- 11.01.2022, 22:00:07
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 12. Jänner 2022. Von PETER NINDLER. "Die Streif ist heuer das kleinste Problem".
Innsbruck (OTS) - itzbühel steckt mit den Hahnenkammrennen im
Dilemma. Auf Zuschauer wollen die Veranstalter trotz explodierender
Corona-Zahlen nicht verzichten. Der rechtliche Rahmen lässt das zu,
trotzdem wären „Geisterrennen“ eine wichtige Botschaft.
Corona lässt uns in Schubladen denken, jede für sich liefert
schließlich die gewünschten Antworten. Gerade Kitzbühel lässt sich
perfekt in dieses Zustands-Schema pressen. Angesichts der sich
auftürmenden Omikron-Welle und des dynamischen Infektionsgeschehens
in der Gamsstadt sind Zuschauer, obwohl nur 1000 zugelassen sind, bei
den Hahnenkammrennen in eineinhalb Wochen eigentlich nicht zu
verantworten. Das Signal ist ein verheerendes, gerade mit der
fehlerbehafteten Vergangenheit am Beginn der Pandemie rund um Ischgl.
Kitzbühel reißt hier Tirol mit, aber noch hat der Kitzbüheler Ski
Club die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen. In Lienz oder beim
Bergiselspringen blieben die Ränge ebenfalls leer, Sport geht in der
Pandemie auch so.
Wer sind nun die 1000 Besucher? Natürlich nicht Lieschen Müller von
nebenan, sondern ausgewählte Gäste. Seit Jahrzehnten leben die
Hahnenkammrennen in der öffentlichen Wahrnehmung vom Promifaktor,
über die Stars und Sternchen im „Monte Carlo der Alpen“ haben vor
Corona allerdings auch all jene berichtet, die jetzt mit dem
„Goldenen Kalb Kitz“ und dem Tourismus im Besonderen hart ins Gericht
gehen. Nur getragen haben Kitzbühel stets die Tausenden
fahnenschwingenden Skifans, die Corona-bedingt und deshalb
nachvollziehbar heuer wieder vor dem Fernseher mitfiebern. Kitzbühel
nährt damit jedoch das Klischee von den Gleichen unter Gleichen.
Doch kann man es einem der besten Skiveranstalter der Welt verübeln,
dass er unter den vorgegebenen und von der Politik festgelegten
Rahmenbedingungen Zuschauer im Freien zulässt? Und das Zulässige noch
reduziert und mit 2 G plus verschärft. Andere Veranstaltungen, etwa
im Kulturbereich, finden ebenfalls statt, die Schweiz setzte zuletzt
in Adelboden mit mehr als 12.000 Zuschauern auf ein völlig konträres
Corona-Krisenmangement. Trotz aktuell 64.000 Neuinfektionen. Denn es
gibt auch andere Wege, mit Corona umzugehen.
Und mit Kitzbühel werden natürlich der Tourismus und das Skifahren
zum Reibebaum. Unabhängig davon, dass die touristischen Auswüchse mit
Overtourism und die über das verträgliche Maß hinausgehenden
Erschließungen in Tirol seit Jahren intensiver diskutiert,
angeprangert und zum Teil verhindert werden. Nur das Bild und das
Image des Landes nach außen vermitteln etwas anderes. Aber das hängt
vor allem mit den „Tourismus-Botschaftern“ zusammen, die in Zeiten
einer zu Recht sensibilisierten Öffentlichkeit nichts dazugelernt
haben.
Um auf Kitz zurückzukommen: Es gibt viele argumentierbare Wahrheiten,
doch die Hahnenkammrennen ohne Zuschauer wären heuer das Klügste. Und
eine wichtige Botschaft aus Tirol.
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