• 16.09.2021, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 17. September 2021, von Michael Sprenger: "Skeptiker sind noch keine Leugner"

Innsbruck (OTS) - Wie können wir hierzulande die Impfquote erhöhen?
Zuallererst sollten wir den Dialog suchen und die Aufklärungsarbeit
versuchen. Nicht mit Verschwörungstheoretikern und Leugnern, aber mit
den Zweiflern.

Dänemark hat nicht die Pandemie für beendet erklärt, aber die
Regierung in Kopenhagen hat alle Corona-Beschränkungen aufgehoben.
Die Maskenpflicht wurde schon vor einem Monat abgeschafft. Seit 1.
September brauchen die Dänen in Restaurants und bei Friseuren keinen
Corona-Pass mehr. Und seit der Vorwoche gibt es nun keinerlei
Einschränkungen mehr für Großveranstaltungen.
Aufgrund einer erfolgreichen Impf­kampagne und einer damit
einhergehenden hohen Impfquote ist das skandinavische Land auf der
anderen Seite der Pandemie angekommen. Bei den ab Zwölfjährigen sind
bereits mehr als 80 Prozent der 5,8 Millionen Einwohnerinnen und
Einwohner doppelt geimpft. In Schweden, das von Anfang an einen
anderen Weg eingeschlagen hat, wird man sich aufgrund von Impfquote
und Anzahl der Genesenen am 29. September von den wenigen
Corona-Beschränkungen verabschieden.
In Österreich hingegen hinken wir bei der Impfquote hinterher. Ja,
es stimmt. Die Regierungen in Kopenhagen und Stockholm haben mit
Beginn der Pandemie auf je unterschiedliche Weise auf Einschränkungen
verzichtet, auch weil sie die Bürger einer offeneren Gesellschaft
nicht akzeptiert hätten. Den Dialog mit den Bürgern führten
Gesundheitsbehörde oder wie in Schweden Chef-Epidemiologe Anders
Tegnell – nicht die Regierungsspitze. Man setzte auf
Eigenverantwortung, nicht auf Verbote. Hätten wir diesen Weg in
Österreich beschreiten können? Wahrscheinlich nicht. Da sind wohl die
gesellschaftlichen Unterschiede zu groß. Trotzdem müssen wir nun
versuchen, die Impfquote rasch signifikant zu erhöhen. Hier ist die
Politik, sind wir alle gefordert. Wir werden wohl zur Kenntnis nehmen
müssen, dass es einen Teil in der Bevölkerung gibt, der für sich
behauptet, Corona gäbe es nicht oder es sei ein Produkt einer
Weltverschwörung – und die Impfung nichts anderes als der Versuch
einer gigantischen Überwachungs­industrie.
Da macht eine Diskussion wohl keinen Sinn. Aber wir erleben auch
hierzulande, dass Skeptiker der Corona-Politik in Diskussionen allzu
rasch als Idioten abgestempelt und ins rechte Eck abgeschoben werden.
Doch Skeptiker und Zweifler sind nicht per se Gegner, Querdenker,
Impfverweigerer oder reaktionäre FPÖ-Anhänger. Sie sind in erster
Linie verunsichert. Mit diesen Menschen soll man den Dialog suchen,
nicht strafen oder brandmarken. Zuallererst muss man ihre Ängste
ernst nehmen. Nur so kann man sie mit guten Argumenten gewinnen.
Damit gewinnen wir alle. Dänemark sollte uns ein Ansporn sein.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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