Jetzt nicht auf Pneumokokken-Impfung bei Kindern verzichten

Impfung im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten

  • Todesfälle und langfristige Folgen von Pneumokokken-Erkrankungen sind nicht nur in Entwicklungsländern möglich, sondern auch bei uns
    Prof.in Dr.in Ursula Kunze vom Institut für Public Health an der MedUni Wien
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  • Impfungen gegen Pneumokokken können also Leben retten
    Prof.in Dr.in Ursula Kunze vom Institut für Public Health an der MedUni Wien
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Wien (OTS) - Trotz Lockdowns sind die Schulen und Kindergärten weiter offen. Damit können, vor allem dort, wo keine Maskenpflicht herrscht, Ansteckungen mit Atemwegserkrankungen weiter vorkommen. Obwohl momentan Infektionen mit SARS-CoV2 das dominierende Thema sind und diese auch am häufigsten vorkommen, sind auch andere Atemwegserkrankungen möglich und können wie zum Beispiel im Fall von Influenza- oder Pneumokokken-Infektionen gerade bei kleinen Kindern ebenfalls gefährlich sein. Invasive Pneumokokken-Infektionen konnten selbst im letzten Jahr trotz großflächiger Schul- und Kindergartenschließungen nicht vollständig vermieden werden. Da auch sie normalerweise im Spital behandelt werden müssen, wären solche Fälle zusätzlich zu COVID-19 momentan besonders prekär. Glücklicherweise kann auch hier eine Impfung Schlimmes verhindern.

Übertragung durch Tröpfcheninfektion

2020 wurden 19 Fälle von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren gemeldet.[1] 2019 waren es noch 27.[2] „Durch die Lockdowns inklusive Schul- und Kindergartenschließungen beziehungsweise die Hygienemaßnahmen sind auch die Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern zurückgegangen“, erläutert Prof.in Dr.in Ursula Kunze vom Institut für Public Health an der MedUni Wien. „Dass es immer noch 19 Fälle, sogar von invasiven Erkrankungen, gab, zeigt, dass diese Bakterien leicht übertragbar sind und man ihnen praktisch nicht aus dem Weg gehen kann.“

Pneumokokken-Bakterien besiedeln den Nasen-Rachen-Raum und können durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Viele Personen tragen Pneumokokken ständig in sich, ohne zu erkranken. Sind die Abwehrkräfte allerdings geschwächt, kann es zu einer Pneumokokken-Erkrankung kommen. Dazu zählen akute Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen.[3] Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine invasive Pneumokokken-Erkrankung, bei der die Bakterien ins Blut (Blutvergiftung) oder in die Hirnhäute (Hirnhautentzündung) gelangen. Das kann innerhalb weniger Stunden zur akuten Lebensbedrohung werden.[4] „Ein Risiko, das man nicht und ganz besonders jetzt nicht, eingehen sollte“, betont Kunze.

Erkrankung mit potenziell langfristigen Folgen

Was viele nicht wissen und in der medialen Berichterstattung leicht untergeht: Pneumokokken-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren, die durch eine

Impfung vermeidbar sind.[5] Vor dem verbreiteten Einsatz der Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe im Jahr 2000 gab es weltweit mehr als 820.000 Todesfälle durch Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren.[6] „Todesfälle und langfristige Folgen von Pneumokokken-Erkrankungen sind nicht nur in Entwicklungsländern möglich, sondern auch bei uns“, berichtet Kunze. Von 74 österreichischen Kindern, die zwischen 2001 und 2008 eine Pneumokokken-Meningitis entwickelten, sind 9 % verstorben und 28 % hatten nach sechs Monaten fortdauernde neurologische Schäden.[7]

Wichtige Impfung

Die meisten der bei Kindern mit invasiven Pneumokokken-Erkrankungen nachgewiesenen Serotypen sind in den verfügbaren Impfstoffen enthalten.1 „Impfungen gegen Pneumokokken können also Leben retten“, folgert die Public-Health-Expertin. Schätzungen zufolge konnten durch Pneumokokken-Impfungen von 2011 bis 2020 alleine in den 73 ärmsten Ländern der Welt rund 1,5 Millionen Kinder unter 5 Jahren gerettet werden.[8] „Auch wenn es bei uns eine bessere medizinische Versorgung als in den Entwicklungsländern gibt, kommen effektive Therapien manchmal zu spät oder bringen nicht den gewünschten Erfolg“, ergänzt Kunze. „Ganz besonders jetzt.“ Durch die Pneumokokken-Impfung vorbeugen sei daher sowohl bei kleinen Kindern und Babys als auch bei älteren Erwachsenen oder Personen mit Risikofaktoren das Mittel der Wahl. Eine flächendeckende Kinder-Impfung senke außerdem das Infektionsrisiko von älteren Personen.

Im Österreichischen Impfplan ist die Pneumokokken-Impfung bereits im Säuglingsalter empfohlen, gesunden Erwachsenen ab dem Alter von 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren auch früher. Die Impfung für Kinder ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten.7

Weitere Informationen zur Pneumokokken-Impfung unter

https://www.ots.at/redirect/oevih4

https://www.ots.at/redirect/oevih5


[1] Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken, Jahresbericht 2020

[2] Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken, Jahresbericht 2019

[3] Center for Disease Control and Prevention (CDC). Pneumococcal Disease. Symptoms and Complications. Updated June 10, 2015. http://www.cdc.gov/pneumococcal/about/symptoms-complications.html , zuletzt abgerufen am 10.11.2021

[4] Center for Disease Control and Prevention https://www.cdc.gov/pneumococcal/surveillance.html , zuletzt abgerufen am 10.11.2021

[5] World Health Organization (WHO). Global Immunization Data. July 2014. https://www.ots.at/redirect/who31 , zuletzt abgerufen am 10.11.2021

[6] World Health Organization (WHO). Measuring impact of Streptococcus pneumoniae and Haemophilus influenzae type b conjugate vaccination. Immunization, Vaccines and Biologicals. 2012. https://www.ots.at/redirect/apps.who , zuletzt abgerufen am 10.11.2021

[7] BMSGPK, Österreichischer Impfplan 2021

[8] https://www.ots.at/redirect/jhsph , zuletzt abgerufen am 24.11.2021

5 Fakten zu Pneumokokken-Infektionen
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