- 16.12.2021, 22:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Neue Perspektiven für Spitalsreformen", von Peter Nindler
Ausgabe vom Freitag, 17. Dezember 2021
Utl.: Ausgabe vom Freitag, 17. Dezember 2021 =
Innsbruck (OTS) - Die Corona-Pandemie hat die Pläne für Veränderungen
im Spitalswesen auf den Kopf gestellt. Sie müssen neu gedacht werden,
um das Gesundheitssystem krisenfest zu machen und den
Versorgungsauftrag weitgehend zu gewährleisten.
Das Gesundheitssystem ist am Anschlag, die Spitäler sind am Limit.
Noch vor zweieinhalb Jahren wurde in Tirol eine Spitalsreform
verabschiedet, bis 2025 sollte die Anzahl der Spitalsbetten auf unter
4000 gedrückt werden. 222 Betten weniger waren geplant. Das und die
bessere Abstimmung der medizinischen Leistungen unter den neun
öffentlichen Krankenanstalten besonders in der Inntalfurche
schilderte den politischen Pfad der Kostendämpfung aus. Die
Corona-Pandemie stellte die stationäre Wende jedoch auf den Kopf. Die
Ausgaben für das Gesundheitswesen in Tirol werden Ende 2023 die
Milliarden-Grenze überschreiten. Ist die Reform deshalb gescheitert?
Jein, sie muss allerdings neu gedacht werden.
Corona hat die Perspektive verschoben und die Gesundheitsökonomen
ebenfalls korrigiert. Mit den bestehenden Strukturen konnten die
medizinischen Herausforderungen zwar noch bewältigt werden, weil es
genügend (Intensiv-)Betten gibt, Ärzte und Pflegepersonal
Übermenschliches leisten und die Vernetzung unter den Spitälern
vorbildlich abläuft. Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie.
Denn Winter für Winter ist der Spitalsalltag in den vergangenen
Jahren zur Belastungsprobe und der Verletzungsgrad der verunfallten
Wintersportler zunehmend schwerer geworden.
Dass während einer Pandemie Einschränkungen von nicht zeitlich
gebundenen Routineoperationen in den Spitälern notwendig sind, das
haben Krisen so an sich. Die Reduktion des Leistungsangebots auf
unter 50 Prozent des Normalbetriebs an der Innsbrucker Klinik trifft
hingegen den Versorgungsauftrag der Tiroler Bevölkerung mit voller
Härte. Die Kapazitäten wären weiterhin vorhanden, doch vielerorts
fehlt Personal. Dazu kommen noch die nach wie vor überlasteten
Ambulanzen. Und schlussendlich fehlt das Geld an allen Ecken und
Enden.
Die Gesundheitspolitik soll derzeit hauptsächlich funktionieren
und läuft vorzugsweise im Krisenmodus. Trotzdem sollten Reformen
unter dem nachhaltigen Eindruck der Pandemie bereits mitgedacht
werden. Es benötigt mehr Flexibilität bei den Intensivbetten, die
interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Kliniken muss weiter
intensiviert werden. Klinisches Kirchturmdenken hat ausgedient,
außerdem wird das Personal neben der „Hardware“ zum wichtigsten
Kapital.
Ärztezentren oder Primärversorgungseinheiten sind ein Gebot der
Stunde, um die Spitalsambulanzen generell sowie an den
Tagesrandzeiten und Wochenenden zu entlasten. Für Post-Corona müssen
deshalb schon jetzt die richtigen Lehren gezogen werden.
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