österreich bestimmt. Die Verfügbarkeit von Impfstoffen und anhaltend
expansive staatliche und geldpolitische Maßnahmen stützten in dieser
Situation den wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 2021 ist die
österreichische Wirtschaft mit 4,5 % kräftig gewachsen und die
ursprünglichen Prognosen für 2022 standen unter positiven Vorzeichen.
Diese Erwartungshaltung musste allerdings aufgrund der am 24. Februar
2022 erfolgten Invasion in der Ukraine durch die Russische Föderation
revidiert werden. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist durch
diesen Krieg und seine Folgen wesentlich beeinflusst und markiert
einen Wendepunkt“, sagte Robert Holzmann, Gouverneur der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), heute anlässlich der
Präsentation des Jahresabschlusses und des Geschäftsberichts 2021 der
OeNB.

„Die OeNB bekundet dem ukrainischen Volk ihre volle Unterstützung“,
so Gouverneur Holzmann. Österreich hat seine hohe Hilfsbereitschaft
einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch die OeNB und
ihre Mitarbeitenden haben durch Spenden für heimische
Hilfsorganisationen Unterstützung geleistet. Ferner wird die OeNB im
Rahmen ihrer Möglichkeiten spezielle wissenschaftliche und kulturelle
Unterstützung in Kooperation mit österreichischen
Bildungseinrichtungen für ukrainische Studierende und Lehrpersonal
anbieten. Darüber hinaus beteiligt sich die OeNB als Teil des
Eurosystems an jeglichen Maßnahmen, die vom EZB-Rat ergriffen werden,
um komfortable Liquiditätsbedingungen zu gewährleisten, die
beschlossenen Sanktionen umzusetzen sowie das Preisstabilitätsmandat
zu erfüllen und die Finanzstabilität zu gewährleisten.

Krieg in der Ukraine bremst BIP-Wachstum und führt zu
Inflationsanstieg

Die negativen Auswirkungen des Krieges werden, wie das aktuelle
Interimsupdate der OeNB-Prognose vom März 2022 zeigt, das
österreichische Wirtschaftswachstum dämpfen und gleichzeitig die am
Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflation
erhöhen. Österreichs reales BIP wird unter der Annahme eines
zeitnahen Endes der kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 2022
um 3,5 % wachsen, und die Inflationsrate wird bei 5,3 % liegen. Dies
bedeutet ein um 0,8 Prozentpunkte schwächeres BIP-Wachstum und eine
um 2,1 Prozentpunkte höhere Inflation als noch im Dezember 2021
angenommen. Dabei ist die BIP-Abwärtsrevision ungefähr zur Hälfte und
die Inflationsaufwärtsrevision zu einem Viertel auf die Auswirkungen
des Krieges in der Ukraine zurückzuführen. Für die Jahre 2023 und
2024 wird ein geringeres BIP-Wachstum von 2,2 % bzw. 2,0 % erwartet,
während die Inflationsrate auf 2,9 % bzw. 2,3 % zurückgehen sollte.
Bei der Berechnung von Alternativszenarien, die von einer längeren
Kriegsdauer sowie einer Intensivierung des Konflikts und der
Sanktionen ausgehen und auch den Ausfall von russischen
Gaslieferungen inkludieren, wären deutlich stärkere BIP- und
Inflationseffekte zu erwarten.

Österreichischer Bankensektor resilient, jedoch wachsende
Herausforderungen

„Die vorausschauenden aufsichtlichen mikro- und makroprudenziellen
Maßnahmen seit 2008 sowie die Bemühungen der Banken, ihr
Geschäftsmodell nachhaltiger zu gestalten, haben die
Finanzmarktstabilität in Österreich gestärkt“, attestiert
Vize-Gouverneur Gottfried Haber. Dadurch konnte der Bankensektor
während des bisherigen Pandemieverlaufs eine stabile und zentrale
Rolle zur Aufrechterhaltung der Liquidität des österreichischen
Unternehmenssektors gewährleisten. So hat sich etwa die
Kapitalausstattung der Banken seit damals auf knapp 16 Prozent
verdoppelt, und auch die Liquiditätsausstattung ist hoch. Die in der
CESEE-Region (Zentral-, Süd- und Südosteuropa) engagierten
österreichischen Banken sind regional diversifiziert, haben die
Abhängigkeit ihrer Töchter abgebaut und vorrangig mittels lokaler
Refinanzierung Risiken reduziert.

Die durch die russische Invasion in die Ukraine schlagend gewordenen
Risiken stellen aus derzeitiger Sicht keine Gefährdung für die
Finanzmarktstabilität dar.

