- 06.01.2022, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 7. Jänner 2022 von Mario Zenhäusern "Impfung ist noch ohne Alternative"
Innsbruck (OTS) - Obwohl Experten seit Wochen warnen, hat die
Omikron-Welle die Regierungen weltweit überrascht. Jetzt braucht es
Disziplin bei der Einhaltung der verschärften Maßnahmen im Kampf
gegen die Pandemie – und eine strenge Kontrolle.
Tirol liegt im Spitzenfeld, was die Zahl der Neuinfektionen mit dem
Coronavirus in Österreich betrifft. Wieder einmal. Wieder werden
Erinnerungen wach, Erinnerungen an den Beginn der Pandemie, als Tirol
und der Wintertourismus am Pranger standen. Dabei war die neuerliche
Welle vorhersehbar. In- und ausländische Experten warnen seit Wochen
vor Omikron, der neuen, deutlich ansteckenderen Virusvariante. Dass
die Regierungen nicht nur in Österreich, sondern weltweit trotzdem
überrascht wurden, wirft kein gutes Licht auf die
Entscheidungsträger. Entschlosseneres Handeln hätte der Bedrohung
möglicherweise die Dimension genommen. Ein beinahe vertikaler Anstieg
der Corona-Infektionen, wie ihn der führende Epidemiologe Anthony
Fauci in den USA konstatiert, hätte verhindert werden können.
Verhindert werden müssen.
Jetzt aber ist es, wie es ist. Die Bundesregierung hat auf die nahezu
explosionsartige Ausbreitung der Virusvariante reagiert. Die gestern
beschlossenen Maßnahmen sind hart, aber definitiv das gelindeste
Mittel im Kampf gegen die weitere Ausbreitung von Omikron. Und sie
sind lediglich die halbe Miete. Zwar zeigen die Erfahrungen aus allen
anderen betroffenen Ländern, dass bei Menschen, die sich mit der
neuen Virusvariante infiziert haben, deutlich mildere
Krankheitsverläufe festgestellt werden. Das heißt aber nicht, dass
die drohende Überlastung des Gesundheitssystems damit vom Tisch ist.
Im Gegenteil. Wenn nächste Woche tatsächlich mit bis zu 17.000 neuen
Fällen pro Tag gerechnet werden muss und in Tirol von einer
Sieben-Tage-Inzidenz von 3000 ausgegangen werden muss, dann hat das
auch Auswirkungen auf die Belegung von Spitalsbetten mit
Covid-Patienten.
Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund Disziplin bei der
Einhaltung der beim Omikron-Gipfel im Bundeskanzleramt beschlossenen
Maßnahmen – und eine konsequente Kontrolle. Bei beidem, der
Einhaltung und der Kontrolle, haben wir noch viel Luft nach oben, wie
die beiden vergangenen Jahre leider gezeigt haben.
An der Einführung der Impfpflicht am 1. Februar hält die
Bundesregierung fest. Aus gutem Grund, wie nicht zuletzt die
Erfahrungen mit Omikron gezeigt haben. Es mag sein, dass die Impfung
allein die Pandemie nicht besiegt. Aber sie verhindert den Kollaps
der Intensivstationen, das Leid und oft auch den Tod vieler Menschen.
Und sie verschafft jenen, die sich impfen lassen, ein halbwegs
normales Leben mit erträglichen Einschränkungen. Deshalb ist sie noch
ohne Alternative.
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