- 01.09.2021, 12:32:44
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Die Krise am Arbeitsmarkt ist für Langzeitarbeitslose noch lange nicht vorbei
Arbeitssuchende brauchen Unterstützung statt Drohungen und Sanktionen
In den letzten Monaten hat sich die Situation am Arbeitsmarkt vordergründig entspannt: Auch im August 2021 war ein Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. 286.277 Menschen waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitssuchend gemeldet, weitere 61.035 nahmen an Schulungen teil, das sind insgesamt um 17,9% weniger als noch vor einem Jahr. Viele Menschen profitieren von der verbesserten Wirtschaftslage und finden wieder einen neuen Job.
Die insgesamt positive Entwicklung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden ist
, warnt Schifteh Hashemi, Geschäftsführerin von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen zeigt das deutlich: Im August 2021 galten 128.319 Menschen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, waren also seit bereits mehr als einem Jahr ohne Job. Das sind um rund 7.200 mehr als im August des Vorjahres. Der Anstieg setzt sich seit Beginn der Krise fort. Mittlerweile ist bereits beinahe jede*r zweite Arbeitslose langzeitbeschäftigungslos. Besonders betroffen sind Ältere: Bei den über 45-Jährigen sind 56,5% der Arbeitslosen langzeitbeschäftigungslos. Verfestigte Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist ein massives gesellschaftliches Problem. Die Politik muss hier dringend Lösungen finden
, so Hashemi weiter.
Vorstöße wie zuletzt seitens des AMS-Vorstands, die Zuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose einzuschränken, zu befristen oder gar abzuschaffen, sind kontraproduktiv, kritisiert Hashemi: Arbeitssuchende brauchen Existenzsicherung und konstruktive Unterstützung durch das Arbeitsmarktservice, nicht noch mehr Drohungen und Sanktionen.
Mitten in der Krise sei ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um über finanzielle Einschränkungen für arbeitslose Menschen zu diskutieren: Das Arbeitslosengeld in Österreich ist im internationalen Vergleich niedrig und kaum armutsfest. Hier auch noch die wenigen Möglichkeiten eines Zuverdiensts einzuschränken, ist kontraproduktiv. Die Forschung zeigt, dass ein Zuverdienst bei Langzeitbeschäftigungslosen unterstützend wirkt und die Arbeitslosigkeit kürzt.
Auch die 35-jährige Erfahrung der Sozialen Unternehmen zeigt, dass für Langzeitbeschäftigungslose geringfügige Beschäftigung eine sinnvolle Brücke in den Arbeitsmarkt sein kann, betont Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus. Vollmann: Insbesondere für vulnerable Gruppen am Arbeitsmarkt und langzeitarbeitslose Menschen ist dieser „Fuß in die Arbeitswelt“ ungemein wichtig. Sie behalten dadurch eine Tagesstrukturierung, wichtige Kontakte, erlernen neue Fähigkeiten und können stundenweise oder geringfügig langsam auch wieder an eine längerdauernde Beschäftigung herangeführt werden.
Außerdem bewahrt sie die Betroffenen vor dem Abrutschen in manifeste Armut. Die Möglichkeit des Zuverdienstes ist gerade für Langzeitbeschäftigungslose arbeitsmarktpolitisch sinnvoll und sozialpolitisch notwendig
, hält Vollmann fest.
Gleichzeitig sieht arbeit plus, als Netzwerk Sozialer Unternehmen auch die Unternehmen in der Pflicht, Löhne und Gehälter zu schaffen, die existenzsichernd sind. Die Niedriglohnbranche profitiert ungemein von den oftmals prekären geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, auf die arbeitssuchende Menschen, sehr häufig vormals Teilzeit-arbeitende Frauen, zur Aufstockung ihres geringen Arbeitslosengeldes angewiesen sind. Vollmann: Es braucht einen gesamtheitlichen Blick auf diese Problematik, die einseitige Abschaffung der Zuverdienstgrenzen ist allerdings kein adäquates Lösungsmittel.
Angesichts der herannahenden Herausforderungen in der Pandemie- und Krisenbekämpfung im Herbst dürfen Langzeitbeschäftigungslose und vulnerable Zielgruppen keinesfalls (wieder) zurückgelassen werden. Es braucht neue Ansätze, um dem Problem entgegenzuwirken. Insbesondere sind Möglichkeiten für längerfristige geförderte Beschäftigung sowie Modelle, die Arbeiten und Lernen sowie die Bekämpfung der Klimakrise miteinander verbinden, notwendig. Was wir jetzt brauchen, sind Orte, an denen arbeitsmarktferne und von der Krise betroffene Menschen Unterstützung erhalten, Kompetenzen erwerben und ergänzen sowie sich neu orientieren können
, betont Vollmann. Die Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus bieten genau solche Orte.
Die Krisenbewältigung am Arbeitsmarkt hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Gefahr der verfestigten Arbeitslosigkeit rechtzeitig erkannt und bekämpft wird. Wir dürfen die Fehler aus der Krise 2008/9 nicht wiederholen und müssen sicherstellen, dass wir diesmal auch nach der Krise niemanden zurücklassen
, so Vollmann abschließend.
Rückfragen & Kontakt
arbeit plus
Dr.in Martina Könighofer
Öffentlichkeitsarbeit
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