Des Weiteren verweist Vize-Gouverneur Haber auf den von der OeNB
erstmals durchgeführten nationalen Klimastresstest für den
Bankensektor, mit dem die OeNB eine Vorreiterposition im
internationalen Feld einnimmt. Dieser zeige, dass die
Transitionsrisiken, insbesondere aus einer CO2-Bepreisung, für
Österreichs Banken beherrschbar sind.

Die OeNB hat auf Basis der Empfehlungen internationaler Institutionen
erfolgreich an der Umsetzung von rechtlich-bindenden
kreditnehmerbezogenen Maßnahmen mitgearbeitet, um Risiken aus der
Wohnimmobilienfinanzierung in Österreich zu mitigieren.

Im Jahr 2021 hat die OeNB – als größter österreichischer Anbieter
öffentlicher Finanzstatistiken – die Entwicklung einer neuen
Datenstrategie eingeleitet, deren Ziel es ist, das reichhaltige und
rasch wachsende Angebot an Daten den Userinnen und Usern zur
Verfügung zu stellen. Zudem wurde das außenwirtschaftliche Meldewesen
der OeNB modernisiert und ein Projekt des Europäischen Systems der
Zentralbanken (ESZB) gestartet, das durch Schaffung effizienterer
Meldeprozesse nach österreichischem Vorbild die Geschäftsbanken
zukünftig entlasten soll.

Geldpolitik mit neuen strategischen Weichenstellungen

„Das Eurosystem reagierte auf den Anstieg der Inflation im Jahr 2021
mit einem Beschluss über das plangemäße Auslaufen des
Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase
Programme – PEPP) mit März 2022. Das erweiterte Programm zum Ankauf
von Finanztiteln (Expanded Asset Purchase Programme – APP) wird bis
Juni 2022 schrittweise reduziert. „Abgesehen davon stand das Jahr
2021 insbesondere unter dem Zeichen entscheidender strategischer
Weichenstellungen. So wurde die erste neue geldpolitische Strategie
der EZB seit 18 Jahren mit einem symmetrischen Inflationsziel von
mittelfristig 2 % beschlossen“, so OeNB-Gouverneur und
EZB-Ratsmitglied Holzmann weiter. In der Arbeitsgruppe zur
Produktivität führte die OeNB gemeinsam mit der EZB den Vorsitz. Die
neue geldpolitische Strategie der EZB berücksichtigt auch den
Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Preisstabilität.

Klimawandel stellt globale Herausforderung dar

Der Klimawandel, der dadurch ausgelöste globale Temperaturanstieg und
die Zunahme von extremen Wetterereignissen sowie die Umstellung auf
nachhaltigeres Wirtschaften beeinflussen die Preisstabilität, da sie
Effekte auf makroökonomische Größen wie Preise, Produktion, Zinsen,
Finanzstabilität sowie auf die geldpolitische Transmission haben. Das
Eurosystem will seine analytischen Kapazitäten im Hinblick auf den
Klimawandel ausbauen und klimaspezifische Effekte stärker in
makroökonomischen Modellen, bei statistischen Erhebungen und im
geldpolitischen Instrumentarium berücksichtigen. „Der Klimawandel
stellt eine globale Herausforderung dar und wird von der OeNB im
Rahmen der vom Eurosystem initiierten Maßnahmen sehr ernst genommen.
Die OeNB veranstaltete im vergangenen Jahr eine international
hochrangig besetzte Konferenz zum Thema Klimawandel und konnte mit
Lord Nicholas Stern einen der weltweit führenden Experten zu diesem
Thema gewinnen“, so Gouverneur Holzmann.

OeNB-Direktor Thomas Steiner ergänzte, „dass im Rahmen des
Risikomanagements bereits seit vielen Jahren auch spezifische
Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. Weiters trug die
Veranlagungsstrategie der OeNB den Entwicklungen auf den
Finanzmärkten im Jahr 2021 Rechnung und war durch eine umfassende
Neuausrichtung gekennzeichnet.“

Geschäftliches Ergebnis der OeNB beläuft sich auf 94 Mio EUR

„Die vom EZB-Rat in Reaktion auf die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020
beschlossenen und im Jahr 2021 fortgeführten Maßnahmen im Bereich der
Geldpolitik haben sich in der Bilanz und im geschäftlichen Ergebnis
der OeNB auch im Geschäftsjahr 2021 deutlich ausgewirkt“, führte
Direktor Steiner anhand von Details zur Bilanz und Gewinn- und
Verlust-Rechnung aus.

