• 29.09.2021, 22:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Söders zweite Chance aufs Kanzleramt", Ausgabe vom 30. September 2021 von Christian Jentsch.

Innsbruck (OTS) - Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet kämpft um sein
politisches Überleben. Auf Hilfe von CSU-Chef Markus Söder kann er
nicht hoffen. Ganz im Gegenteil: Söder könnte durch die Hintertür
doch noch den Weg ins Kanzleramt finden.

Im April musste der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus
Söder noch zurückstecken. Im Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union
setzte sich der CDU-Chef und Noch-Ministerpräsident von
Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, durch. Ober schlägt Unter, hieß
es damals. Doch die Entscheidung verursachte in der Union viel
Bauchweh, selbst viele CDU-Spitzenpolitiker und auch einige
CDU-Ministerpräsidenten sprachen sich zumindest indirekt für Söder
aus. Söders Macher-Image – so markierte er in der Corona-Krise auch
gegenüber Tirol mehrmals den starken Mann – gefiel. Und auch er
selbst ließ keinen Zweifel daran, dass die Union die falsche
Entscheidung in Sachen Kanzlerkandidat getroffen hat. Die Wahl ist
geschlagen – mit dem vorhergesagten Desas­ter für die Union, die nur
noch zweitstärkste Kraft im Bundestag ist – hinter einer noch bis vor
Kurzem am Boden liegenden SPD unter ihrem neuen Zugpferd Olaf Scholz.
Der schwer angezählte Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet kämpft um
sein politisches Überleben. Und er hat nur eine Option: Er muss sich
mit der FDP und den Grünen möglichst rasch auf eine Jamaika-Koalition
einigen und sich damit ins Kanzleramt retten. Eine Herkulesaufgabe,
schließlich hat SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der mit den Grünen
und der FDP eine Ampel-Koalition bilden will, das Sieger-Image auf
seiner Seite. Und geht somit mit einem Vorsprung ins Rennen. Doch
damit nicht genug: Laschet werden auch aus den eigenen Reihen immer
mehr Steine in den Weg gelegt. Für ihn wird es immer enger.
Vor der Fraktionssitzung der Union am Dienstag rückte Söder von
Laschet ab. Er erklärte, dass „Olaf Scholz derzeit die besten Chancen
hat, Kanzler zu werden – eindeutig“. Und er setzte noch eins drauf:
Es sei wichtig, das Wahlergebnis zu respektieren, das „eine schwere
Niederlage“ für die Union gewesen sei. Einen Regierungsauftrag könne
er daraus nicht ableiten, nun sei einmal die SPD am Zug. Wenn die
Ampel-Koalition sich nicht realisieren lasse, dann komme eine
Jamaika-Koalition der Union mit der FDP und den Grünen wieder ins
Spiel.
Dann könnte es für Laschet aber schon zu spät sein. Und nicht mehr
Laschet, sondern Söder könnte die Gespräche mit der FDP und den
Grünen führen. Bei einer Einigung stünde Söder dann die Tür ins
Kanzleramt wieder offen, um die Nachfolge von Angela Merkel
anzutreten. Der CSU-Chef ist klug genug, die Szenarien als Gerüchte
abzutun. Doch in der Union rumort es und selbst in der CDU hoffen
einige auf eine zweite Chance für Söder. In München hält man sich
bedeckt, hat den Umzug aber wohl schon geplant. Für alle Fälle eben.

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