- 10.09.2021, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 11. September 2021. Von CHRISTIAN JENTSCH. "9/11 und der Anfang vom Ende".
Innsbruck (OTS) - Die islamistischen Anschläge vom 11. September 2001
veränderten die Welt. Nach dem Schock folgte der „Krieg gegen den
Terror“, der neue Monster schuf. 20 Jahre danach schlitterte der
Westen in Afghanistan in ein Debakel.
Es war ein Tag, der die Welt veränderte. Nachdem Attentäter des
Terrornetzwerks Al-Kaida am Morgen des 11. Septembers 2001 gekaperte
Passagiermaschinen in die Zwillingstürme des World Trade Center in
New York und in das Pentagon bei Washington steuerten und rund 3000
Menschen in den Tod rissen, blieb auf der Bühne der großen
Weltpolitik kein Stein auf dem anderen. In den Ruinen der Symbole des
Kapitalismus und der Supermacht USA wurden neue Kriege – sei es in
Afghanistan oder im Irak – geboren, entstanden neue Verwerfungen und
Verheerungen, tiefe Risse zwischen dem Westen und der islamischen
Welt, wurde der Dialog der Kulturen beendet. Nach dem blutigen
Terror, nach dem unvorstellbaren Angriff auf das Zentrum der
westlichen Welt sannen die USA nach Rache. Und nach mehr. Sie riefen
den so genannten „Krieg gegen den Terror“ aus, manifestierten ihre
Stärke und ihren Zusammenhalt in Interventionen, starteten die
endlosen Kriege im Nahen Osten. Wobei die Rechtfertigung für die
Invasion des Irak auf einer Lüge fußte, die angeblichen
Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein wurden nie gefunden.
Der „Krieg gegen den Terror“ nährte sich selbst und in den Trümmern
der Kriege im Irak und Syrien wurde ein neues Monster des Terrorismus
geboren. Die Al-Kaida wurde für tot erklärt (Ableger sind weiterhin
in Afghanistan und vor allem in Syrien aktiv), der IS wurde zur neuen
Geißel des Westens. Eines ist heute jedenfalls klar: 20 Jahre,
Hunderttausende Tote in Afghanistan und im Irak und Billionen von
US-Dollar, die in sinnlose Kriege investiert wurden, später ist der
Terror nicht besiegt und auch nicht weniger geworden. Ganz im
Gegenteil. Es gibt mehr Anschläge und mehr Jihadisten als vor 2001.
Heute ist der „Krieg gegen den Terror“ auf den Kopf gestellt. 20
Jahre nach 9/11 und dem folgenden Einmarsch in Afghanistan wurde am
Hindukusch nun jene westliche Weltordnung zu Grabe getragen, die im
vermeintlichen Kampf für Demokratie, Menschenrechte und universelle
Werte die Welt umzugestalten versuchte. Schon der frühere
US-Präsident Donald Trump blies mit seinem „America First“ zum
Rückzug, der amtierende US-Präsident Joe Biden musste das
Unabwendbare vollziehen. Im Blut und Staub Afghanistans, in der
Hektik und dem Chaos des Abzugs der US-Soldaten und der
NATO-Verbündeten wurden die Schlachtrufe von vor 20 Jahren zur Farce.
Und nun? Steuert die Welt, der Kriege müde, ruhigeren Zeiten
entgegen? Kaum anzunehmen. Nach dem Kampf der Kulturen wird nun von
allen Seiten das Mantra des Zusammenstoßes der Systeme propagiert.
Der Westen gegen China und Russland heißt das neue, alte tödliche
Spiel. Eine Konfrontation, bei der es keine Sieger geben kann.
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