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Leitartikel "Im explosiven Krieg der Nebelgranaten " vom 19. Februar 2022 von Christian Jentsch
Innsbruck (OTS) - Die Spannungen zwischen dem Westen und Russland in
der Ukraine-Krise nehmen weite zur. Vor dem Hintergrund eines
drohenden Krieges toben eine Propagandaschlacht und ein Nervenkrieg,
der außer Kontrolle geraten könnte.
Von Christian Jentsch
Es war ein eindrücklicher Auftritt von US-Außenminister Antony
Blinken vor dem UNO-Sicherheitsrat. Am Donnerstag schilderte er
detailliert, wie eine Invasion Russlands in die Ukraine ablaufen
könnte. Und er skizzierte mögliche von Moskau inszenierte Vorwände
für einen russischen Einmarsch. Es war ein Auftritt inmitten der
eskalierenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland in der
Ukraine-Krise. Im Februar 2003 warb der damalige US-Außenminister
Colin Powell unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush vor dem
UNO-Sicherheitsrat um Zustimmung für den Irak-Krieg. Und präsentierte
der Welt angebliche Erkenntnisse der Geheimdienste zu Husseins
Massenvernichtungswaffen. Diese Behauptungen entpuppten sich als
bewusste Falschinformation. Doch diesmal erklärte Blinken, dass die
USA keinen Krieg beginnen, sondern einen Krieg verhindern wollen.
US-Präsident Biden betonte zuletzt, dass die Gefahr einer russischen
Invasion in die Ukraine „sehr hoch“ sei. Washington und auch London
setzen im Informationskrieg auf eine aggressive Kampagne, um
Russlands Pläne zu konterkarieren. Da ist die Rede von Saboteuren, da
werden Angriffspläne veröffentlicht, da wird von einer Aufstockung
der Blutkonserven zur Kriegsvorbereitung berichtet. Man kann das
glauben oder auch nicht, die Grenzen zwischen Wahrheit und
Inszenierung sind längst verschwommen. Jedenfalls will sich der
Westen – insbesondere die USA, die sich unter Biden als Führungsmacht
des Westens zurückgemeldet haben – nicht mehr wie bei der Annexion
der Krim überraschen und brüskieren lassen. Das Spiel mit Information
und Desinformation beherrscht freilich auch die russische Führung
bestens. Moskau hat weit über 100.000 Soldaten im Grenzgebiet zur
Ukraine zusammengezogen und eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut, um
seine Ansprüche im geostrategischen Schachspiel zu untermauern.
Zuletzt sprach Moskau von einem beginnenden Truppenrückzug und
präsentierte Bilder von abrückenden Panzern. Laut westlichen
Informationen handelt es sich dabei aber nur um
Truppenverschiebungen. Von Deeskalation könne keine Rede sein. Zudem
kursieren Falschmeldungen über vermeintliche Provokationen Kiews in
der Ostukraine. Russlands Präsident Putin sieht die Ukraine als
seinen Hinterhof und fordert ein Zurückweichen des Westens – vor
allem der NATO. Aber ob Putin tatsächlich einen neuen Krieg in Europa
mit katastrophalen Folgen auch für Russland riskieren würde, bleibt
Spekulation. Die Karten werden nicht aufgedeckt. Eines ist klar: Auch
Nebelgranaten können einen Krieg auslösen. Und selbst ohne Krieg ist
eine neue Eiszeit wischen West und Ost vorprogrammiert. Keine guten
Aussichten für eine friedlichere Welt.
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