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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 26. September 2021 von Alois Vahrner "Deutsche Karten neu gemischt"
Die Wahl in Deutschland ist hochspannend, die Regierungsbildung vermutlich noch mehr. Für Europa steht viel auf dem Spiel.
Utl.: Die Wahl in Deutschland ist hochspannend, die
Regierungsbildung vermutlich noch mehr. Für Europa steht viel
auf dem Spiel. =
Innsbruck (OTS) - Die Ära von Angela Merkel geht nach 16 Jahren zu
Ende, erstmals gibt es bei einer Bundestagswahl keine(n)
Titelverteidiger(in). Auch das macht diese heutige Wahl so spannend,
ebenso der Umstand, dass es eine wahre Achterbahnfahrt bei der
Stimmungslage gab und in den letzten Monaten mit der Union, den
Grünen und zuletzt der SPD bei Umfragen wechselweise gleich drei
Parteien Platz 1 einnahmen.
Zunächst schien alles auf ein Duell Schwarz gegen Grün um die
Kanzlerschaft hinauszulaufen. Die Union lieferte einen wenig
nützlichen Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder um die
Spitzenkandidatur, bei dem sich gegen viel interne Widerstände die
größere Partei durchsetzte. Bei den Grünen wurde Annalena Baerbock
nominiert. Sowohl Laschet als auch Baerbock unterliefen aber schwere
Schnitzer. Und im Nachhinein betrachtet, werden wohl beide Parteien
zur Erkenntnis kommen, dass ihre Chancen mit Söder bzw. Robert Habeck
größer gewesen wären. So aber könnte der staubtrockene Finanzminister
Olaf Scholz, den die SPD-Funktionäre vor Kurzem nicht als Parteichef
wählen wollten, heute tatsächlich Platz 1 ergattern.
Das wäre eine gute Voraussetzung für einen Machtwechsel, aber
keinerlei Garantie. Rot-Rot-Grün würde u. a. mit der
Anti-NATO-Haltung der Linken alles andere als Stabilität für Europa
bedeuten, auch die Wirtschaft wäre höchst alarmiert. Rot-Schwarz oder
umgekehrt ist in beiden Parteien wenig populär, daher scheint ein
Wettlauf von SPD und Union um die Gunst von Grünen und FDP und damit
entweder eine Ampel- oder eine Jamaika-Koalition am
wahrscheinlichsten. Dann gilt wohl vor allem das Motto: Wer bietet
den „Kleineren“ mehr? Und zuletzt wurde gar darüber spekuliert, dass
bei nur Platz 2 für die Union doch noch Söder statt Laschet ins
Kanzler-Rennen einsteigen könnte.
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