- 06.03.2022, 22:00:02
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Leitartikel "Ein Verteilungsproblem" vom 7. März 2022 von Anita Heubacher
Innsbruck (OTS) - Frauen bekommen künftig nicht nur am Weltfrauentag
Unterstützung: Der Facharbeitermangel wird dazu führen, dass Frauen
mehr arbeiten können. Der 9-to-5-Job stirbt aus, die Arbeitszeiten
werden flexibler und Männer auch.
Von Anita Heubacher
Am Dienstag ist Weltfrauentag. Leider. Denn es braucht ihn noch immer
und, wie die Pandemie gezeigt hat, seit einigen Jahren wohl wieder
mehr.
Weiblich, ein, zwei Kinder, keine leitende Funktion und vorwiegend in
schlecht bezahlten Branchen unterwegs. Das ist die Beschreibung der
typisch österreichischen Teilzeitkraft. Österreich und Deutschland
sind folgerichtig seit zig Jahren Negativ-Spitzenreiter, wenn es um
Einkommens-, und noch schlimmer, Pensionsgerechtigkeit geht. Das
Problem ist weniger die Teilzeit, wohl aber deren Verteilung und das
jahrelange Verweilen darin – oft, bis das Kind zur Uni oder man
selbst in Pension geht.
Nun kann selbstverständlich jeder sein Lebensmodell wählen, das für
mehr als 90 Prozent immer noch gleich aussieht: Partnerschaft, Ehe,
Kinder, er Vollzeit, sie Teilzeit. Mit allen Chancen und Risken.
Letztere werden in vielen Fällen nicht selbst abgefedert und
einkalkuliert, sondern müssen von der Allgemeinheit, einer
Volkswirtschaft, ausgeglichen werden. Das ist ein Problem.
Zwar wird heute die Diversität der Geschlechter mit einer nicht enden
wollenden Hingabe diskutiert, die Diversität von Lebensmodellen aber
kaum. Das Glücksmodell bleibt die Familie und ganz besonders die
klassische Rollenverteilung.
Dieses Mal am Weltfrauentag und vor allem für die vielen, die noch
folgen werden, ist Optimismus angesagt. Denn die Frauen bekommen
Unterstützung. Eines der ganz großen Zukunftsthemen ist der Fach- und
Arbeitskräftemangel. Wirtschaft und Industrie gilt das Potenzial der
Frauen als Lösungsansatz. Man wird also noch mehr tun, um Eltern bei
der Kinderbetreuung zu unterstützen. Dazu kommt, dass der
„9-to-5-Job“ ein Auslaufmodell ist und die Arbeitszeiten und die
Männer flexibler werden. Deren Lust und Laune, alles der Karriere
unterzuordnen, ist in den letzten Jahren eher gesunken.
Es könnte also das passieren, was Frauenrechtlerinnen schon lange als
einen Lösungsansatz sehen: die 30-Stunden-Woche für alle oder
zumindest eine gerechtere Verteilung der bezahlten und unbezahlten
Arbeit. Kommen dann noch eine gut geförderte Elternteilzeit, viele
ganztägige Schul- und Betreuungsformen dazu, könnte sich tatsächlich
etwas tun. Dazu müssten aber beide Geschlechter mitspielen und sich
gegenseitig Erwerbs- und Betreuungsarbeit zutrauen.
Klingt radikal? Na, irgendwann sollten wir schon so weit sein, dass
die Kritikpunkte am Weltfrauentag nicht immer dieselben sind und es
vor allem nicht bleiben.
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