Mit 275 Mrd EUR erreichte die Bilanzsumme erneut einen historischen
Höchststand – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um rund 46 Mrd EUR
bzw. 20 %. Auf der Aktivseite haben weiterhin vor allem die gezielten
längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Targeted longer-term
refinancing operations – TLTRO III) sowie die geldpolitischen
Wertpapier-Ankaufsprogramme zum Wachstum der Bilanzsumme beigetragen.
Die geldpolitischen Operationen machten zum Jahresultimo 2021 mit
insgesamt 195 Mrd EUR bereits 71 % der Bilanzsumme aus. Auf der
Passivseite kam es zu einer Erhöhung der Einlagen auf Girokonten von
mindestreservepflichtigen Kreditinstituten auf 112 Mrd EUR (im
Vergleich zu 101 Mrd EUR im Vorjahr).

Mit 90 Mio EUR zeigte das Nettozinsergebnis einen starken Rückgang um
284 Mio EUR (2020: 374 Mio EUR). Aus den gezielten längerfristigen
Refinanzierungsgeschäften – vor allem aus den TLTRO III –
resultierten sehr hohe Zinsaufwendungen in Höhe von 798 Mio EUR. Im
Vorjahr waren diese mit 370 Mio EUR noch deutlich geringer. Im
Gegensatz dazu leisteten einerseits die Einlagen auf Girokonten von
mindestreservepflichtigen Kreditinstituten durch die
Negativverzinsung des Überschusses der Mindestreserve sowie
andererseits die Einlagefazilität mit 500 Mio EUR Zinserträgen einen
positiven Beitrag zum Nettozinsergebnis (2020: 217 Mio EUR).

Das Nettoergebnis aus Finanzoperationen, Abschreibungen und
Risikovorsorgen belief sich im Geschäftsjahr 2021 auf –47 Mio EUR und
verbesserte sich somit im Vergleich zum Vorjahr deutlich (2020: –337
Mio EUR). Durch die Anpassung der Veranlagungsbestände an eine neue
Veranlagungsstruktur konnten hohe realisierte Gewinne aus
Finanzoperationen erzielt werden. Zudem war der Abschreibungsbedarf
auf Fremdwährungen mit 42 Mio EUR deutlich geringer als im Vorjahr
(2020: 297 Mio EUR). Zur Stärkung der Risikovorsorgen wurden der
Risikorückstellung 220 Mio EUR zugewiesen.

„Aufgrund zusätzlicher positiver Einflussfaktoren, vor allem des
hohen Nettoergebnisses aus monetären Einkünften, welches aus der
Umverteilung im Eurosystem resultiert“, so Direktor Steiner, „ist das
geschäftliche Ergebnis 2021 auf 94 Mio EUR gestiegen. Dies schlägt
auch bis zum 90-prozentigen Gewinnanteil des Bundes durch, welcher
sich auf 57 Mio EUR beläuft. Zusätzlich werden 24 Mio EUR
Körperschaftsteuer an den Bund abgeführt.“

Bargeld ist unverändert beliebtestes Zahlungsmittel

Die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit Bargeld erfüllt
die OeNB zuverlässig. Auch in der Pandemie war dies zu jedem
Zeitpunkt gewährleistet. „Österreich“, so OeNB-Direktor Eduard
Schock, „ist und bleibt ein Bargeld-Land. Zwar haben die unbaren
Zahlungsvorgänge in den beiden Jahren der Pandemie wie erwartet
spürbar zugenommen, aber mit großem Abstand bleibt Bargeld das
beliebteste Zahlungsmittel. Und obwohl ein Großteil der Bevölkerung
über Bezahlkarten verfügt, wollen über 90 % keinesfalls auf das
Bargeld verzichten.“ „Bargeld“, so Direktor Schock weiter, „ist
fälschungssicher, steht auch in Krisen und Blackouts zur Verfügung,
schützt bei Verwendung die Privatsphäre und ist das einzige
vollkommen inklusive Zahlungsmittel. Kurz: die Österreicherinnen und
Österreicher haben gute Gründe, warum für sie das Bargeld nach wie
vor die Nummer Eins beim Bezahlen ist“.

Die OeNB nimmt neben der Erfüllung ihrer Kernaufgaben auch ihre
gesellschaftliche Verantwortung wahr und fördert Forschung,
Wirtschaft, Kunst und Kultur. Im Jahr 2021 ist die bisherige
Basisfinanzierung für österreichische Wirtschaftsforschungsinstitute
durch ein neues transparentes System reformiert worden.

Am Ende der Pressekonferenz dankte Gouverneur Holzmann, auch im Namen
des Generalrats und des Direktoriums, allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Die Pressekonferenz wird als Livestream auf der OeNB-Website
übertragen:
https://www.oenb.at/Presse/livestream.html

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ONB

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