- 11.02.2022, 11:46:38
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Geflügelwirtschaft fordert Hilfe in kritischer Situation am Eiermarkt
ZAG: Viele Bauern können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen
Utl.: ZAG: Viele Bauern können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht
mehr nachkommen =
Wien (OTS) - Die Auswirkungen der Corona-Krise schädigen die
österreichischen Legehennenhalter immer gravierender. Eine
wirtschaftliche Betriebsführung ist für viele Betrieben nicht mehr
möglich. Die Dachorganisation der Österreichischen Geflügelwirtschaft
(ZAG) fordert deshalb einen Schulterschluss entlang der
Wertschöpfungskette, einen Mehrpreis zum Ausgleich extremer
Kostensteigerungen, eine Lebensmittelkennzeichnung und nationale
Stützungsmaßnahmen zum Schutz heimischer Betriebe und zur Erhaltung
der Wertschöpfung in Österreich.
Die Gründe für die kritische Situation liegen einerseits in den
stark gestiegenen Kosten für Betriebsmittel, die bisher nicht
ausreichend an die Handelspartner weitergegeben werden konnten.
Andererseits belastet die Branche nach wie vor der deutlich zu
geringe Eierabsatz in der Gastronomie. Der nachweislich sehr hohe
österreichische Qualitätsstandard und der damit einhergehende höhere
Basispreis erlauben auch kaum Exporte, die den Markt entlasten
könnten. Die Preise für Industrieeier sind ebenfalls auf einem
Niveau, auf dem nicht einmal die Futterkosten abgedeckt werden
können. Nicht genug der Probleme, kämpft die Branche seit letztem
Herbst auch gegen die Einschleppung der Vogelgrippe.
Biosicherheitsbestimmungen mussten verschärft werden. Viele Bauern
können nun ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Marktexperten gehen davon aus, dass viele Betriebe gänzlich aus der
Geflügelhaltung aussteigen werden. Mit der Erholung der Gastronomie
könnte damit am Markt in Zukunft eine Unterversorgung entstehen.
Gestiegene Kosten für Betriebsmittel
Offizielle Notierungen für Weizen, Mais und besonders GVO-freies,
europäisches Soja sind seit Herbst des letzten Jahres letztlich auch
aufgrund der Corona-Krise noch einmal deutlich angestiegen. Die
Preise für Legehennenfutter liegen inzwischen um zirka 50% höher als
noch vor der Corona-Krise. Zeitgleich stiegen die Kosten für Strom
und Heizen sowie Verpackungen auch auf Ebene der Eierpackstellen.
Bauern und Eierpackstellen konnten diese Kosten bislang nur zu einem
geringen Teil von den Handelspartnern abgegolten bekommen, obwohl der
Lebensmitteleinzelhandel die Endverbraucherpreise angehoben hat.
ZAG-Obmann Franz Karlhuber fordert nun für österreichische Bauern und
Eierpackstellen einen fairen Anteil am Endverbraucherpreis: "Wenn es
uns jetzt nicht gelingt, einen entsprechenden Mehrpreis für
hochwertige österreichische Eier zu erzielen, dann werden wir zusehen
müssen, wie immer mehr Legehennenhalter aus der Geflügelhaltung
aussteigen. Damit werden auch Tür und Tor geöffnet für Importe von
Käfigeiern aus dem Ausland." Die langjährige Partnerschaft mit dem
Handel basiert auf beiderseitigem Verständnis und Vertrauen. Die ZAG
erwartet sich nun angesichts der kritischen Situation auch
Verständnis von ihren Partnern im Handel.
Absatzminus in der Gastronomie – Corona-Hilfen dringend nötig
Seit über zwei Jahren führt die Corona-Krise zu massiven
Marktverwerfungen, die in erster Linie die Gastronomie und
Tourismusindustrie, aber in weiterer Folge auch die österreichischen
Legehennenhalter und Eierpackstellen als Zulieferer getroffen haben
und immer noch treffen. Branchenberechnungen haben ergeben, dass
inzwischen 80% aller Eier in der Gastronomie aus österreichischer
Tierhaltung stammen. Entsprechend hart wird die Branche durch den
Absatzausfall getroffen. Die EZG Frischei fordert daher, die
bestehenden Instrumente zur COVID-Hilfe für österreichische
Legehennenhalter als systemrelevanten Teil der Lebensmittelproduktion
auch in dieser schwierigen Marktsituation einzusetzen. EZG-Obmann
Franz Kirchweger hält fest: "Die wirtschaftliche Situation für
Legehennenhalter stellt sich in diesem Jahr noch schwieriger dar als
im Vorjahr, unsere Bodenhaltungsbetriebe brauchen dringend einen
COVID-Verlustersatz, um zumindest einen Teil der wirtschaftlichen
Einbußen durch Corona abzudecken." ZAG und EZG Frischei prüfen
gegenwärtig mit Experten des Landwirtschaftsministeriums die
Möglichkeiten im Rahmen der bestehenden Bestimmungen.
Vogelgrippe grassiert in ganz Europa
Während in vielen Ländern Europas bereits viele Millionen Tiere
der Tierseuche zum Opfer gefallen sind, konnte man in Österreich
durch strenge Schutzmaßnahmen - konkret Stallpflicht zum Schutz der
Tiere in Risikogebieten, schärfere Biosicherheitsbestimmungen sowie
erhöhte Wachsamkeit der Tierhalter - größeres Tierleid, aber auch
wirtschaftlichen Schaden vermeiden. Die ZAG bedankt sich bei den
Experten im für Tierseuchenbekämpfung zuständigen Sozialministerium,
aber auch bei den Experten im Landwirtschaftsministerium für die
bislang erfolgreichen Beratungen zur Eindämmung der Vogelgrippe und
auch für die Evaluierung der Vermarktungsbestimmungen, die nach 16
Wochen Stallpflicht eine Abwertung von Freilandeiern auf Bodenhaltung
vorsehen. Die Branchenvertreter hoffen im Interesse der Tiere aber
auch aus Sicht der Vermarktung, dass es die Risikosituation im
Frühling zulässt, die Restriktionen wieder rechtzeitig aufzuheben.
Appell an Handelspartner sowie Konsumentinnen und Konsumenten
Karlhuber abschließend: "Wir appellieren an alle Partner entlang
der Wertschöpfungskette bis hin zu den Konsumentinnen und
Konsumenten, beim Einkauf auf österreichische AMA-Gütesiegel-Eier zu
achten, nur sie garantieren höchste Qualität entsprechend dem
österreichischen Standard. Auch eine lückenlose Umsetzung der
Herkunftskennzeichnung bis hin zur Gastronomie ist eine
alternativlose Maßnahme, um auch in Zukunft die Versorgung mit
heimischen Lebensmitteln in Österreich gewährleisten zu können."
(Schluss)
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