• 28.03.2022, 10:00:02
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  • OTS0031

Historisch tiefes Zinsniveau fördert Nachfrage nach Investmentfonds im Jahr 2021

Aktuelle Zahlen der OeNB zeigen einen Fokus auf nachhaltige Investitionen bei privaten Haushalten

Utl.: Aktuelle Zahlen der OeNB zeigen einen Fokus auf nachhaltige
Investitionen bei privaten Haushalten =

Wien (OTS) - Aktuelle Zahlen aus Finanzstatistiken der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigen bei privaten Haushalten
einen deutlichen Fokus auf nachhaltige Investitionen. Angesichts der
aktuell hohen Inflation erreichten die bereits seit 2009 durchgehend
negativen Realzinssätze für Einlagen im Februar 2022 den niedrigsten
Wert seit der Ölpreiskrise in den 1970er-Jahren. Trotz stark
negativer Realzinssätze wuchsen die Bankeinlagen privater Haushalte
weiter an. Gleichzeitig stiegen die Nettoinvestitionen in
Investmentfonds aufgrund ihrer höheren Renditechance, wobei private
Haushalte vor allem in nachhaltige Investmentzertifikate
investierten.

Die Realzinssätze von Einlagen privater Haushalte befanden sich in
Österreich, insbesondere aufgrund des geringen Zinsniveaus, seit
längerem im negativen Bereich. Die am aktuellen Rand stark steigende
Inflationsrate – hervorgerufen durch beträchtlich anziehende
Energiepreise – führte zu einem weiteren Abfall der Realzinssätze.
Gemessen an den täglich fälligen Spareinlagen, für die der nominelle
Zinssatz im Februar 2022 0,07 % betrug, ging die negative
Realverzinsung auf –5,8 % und somit auf den höchsten Negativwert seit
der ersten Ölpreiskrise (am Höhepunkt –6,2 % im April 1974) zurück.
Der seit Ende Februar 2022 andauernde Krieg in der Ukraine hat
seither zu zusätzlichen Steigerungen bei den Energiepreisen geführt
und wird sich voraussichtlich auch auf die Inflationsrate bzw. weiter
sinkende Realzinssätze auswirken.

Die Nominalzinssätze lagen bei neu abgeschlossenen Spareinlagen
selbst bei Kapitalbindung lediglich bei 0,21 %. Während in Österreich
Negativzinsen bei Spareinlagen aufgrund eines OGH-Urteils nicht
möglich sind, waren im Jahr 2021 erstmals negative Aggregatszinssätze
bei täglich fälligen Einlagen privater Haushalte in einzelnen Ländern
des Euroraums (z. B. Deutschland und Belgien) zu beobachten. Negative
Zinssätze bei Unternehmenseinlagen sind hingegen im Euroraum weit
verbreitet und traten auch in Österreich schon seit längerem auf.
Dies betraf insbesondere neu veranlagte Einlagen mit (meist
kurzfristiger) vereinbarter Laufzeit, die im Dezember 2021 im Inland
ein Zinsniveau von –0,63 % erreichten und von Veranlagungen großer,
international agierender Konzerne geprägt wurden.

Bankeinlagen stiegen trotzdem weiter an

Trotz stark negativer Realzinssätze wuchsen die Bankeinlagen der
heimischen Haushalte auch im Jahr 2021 weiter auf 294,8 Mrd EUR. Nach
dem starken Anstieg im Jahr 2020 (welcher auch in pandemiebedingten
Konsumeinschränkungen begründet war) zeigte sich im zweiten Jahr der
Pandemie jedoch eine etwas geringere Dynamik. Während der
Nettozuwachs von Haushaltseinlagen 2020 noch 17,1 Mrd EUR (+6,4 %)
betrug, belief sich dieser im Jahr 2021 nur noch auf 10,9 Mrd EUR
(+3,8 %) und entsprach damit in etwa dem Niveau vor Ausbruch der
Pandemie. Die Einlagen der Unternehmen stiegen 2021 um 3,0 Mrd EUR
(+3,5 %) auf 87,4 Mrd EUR an.

Österreichische Investmentfonds profitierten 2021 vom günstigen
Umfeld

Investmentfonds waren aufgrund ihrer höheren Renditechance in Zeiten
des Niedrigzinsumfeldes eine zunehmend gesuchte
Veranlagungsalternative, was sich 2021 in historisch hohen
Nettomittelzuflüssen in Höhe von 15,2 Mrd EUR niederschlug.
Inländische Investmentfonds konnten im Jahr 2021 – vor den negativen
Auswirkungen der Ukrainekrise auf die Finanzmärkte und in einem
damals noch wesentlich günstigeren Börsenumfeld – eine Rendite von
7,3 % erzielen. Sie waren im Jänner 2022 mit 68,5 % ihres
Wertpapierportfolios (verzinsliche Wertpapiere, Anteilsreche,
Investmentzertifikate) an Wertpapieren aus dem Euroraum und 13,3 % an
US-Wertpapieren beteiligt, sodass das zukünftige Renditepotenzial
stark von weiteren Entwicklungen an diesen Märkten beeinflusst wird.
Russische bzw. ukrainische Wertpapiere wurden von inländischen Fonds
nur in geringem Umfang (0,7 Mrd EUR bzw. 0,3 % des
Wertpapierportfolios) direkt gehalten.

Private Haushalte investieren vor allem in nachhaltige inländische
Fonds

Die um Kurseffekte bereinigte Jahreswachstumsrate der von privaten
Haushalten gehaltenen Investmentzertifikate stieg ab dem Jahr 2018
stetig an und lag im Jahr 2021 mit 13,0 % sogar deutlich über jener
der Bankeinlagen (3,8 %). Der Bestand an Investmentzertifikaten im
Besitz privater Haushalte stieg im Jahr 2021auf 89,3 Mrd EUR, wobei
59,5 Mrd EUR auf inländische und 29,8 Mrd EUR auf ausländische Fonds
entfielen. Private Haushalte investierten dabei zunehmend in
nachhaltige inländische Fonds. In Österreich ist bei nachhaltigen
Investmentzertifikaten das UZ49-Gütesiegel von Bedeutung, das von der
Zertifizierungsstelle des Klimaministeriums an besonders nachhaltige
Finanzprodukte auf Basis von ESG-Kriterien (Environmental, Social,
Governance) vergeben werden kann. Mehr als die Hälfte (54 % bzw. 3,0
Mrd EUR) aller Nettoinvestitionen von privaten Haushalten (5,6 Mrd
EUR) in inländische Fonds entsprachen dieser Zertifizierung. Aufgrund
der dynamischen Entwicklung waren im Jahr 2021 bereits 16,5 % (9,8
Mrd EUR) aller von privaten Haushalten gehaltenen inländischen
Investmentzertifikate (59,5 Mrd EUR) mit einem UZ49-Gütesiegel
zertifiziert, während dieser Anteil im Jahr 2019 lediglich 7 %
betrug.

Rückfragehinweise:
Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
(+43-1) 404 20-6900
[email protected]
www.oenb.at

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