- 21.03.2022, 11:57:42
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- OTS0104
Geflügelwirtschaft warnt vor drohender Unterversorgung bei Eiern
Extrem steigende Kosten müssen zu Preisanpassungen führen

Utl.: Extrem steigende Kosten müssen zu Preisanpassungen führen =
Wien (OTS) - Die weitere Entwicklung hinsichtlich der Verfügbarkeit
und der Preise von Futtermitteln und Energie für die Haltung von
Geflügel ist zurzeit nicht kalkulierbar. Die Hauptkomponenten des
Geflügelfutters haben sich besonders in den letzten Monaten extrem
verteuert, andere Futterkomponenten für die Gesunderhaltung der Tiere
sind am Markt zurzeit gar nicht erhältlich. Der zu lange, zu niedrige
und nicht kostendeckende Auszahlungspreis bei Eiern und die
wirtschaftliche Unsicherheit führen bei den Bäuerinnen und Bauern
dazu, dass jetzt im Frühjahr vermehrt keine Junghennen bestellt
werden. Andererseits wird hofeigenes Getreide an Getreidehändler
verkauft. Das lässt in der Geflügelwirtschaft die Alarmglocken
schrillen.
Die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österreichischen
Geflügelwirtschaft (ZAG) fordert die Handelspartner dringend dazu
auf, endlich aufwandsgerechte Eierpreise zu bezahlen, den Tierhaltern
damit Planungssicherheit zu geben und eine drohende Unterversorgung
bei Eiern spätestens im Frühherbst abzuwenden. Von der Politik
fordert die ZAG, angesichts der katastrophalen Situation gemeinsam
mit der Geflügelwirtschaft an neuen, unkonventionellen Lösungen zur
Sicherung der Versorgung mit heimischen Eiern zu arbeiten.
Versorgungssicherheit bei Eiern in Gefahr
Während laut AMA-Preismeldungen bei den meisten Lebensmitteln in
den letzten zehn Jahren aufwandsgerechte Preissteigerungen im Handel
umgesetzt werden konnten, werden Eier - trotz gestiegener Rohstoff-
und Energiepreise - seit vielen Jahren fast zum gleichen Preis
angeboten - für Konsumenten eine erfreuliche Situation, für
Bäuerinnen und Bauern allerdings existenzbedrohend. Ein verringerter
Eierabsatz während der Corona-Krise in der Gastronomie und nun die
nicht mehr kalkulierbaren Futterpreise bringen die heimischen
Geflügelhalter in eine bedrohliche Situation.
"Wir möchten die Österreicherinnen und Österreicher auch künftig
mit hochwertigen Eiern versorgen, aber dazu braucht es jetzt bei
unseren Partnern im Handel ausreichendes Verständnis für die extrem
angespannte und dramatische Situation am inländischen und
europäischen Eiermarkt. Wenn jetzt nicht rasch reagiert wird und die
Preise für unsere Bäuerinnen und Bauern sowie für die Eierpackstellen
sehr deutlich angehoben werden, dann ist die Versorgungssicherheit
mit heimischen Eiern ab Herbst in großer Gefahr", zeigt sich
ZAG-Obmann Franz Karlhuber besorgt.
Errungenschaften nicht aufs Spiel setzen
In den letzten 15 Jahren konnte die österreichische
Geflügelwirtschaft auf herausragende Errungenschaften im Bereich des
Tier- und Umweltschutzes sowie auch bei der Rückverfolgbarkeit und
der Lebensmittelsicherheit verweisen. So ist Österreich das erste
EU-Land, in dem die Käfighaltung zur Gänze abgeschafft wurde.
Legehennen werden nicht nur mit gentechnikfreiem Futter gefüttert,
sondern sogar mit Soja aus dem regionalen Nachhaltigkeitsprogramm
Donau Soja. Eier müssen hierzulande schon im Vorraum des Stalles
gekennzeichnet werden und sind über die Österreichische Eierdatenbank
vom Verkaufsregal bis zum Hühnerhalter eindeutig zurückzuverfolgen.
Durch laufende, intensive Schulungen der Tierhalter, verpflichtende
Betreuungstierärzte und die zentrale Datenbank des bundesweiten
Geflügelgesundheitsdienstes QGV wird die sorgsame Betreuung und
Gesunderhaltung der Tiere sichergestellt.
"Wenn wir jetzt mit unseren Handelspartnern keine Übereinkunft
über die Erhaltung der genannten Qualitätsstandards und eine
entsprechende Entlohnung schaffen, dann riskieren wir nicht nur,
viele heimische Betriebe zu verlieren, dann verlieren wir auch den
Qualitätsvorsprung, den wir uns hart erarbeitet haben", warnt der
Obmann der EZG Frischei, Franz Kirchweger.
Neu denken und unkonventionelle Lösungen suchen
"Vor dem Hintergrund der extrem angespannten Marksituation fordern
wir unsere Vertreter in der Politik auf, gemeinsam mit uns nach neuen
und unkonventionellen Lösungen aus der Krise zu suchen. Nach dem
Prinzip 'Teller-Trog-Tank' sollen gemäß dieser Prioritätenreihung
auch die entsprechenden Maßnahmen zur Versorgungssicherheit geplant
und umgesetzt werden. Die Vertreter der Geflügelwirtschaft sehen die
Umlenkung von 20% des für die Biotreibstoff-Produktion in Österreich
verbrauchten Getreides in ein Interventionslager als möglichen Teil
einer Lösung. Weiters ersuchen wir die Politik um bilaterale
Gespräche mit Regierungsvertretern, die innereuropäisch in den
letzten Wochen aufgebauten Handelsbeschränkungen bei Getreide wieder
aufzuheben und in Österreich ökologisch nicht sensible Freiflächen
für den Anbau von Getreide freizugeben", so Kirchweger.
Große Lösungen gelingen nur gemeinsam
Seit 2010 bekennt sich der gesamte österreichische
Lebensmittelhandel gemeinsam dazu, bei Frischeiern im Regal
ausschließlich auf die hohen österreichischen Standards zu setzen.
Davon profitieren die heimischen Konsumenten beim Eiereinkauf
tagtäglich. "Österreichische Eier sind und bleiben auch in Zukunft
sehr wertvolle und zugleich preiswerte Erzeugnisse. Kein Lebensmittel
war in den letzten Jahrzehnten preislich so stabil wie das Ei. Der
Zuchtfortschritt brachte höhere Legeleistungen bei besserer
Futterverwertung. So musste ein Arbeiter vor 100 Jahren zirka 20
Minuten arbeiten, um ein Ei kaufen zu können, während man heute 40
Sekunden für ein Ei arbeiten muss", gibt Karlhuber zu bedenken.
"Die österreichische Geflügelwirtschaft möchte auch weiterhin ein
verlässlicher Partner des Handels bleiben. Um die
Versorgungssicherheit mit Eiern in Österreich, aber auch um die
bäuerlichen Familienbetriebe in ihrer Struktur zu erhalten, braucht
es jetzt dringend gemeinsam abgestimmte Anstrengungen aller Teile der
Wertschöpfungskette", sagt Karlhuber und lädt Handelspartner sowie
Vertreter der Politik zu Gesprächen ein. (Schluss)
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