Greenpeace-Studie: 80 Prozent der österreichischen Kurzstreckenflüge könnten schon jetzt mit der Bahn ersetzt werden

Neuer internationaler Report beleuchtet wie Kurzstreckenflüge durch Bahnverbindungen ersetzt werden können und zeigt Reduktionsmöglichkeit von jährlich 23,5 Mio. Tonnen CO2 auf

Brüssel/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat heute einen neuen Report veröffentlicht, der untersucht, wie viele Kurzstreckenflüge in Europa durch Züge ersetzt werden können. Das überraschende Ergebnis: für rund 30 Prozent aller Kurzstreckenflüge gibt es Zugverbindungen unter sechs Stunden, für 18 Prozent gibt es direkte Nachtzugverbindungen. Die Daten für Österreich sind noch erfreulicher: hierzulande gibt es für 53 Prozent aller Top-30-Kurzstreckenflüge innerhalb der EU direkte Nachtzugverbindungen – ein absoluter Spitzenwert in Europa. Inklusive einigen schnellen Tagzügen und Nachtzügen mit einmaligem Umsteigen gibt es sogar für 80 Prozent aller österreichischen Kurzstreckenflüge eine gute Bahnalternative. Greenpeace fordert ein europaweites Verbot von Kurzstreckenflügen, wenn es eine Zugverbindung unter sechs Stunden gibt, sowie Verbesserungen im europäischen Bahnverkehr – aus österreichischer Perspektive sind vor allem bessere Zugverbindungen nach Südosteuropa notwendig.

Der vom italienischen Institut OBC-Transeuropa erstellte Report analysierte die Top150- Kurzstreckenflüge in der EU sowie die Top250-Flüge in Europa (EU plus CH, UK, NOR). Zusätzlich wurden auch die 30 wichtigsten österreichischen Flüge betrachtet. Ausgeklammert wurden lediglich Flüge zu Inseln, die mit der Bahn nicht erreicht werden können. Von den meistgenutzten Flugstrecken gibt es bei zehn Prozent einen Zug unter vier Stunden und bei weiteren 19 Prozent einen unter sechs Stunden. „Zusammen mit den direkten Nachtzügen könnte in Europa also bereits jetzt bei fast der Hälfte aller Kurzstrecken gemütlich auf die Bahn umgestiegen werden“, analysiert Greenpeace Verkehrssprecher Herwig Schuster: „Wir fordern daher, dass diese Flüge verboten werden.“ Für einen Komplettausstieg aus Kurzstreckenflügen in Europa fordert Greenpeace jedoch auch Verbesserungen bei der Bahn. „Die Bahn muss im Vergleich zum Flugzeug deutlich billiger gemacht werden“, sagt Schuster, „und vor allem in Ost- und Südosteuropa müssen die Züge deutlich schneller und öfter fahren.“

Auf Basis der verfügbaren hervorragenden Bahnverbindungen in Österreich fordert Greenpeace rasch ein Verbot aller Inlandsflüge sowie der Flugverbindungen von Wien nach Prag, Budapest und München aufgrund der schnellen Tagzüge. Darüber hinaus fordert Greenpeace die Einstellung von Verbindungen mit sehr guten Nachtzugverbindungen, darunter Wien nach Warschau, Berlin, Düsseldorf, Zürich, Venedig, Hamburg und Frankfurt. Flüge nach Frankfurt sollten auch ab Linz und Salzburg der Vergangenheit angehören.

Greenpeace hat die Daten des neuen Reports auch für eine Klimabilanz genützt. „Ein Ersatz aller Top-250-Kurzstreckenflüge in Europa durch Züge würde eine jährliche CO2-Einsparung von rund 23,5 Millionen Tonnen pro Jahr bringen. Das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von ganz Kroatien“, sagt Schuster. In Österreich könnte man mit einem Verzicht auf die 30 meistgenutzten Flüge unter 1500 Kilometer 1,6 Millionen Tonnen CO2 jährlich einsparen. Europaweit würde allein der Verzicht auf Flüge, für die es einen Zug unter sechs Stunden gibt, über fünf Millionen Tonnen einsparen. In Europa haben Züge im Durchschnitt eine fünfmal bessere Klimabilanz als Flugzeuge pro Personenkilometer. In Österreich sind Züge aufgrund der Grünstrom-Verwendung durch die ÖBB sogar noch deutlich klimafreundlicher als im EU-Schnitt.

Unter diesem Link finden Sie den Report, eine deutschsprachige Zusammenfassung sowie die Ergebnisse für Österreich:
https://act.gp/zug-vs-flug

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Herwig Schuster
Greenpeace-Sprecher
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