• 24.11.2021, 10:02:02
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  • OTS0061

Bankgewinne erholten sich im ersten Halbjahr, Risiken aus Wohnimmobilienkrediten nehmen zu

Präsentation des 42. Financial Stability Report der OeNB

Utl.: Präsentation des 42. Financial Stability Report der OeNB =

Wien (OTS) - Im ersten Halbjahr 2021 erholte sich die Gewinnsituation
des österreichischen Bankensektors. Sowohl das operative Geschäft als
auch die Risikokosten verbesserten sich deutlich. Das Wachstum der
Unternehmenskredite hat sich im Verlauf dieses Jahres angesichts
einer guten Liquiditätsausstattung der Unternehmen verlangsamt. Die
ausgeprägte Preis- und Kreditdynamik auf dem österreichischen
Wohnimmobilienmarkt hielt hingegen unvermindert an. Das rückt die
Einhaltung nachhaltiger Kreditvergabestandards in diesem Bereich
verstärkt in den aufsichtlichen Fokus.

Der Erholungsprozess der österreichischen Wirtschaft hat sich im
Herbst dieses Jahres fortgesetzt. In den kommenden Monaten ist jedoch
angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung sowie durch anhaltende
Lieferengpässe eine Abschwächung zu erwarten. „Die umfassenden
geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems stellen weiterhin günstige
Finanzierungsbedingungen sicher und unterstützen Realwirtschaft und
Banken während der Pandemie“, sagte Gouverneur Robert Holzmann
anlässlich der Präsentation der 42. Ausgabe des Financial Stability
Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Bankkredite als zentrales Element für Liquidität der Unternehmen

Bankkredite bildeten während der Pandemie ein zentrales Element zur
Aufrechterhaltung der Liquidität der österreichischen
nichtfinanziellen Unternehmen. Ihr Wachstum hat sich im Verlauf
dieses Jahres verlangsamt. Diese Abschwächung reflektiert zum einen
die zufriedenstellende Liquiditätsausstattung der Unternehmen, zum
anderen dämpfte die hohe Innenfinanzierung – nicht zuletzt dank
umfangreicher staatlicher Unterstützungsmaßnahmen – den
Außenfinanzierungsbedarf. Diese beiden Faktoren stärkten trotz einer
zunehmenden Verschuldung im ersten Halbjahr 2021 die
Schuldentragfähigkeit der Unternehmen.

Weiterhin starke Dynamik bei Wohnimmobilienkrediten

Die starke Dynamik auf dem österreichischen Wohnimmobilienmarkt hielt
unvermindert an. Zum einen war der Anstieg der Wohnimmobilienpreise
deutlich stärker als im Euroraum. Zum anderen expandierten die
Wohnbaukredite an private Haushalte angesichts sehr günstiger
Finanzierungsbedingungen und der anhaltenden Nachfrage nach Wohnraum
weiterhin lebhaft. Deren Jahreswachstumsrate war im September 2021
mit 6,8 Prozent ebenfalls höher als im Euroraum. Noch immer sind
nahezu 40 Prozent der neu vergebenen Wohnbaukredite an private
Haushalte variabel verzinst, was für die betroffenen Haushalte
Zinsänderungsrisiken birgt. In Bezug auf die ausgeprägte Kredit- und
Preisdynamik im Wohnimmobiliensektor wird aus makroprudenzieller
Sicht insbesondere das anhaltende Überschreiten der Kriterien für die
nachhaltige Immobilienkreditvergabe des
Finanzmarkt¬stabilitätsgremiums (FMSG) kritisch gesehen. „Besonderes
Augenmerk muss auf die Nachhaltigkeit der Kreditvergabe insbesondere
im Bereich der Immobilienfinanzierungen gelegt werden. In diesem
Zusammenhang sind die Empfehlungen des FMSG einzuhalten“, führte
Vize-Gouverneur Gottfried Haber aus.

Erholung der Gewinnsituation des Bankensektors

Dank der von umfangreichen öffentlichen Maßnahmen unterstützten
wirtschaftlichen Erholung und des anhaltenden Kreditwachstums erholte
sich die Gewinnsituation des österreichischen Bankensektors im ersten
Halbjahr 2021 stark. Sowohl das operative Geschäft als auch die
Risikokosten verbesserten sich deutlich und führten zu einer
Vervierfachung des Gewinns (im Vergleich zum Vorjahr) auf 3,7 Mrd
EUR. Nach dem letztjährigen Gewinneinbruch liegen die Banken damit
bereits nach sechs Monaten leicht über dem Gewinn des Gesamtjahrs
2020. Der kräftige Rückgang der Risikokosten ist durch die weiterhin
sehr geringe Anzahl an Kreditausfällen begründet. Der Anteil
notleidender Kredite lag Mitte 2021 bei nur 1,9 Prozent.
Vorlaufindikatoren deuten aber an, dass es künftig zu einer
Verschlechterung der Kreditqualität aufgrund der Folgewirkungen der
Pandemie kommen könnte. Die harte Kernkapitalquote liegt jedoch seit
Ende 2020 stabil bei 16,1 Prozent, weshalb Stresstests der OeNB
zeigen, dass der solide kapitalisierte österreichische Bankensektor
auch für einen erneuten Wirtschaftseinbruch insgesamt gewappnet wäre
und seine Finanzierungsfunktion für die Realwirtschaft erfüllen kann.

Empfehlungen der OeNB an die österreichischen Banken

Die Unsicherheiten in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie sind
zuletzt erneut gestiegen, weshalb die Auswirkungen daher noch nicht
abschließend zu beurteilen sind. Zur Sicherung der
Finanzmarktstabilität empfiehlt die OeNB den österreichischen Banken,

• weitere Zurückhaltung bei der Gewinnverwendung zu üben, um die
Kapitalbasis nachhaltig zu stärken,

• nachhaltige Kreditvergabestandards einzuhalten, insbesondere bei
Wohnimmobilien-krediten entsprechend der quantitativen Leitlinie des
Finanzmarktstabilitätsgremiums (u.a. eigene Mittel von mindestens 20
Prozent und ein maximaler Schuldendienst von 30 Prozent bis 40
Prozent des Nettoeinkommens),

• eine adäquate Wertberichtigungspolitik sicherzustellen,
insbesondere nach Auslaufen der COVID-19-Maßnahmen,

• die Effizienz weiter zu steigern, um eine nachhaltige
Profitabilität zu sichern, und

• geeignete Strategien zum Umgang mit Herausforderungen aufgrund
neuer Informations-technologien und des Klimawandels zu entwickeln
und umzusetzen.

Der halbjährlich in englischer Sprache erscheinende Financial
Stability Report der OeNB analysiert finanzmarktstabilitätsrelevante
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld sowie
Spezialthemen im Zusammenhang mit der Finanzmarktstabilität.

Die heutige Pressekonferenz der OeNB wird aufgezeichnet und steht
dann auf dem YouTube-Kanal der OeNB zur Verfügung:
https://www.youtube.com/c/OesterreichischeNationalbank

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